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Stolze Sportler und der letzte Fährmann

Von Oliver Görtz, 04.01.12, 08:13h

In der Ausstellung „Minsche us Wurringe“ zeigt das Heimatarchiv Worringen historische Fotos der Einwohner von Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Viele Besucher der Ausstellungen erkennen sich selbst auf den Fotos wieder.

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Die Stromschwimmer. (Bild: Görtz)
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Die Stromschwimmer. (Bild: Görtz)
Worringen - Stattlich sehen sie aus, die Haare akkurat frisiert, die Arme in die Hüften gestemmt, Brust raus, Bauch rein. Einer kann sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Vor allem aber sind sie stolz. Die Fotografie aus dem Jahr 1922 zeigt fünf Sportler des Schwimmvereins Worringen, die gerade einen damals jährlich ausgetragenen Wettkampf bestritten haben: Das Stromschwimmen. Dafür haben sie sich genau dort in den Fluss gestürzt, wo heute – an der Anlegestelle der Fähre nach Hitdorf – tragischerweise manchmal Autos ungebremst in den Rhein fahren. Ziel der Sportler war der Worringer Hafen, etwa drei Kilometer stromabwärts.

Das Bild ist eines von rund 100 historischen Fotografien von Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts, die das Heimatarchiv Worringen derzeit in seinen Räumen am Breiten Wall ausstellt. Aufnahmen, die durch Sepia-Farbtöne und mitunter leicht ausgefranste Kanten eine charmante Patina bekommen. Sie stammen aus dem inzwischen mehr als 2500 Fotos umfassenden Fundus des Archivs. Thema der Ausstellung sind die Worringer Einwohner selbst, darauf verweist auch der schlichte Titel der Schau: „Minsche us Wurringe.“

Zu sehen sind Herren mit Westen und imposanten Schnauzbärten, Damen in ausladendenden Sonntagskleidern und großen Hüten, für die Kamera artig zurecht gemachte Kinder, alte Karnevalsschnappschüsse, Menschen an ihren Arbeitsstätten, bei Kommunionsfeiern und Porträts. In mühevoller Arbeit haben die Hobbyhistoriker des Heimatarchivs Entstehungsdatum der Bilder, Anlass und Namen der abgebildeten Personen recherchiert – soweit dies möglich war. „Bei einigen Fotos haben wir nicht alle Informationen bekommen können“, sagt Hans-Josef Heinz, Leiter des Archivs.

„Damals gab es in Worringen mehr Ziegen als Menschen“

Manche Geschichte hinter den Aufnahmen hatten die Stadtteil-Historiker in einem ganz persönlichen Archiv gespeichert: Ihren Erinnerungen. So wie zum Beispiel beim Bild des Ziegenzüchters Franz Hüsch von 1930. Mächtig stolz steht er da, mit drei seiner schönsten Tiere sowie seiner Frau und drei Kindern. „Damals gab es in Worringen mehr Ziegen als Menschen. Hüsch war der beste Ziegenzüchter im Ort“, weiß Heinz. Im Veedel hätten sie ihn „Kutscher“ genannt, weil er den damaligen Bürgermeister Worringens, das zu dieser Zeit noch nicht zu Köln gehörte, regelmäßig mit einem Gespann zu Terminen und wieder nach Hause chauffierte.

Eine großartige Fotografie ist das Porträt des Fährmanns Josef Bachem, genannt „Lutze Jöpp“, von 1935. Er war der Letzte, der kommerziell mit einem Boot zwischen Worringen und dem anderen Rheinufer pendelte. Das Bild zeigt ihn im Profil, wodurch sein stattlicher Bauch, die Mütze und die lange Pfeife gut zur Geltung kommen. Eine fast kunstvolle Bildkomposition, auch wenn dem Zeitdokument eine gewisse fototechnische Finesse abgeht.

„Früher ging ein Fotograf durch die Straßen und sagte den Leuten: »Morgen komme ich und fotografiere. Wer will, soll 20 Pfennig fürs Foto mitbringen«“, erzählt Heinz. Auf diese Art seien Gruppenbilder zustande gekommen, bei denen sich Bewohner ganzer Straßenzüge gemeinsam haben ablichten lassen. Manchmal haben die Anwohner all ihre Kinder – vom Babys bis zum Schüler – auf einen Schlag vor die Linse geschoben. Mit diesen Sammelfotografien haben die Archiv-Spezialisten eine kleine Serie zusammengestellt. „Unmöglich, hier alle Namen der Gezeigten zu ermitteln“, sagt Heinz. Deshalb haben es die Historiker erst gar nicht versucht und unter die Bilder einfach „Wurringer Pänz querbeet“ geschrieben.

Erster Rosenmontagszug nach dem Krieg: Uniformen als Kostüm

Auch die Namen von zwei jungen Frauen in Marine-Uniformen waren nicht zu ermitteln. Nur, dass das Bild am Tag des ersten Rosenmontagszugs in Worringen nach dem Krieg im Jahr 1948 entstand und die Uniformen folglich als Kostüm dienten. Kess blicken sie in die Kamera, und Mut haben sie sicherlich auch gehabt. „Sie tragen Hosen, das war in dieser Zeit nicht eben üblich für Frauen“, sagt Heinz. Die älteste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1907. Sie zeigt das kleine Mädchen Gertrud Esser und ist offensichtlich eine fotografische Auftragsarbeit. Fein zurecht gemacht wurde die junge Dame, mit heller Haube, dunklem Mantel, weißem Schal und Gamaschen über den Schuhen. Und wenn man schon mal zum Fotografen ging, dann musste auch der Hund mit drauf.

„Viele unserer Besucher erkennen sich selbst auf den Bildern wieder, oder Verwandte und Bekannte“, berichtet Heinz. Dann flögen die Geschichten aus dem Veedel nur so durch den Raum. „Ach ja, stimmt, weißt Du noch?“, erzählen sie dann. „Auch das hilft bei der Recherche“, so Heinz, „die Leute sehen sich oder andere auf den Bildern. Das würden wir anders nie herausfinden.“



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