Von Philip Sagioglou, 01.01.12, 19:28h, aktualisiert 02.01.12, 08:27h
TOR
Für einen Regionalligisten ist Fortuna im Tor luxuriös besetzt. Dieter Paucken steht mit seiner Erfahrung aus der Zweiten Bundesliga als Nummer eins für Zuverlässigkeit und hat sich als Gewinn für die Mannschaft erwiesen. Auch sein Vertreter Jonas Sela wäre in dieser Liga ein sicherer Rückhalt.
ABWEHR
Mit 27 Gegentoren in 18 Spielen stellt der SC Fortuna eine der schlechtesten Abwehrreihen der Liga. Ein schwacher Wert für eine Spitzenmannschaft, die die Kölner zumindest tabellarisch sind. Stabilster Bestandteil der teilweise sehr fragilen Abwehr ist Kapitän Mitja Schäfer, der bislang eine überragende Saison spielt. Auch Dirk Caspers hat die linke Seite zumeist sicher im Griff und schaltet sich gut in die Offensive ein – sein erst 20-jähriger Vertreter Marco Gietzen hat sich zudem als gute Alternative ausgezeichnet.
Größere Probleme bereiten jedoch die zweite Position im Zentrum und – sofern Koschinat mit Viererkette verteidigen lässt – die rechte Abwehrseite. Mit Oliver Laux, Stefan Haben und Sven Theißen kämpfen drei Spieler um den Platz an Schäfers Seite, kommen jedoch alle nicht an das Niveau ihres Kapitäns heran. Rechts haben Timo Heinze und Daniel Bartsch die besten Karten. Beide kamen – auch wegen Verletzungen – aber nur auf wenig Spielzeit und riefen das durchaus vorhandene Potenzial selten ab. Insgesamt haben zu viele Systemwechsel die Unsicherheiten in der Kölner Defensive verstärkt. Eine konstante Abwehrreihe würde vermutlich helfen, dieses Problem im neuen Jahr zu lösen.
MITTELFELD
Der große Gewinner der Hinrunde ist Ozan Yilmaz. Der junge Türke kam von Schwarz-Weiß Essen aus der NRW-Liga und musste seine Regionalliga-Tauglichkeit zunächst unter Beweis stellen. Das hat er in den vergangenen Wochen und Monaten mit Bravour getan. Auch der offensivere Hamdi Dahmani ist in seiner derzeitigen Form nicht aus der Startelf wegzudenken. Alexander Ende spielt im defensiven Mittelfeld eine unauffällige, aber souveräne Saison. Das kann man von seinem Nebenmann nicht sagen: Maurice Kühn ist im Aufbauspiel häufig ein Unsicherheitsfaktor und muss sich steigern. Der derzeit verletzte Lukas Nottbeck ist als Antreiber und Führungsspieler zu Recht gesetzt. Auf der rechten Außenbahn ist Silvio Pagano unumstritten. Der Italiener hat sich in den vergangenen Wochen stark verbessert –– und rechtfertigt inzwischen die ihm zugeschriebenen Prädikate „schnell und torgefährlich“.
Michael Kessel und Maycoll Canizalez sind gute Alternativen auf den Außenbahnen, ebenso der wenig berücksichtigte Tibor Heber im Zentrum. Alles in allem ist Fortuna im Mittelfeld gut besetzt. Einige Spieler haben aber Steigerungsbedarf, und vor allem bei Rückständen mangelt es noch zu häufig an entscheidender Initiative aus dem Mittelfeld.
STURM
Er kämpft, er ackert und er bemüht sich, doch Fabian Montabell hat in dieser Saison kein Glück. Im letzten Jahr noch Torschützenkönig der NRW-Liga, kam der frühere Bundesligaspieler in dieser Saison bislang nur auf drei Tore, war aber dennoch stets gesetzt. Steffen Moritz machte seine Sache besser. Der kantige Angreifer traf fünfmal, bereitete einige Tore vor und hat sich durch seinen unermüdlichen Kampfgeist trotz seiner limitierten Mittel in die erste Elf gespielt. Kevin Kruth war lange verletzt, kommt aber ohnehin nicht über Kurzeinsätze hinaus. Sollte Montabells Flaute anhalten, gibt es im Sturm am ehesten Handlungsbedarf bei der Fortuna.
TRAINER
Uwe Koschinat hat seit seinem Amtsantritt stets eine klare Spielidee formuliert. Aggressives, leidenschaftliches und vor allem kompaktes Verteidigen, bei Ballbesitz sollen schnelle Vorstöße über das robuste Mittelfeld und die torgefährlichen Außenstürmer folgen. Dennoch hat der 40-Jährige, der in seiner Akribie und Emotionalität an die Bundesliga-Trainer Thomas Tuchel (Mainz) und Jürgen Klopp (Dortmund) erinnert, in einigen Begegnungen zu viel ausprobiert und wechselte teilweise zweimal binnen 90 Minuten das System. Das sorgt eher für Verunsicherung als Auftrieb. Wenn es aber sein Ziel war, die Mannschaft während der Hinrunde mit der Handschrift eines bestens ausgebildeten Fußball-Lehrers zu versehen – er hat es erreicht.
Kommentar: Resultat eines klaren Konzepts
Linktipp: Die Tabelle der Regionalliga
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige