Von Annika Leister, 29.12.11, 17:59h
Mit der Tabla starten vor allem jüngere Schüler die Klangprobe. Dabei ist nicht nur Fingerspitzengefühl von ihnen gefragt, sondern auch Konzentration: 30 Minuten füllen die Schüler mit nur zwei Liedern, ohne einen Blick auf Notenblätter zu werfen. „Ein Lied kann aus mehr als 20 verschiedenen Nummern bestehen, die wir für den Auftritt alle auswendig können müssen. Das ist schon sehr lang“, sagt der 13-jährige Aman. Er besucht seit zwei Jahren mehrmals wöchentlich den Tabla-Unterricht in der indischen Musikschule, nachdem er einen Auftritt von Bhattacharjee miterleben durfte und begeistert war. „Man muss jeden Tag üben, damit es funktioniert. Aber es macht sehr viel Spaß!“ Auf die jungen Musikschüler folgen erwachsene Schülergruppen, die singend, klatschend und vom Harmonium begleitet traditionelle Liedformen wie Ragas und Qawwalis, aber auch Bollywood-Songs vortragen. Oft sind die meditativen Gesänge an den Tag, die Uhrzeit und die Situation angepasst, erläutert Warsha Lund. Wie der Großteil der Schüler an der „Anubhab Academy“ stammt die 41-Jährige aus Afghanistan und ist Hindu. „Mein Qawwali ist besonders für Donnerstage und die Abendstunden gedacht. Es soll Glück bringen.“
Weil Instrumentarium und Mikrofone auf jede Gruppe neu ausgerichtet werden müssen, entstehen immer wieder kleine Pausen. Was die rund 80 Zuschauer mit ebenso stoischer Ruhe hinnehmen wie die Musiker selbst. Vor der Tür werden schließlich Samosas – frittiertes Gemüse – und Tee angeboten, so dass sie Indien in der Zwischenzeit auch kulinarisch erkunden können. Schließlich nehmen die fünf Mitglieder der Combo Anubhab, die der Musikschule ihren Namen verlieh, im Schneidersitz auf der Bühne Platz. „Eigentlich haben wir mehr als 20 Mitglieder“, sagt Bhattacharjee. Die leben jedoch zum Großteil in Indien und reisen nur abwechselnd für einige Monate nach Deutschland, um hier aufzutreten.
Obwohl die meisten Songs als Sufi-Qawwali vorgestellt werden, spielt die Religion nur eine untergeordnete Rolle: „Es geht zwar um die Liebe zu Gott“, sagt Bhattacharjee. „Aber das kann jeder Gott sein, ob muslimisch, christlich oder Hindu.“ Leider bleibt dem Publikum nur eine halbe Stunde, um dem einzigartigen Klang der Sitar und der sanften Stimme des Sängers in ungewohnte Tonhöhen zu folgen. Denn eine Überraschung wartet noch: Das Trio „Hara Samadhi“, bestehend aus Bhattacharjee an der Tabla, Alexander Mayen an der E-Geige und Cecil Drackett am Bass. Die drei beweisen, dass indische Musik, Jazz, Funk und Elektro im Zusammenspiel enormes Potenzial besitzen – nach der Bedeutung des Wortes „Anubhab“, das „Gefühle“, aber auch „Harmonie“ bedeuten kann.
Eine Silvesterparty mit dem Anubhab-Ensemble feiern Freunde und Gäste am Samstag, 31. Dezember, ab 20 Uhr im Braunsfelder „Park Bistro“, Stolberger Straße 200. Eintritt inklusive eines Buffet-Tellers: 20 Euro.
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