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Duisburgs OB

Sauerland kämpft um sein Amt

Erstellt 02.01.12, 08:37h, aktualisiert 12.02.12, 09:23h

Seit der Loveparade-Katastrophe im Sommer 2010 tobt der öffentliche Streit um Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Jetzt muss er sich dem ersten Abwahlverfahren in NRW stellen. Der Wahlkampf hat längst begonnen.

Adolf Sauerland
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Adolf Sauerland. (Bild: dpa)
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Adolf Sauerland. (Bild: dpa)
DUISBURG - Er wurde beschuldigt, angepöbelt, ausgeladen und mit Ketchup bespritzt. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist nach der Loveparade-Katastrophe vom Juli 2010 mit 21 Toten einen schweren Weg gegangen. In sechs Wochen könnte dieser Weg enden. Wenn beim ersten Abwahlverfahren gegen einen OB in der NRW-Geschichte am 12. Februar mindestens 92 000 Duisburger gegen Sauerland stimmen, muss er ausscheiden.

Eine Bürgerinitiative, Gewerkschaften und Vertreter aller Parteien außer der Duisburger CDU haben sich zusammengeschlossen, um die Abwahl des einst so beliebten Stadtoberhauptes zu erzwingen. Sie machen ihn politisch für die verhängnisvolle Genehmigung des Technofestes verantwortlich und kritisieren sein Krisenmanagement nach der Katastrophe. Auch der Duisburgs hoch angesehener Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (SPD) hat sich den Kritikern angeschlossen.

Minutenlange Ovationen

Medial hat der Wahlkampf in der Industriestadt längst begonnen, auch wenn noch keine Plakate hängen. Einen Kreisparteitag Anfang Dezember vergangenen Jahres funktionierte die Duisburger CDU zur Solidaritätskundgebung für Sauerland mit minutenlangen Ovationen um. Dabei war manchem Delegierten durchaus bang um Herz: Die CDU fürchtet den Machtverlust im letzten schwarzen Großstadt-Rathaus des Ruhrgebietes.

Sauerland selbst hat einen Rücktritt wegen der Katastrophe stets abgelehnt - unter anderem mit dem zutreffenden Hinweis, er habe ja keinen Genehmigungsbescheid unterzeichnet. Das taten die ihm unterstellten Beamten - allerdings offensichtlich in der Überzeugung, dass der ehrgeizige OB die Veranstaltung mit vermeintlich positiven Schlagzeilen in der ganzen Welt wolle.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Katastrophe gegen 17 Beschuldigte, darunter elf städtische Mitarbeiter, nicht aber gegen Sauerland selbst. Der OB verweist auf ein von der Stadt bezahltes Gutachten, nach dem kein Versagen der Stadtverwaltung vorliegt, und griff kurz vor der Jahreswende seine Kritiker scharf an: Der Bürgerentscheid sei eine von SPD und Linken gesteuerte Mogelpackung, sagte er in einem Interview des Magazins „Focus“. Er wolle nur dann zurücktreten, wenn ein Gericht einen seiner Mitarbeiter schuldig spreche.

„Ein mieser Wahlkampftrick

Den „Mogelpackung“-Vorwurf Sauerlands nannte der Sprecher der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“, Theo Steegmann, einen „miesen Wahlkampftrick“. Schließlich hätten 80 000 Duisburger für die Einleitung des Abwahlverfahrens unterschrieben. Die könne man ja wohl nicht kollektiv in die linke Ecke stellen. Selbst im inneren Kreis der Bürgerinitiative sei nur etwa die Hälfte der Mitglieder überhaupt parteigebunden, und dies durchaus nicht nur an die SPD.

Die Sauerland-Gegner wollen einen sachlichen Wahlkampf führen und machen um die vor kurzem aufgetauchten Korruptionsvorwürfe gegen die Duisburger CDU einen Bogen. Dabei ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob die Spenden zweier Unternehmer in Höhe von 38 000 Euro an die Duisburger CDU für Sauerlands siegreichen OB-Wahlkampf 2009 verbotene „Einfluss-Spenden“ waren. Sauerland bescheinigte sich in dieser Sache bereits öffentlich eine „völlig weiße Weste“.

Eine Materialschlacht ist im Kampf um die OB-Abwahl nicht zu erwarten - schon aus finanziellen Gründen, sagt Steegmann. Wie bei allen Kommunalwahlen dürfen aber schon die 16-Jährigen mitwählen. Die Bürgerinitiative will deshalb auch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter intensiv für die Wahlwerbung einsetzen. „Wenn nur jeder zweite Wahlberechtigte hingeht, sind wir äußerst optimistisch“, sagt Steegmann. 2009 bei der Kommunalwahl lag die Beteiligung allerdings nur bei 45,7 Prozent. (dpa)



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