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Kredit-Affäre

Versagen auf allen Seiten

Von Peter Pauls, 03.01.12, 13:14h, aktualisiert 03.01.12, 13:29h

Der Bundespräsident ist angeschlagen – aber nicht alle Kritiker sind Helden. Zu pharisäerhaft mutet all die Empörung an. Indes hysterisch ist die Debatte nicht, ebensowenig ist die Pressefreiheit hierzulande in Gefahr. Anstoß, der Kommentar

Wulff
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(Bild: dapd)
Wulff
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(Bild: dapd)
Es ist eine Kette von Halbwahrheiten, Zaudern, Vernebeln und schlichter Torheit, die für das Krisenmanagement (man zögert bereits, den Begriff zu verwenden) des Bundespräsidenten Christian Wulff steht. Die Vorfälle zeichnen das Bild eines Menschen, der überfordert ist. Befreiungsschläge gelingen nicht, Entlastendes wird belastend, immer neue Details zeichnen ein immer neues Gesamtbild. Wer an dieser Stelle die Kritiker Wulffs kritisiert, gerät leicht in den Ruch, die falsche Partei zu ergreifen.

Und doch trägt all die Empörung, nun auch über den Anruf des Staatsoberhauptes bei einem Chefredakteur, pharisäerhafte Züge, hat man den Eindruck, in einem Land zu leben, in dem Christian Wulff als schwarzes Schaf unter ausnahmslos weißen absticht. Was nachdenklich macht ist, wie uniform die Kritik von Flensburg bis Konstanz formuliert ist, wie letztlich fern der Wirklichkeit, in der wir leben, geurteilt und mit der Guillotine hantiert wird.

Wulff ist angeschlagen. Ob er das Handtuch wirft, wird die nahe Zukunft erweisen. Es fehlt nicht viel, dann hat die Bundesrepublik den dritten Bundespräsidenten in wenigen Monaten. Die Nachfolge wird, nimmt man die veröffentlichte Meinung aus medialer und politischer Begleitung ernst, irgendwo in dem engen Feld zwischen Gott, Mutter Theresa, dem Papst und Peter Sloterdijk auszumachen sein.

Nicht dass man die Debatte um Wulff hysterisch nennen möchte. Dazu sind die Worte zu gut gewählt, die Argumente zu besonnen gesetzt und seine eigene Verteidigung zu schlicht. Aber heuchlerisch ist sie mitunter schon. Die Pressefreiheit ist in Deutschland nicht in Gefahr wegen einer Mailbox-Nachricht. Womit soll das Staatsoberhaupt Wulff drohen, außer dem Entzug der tatsächlich bedenklichen Kumpanei mit einem einzigen Blatt. Der Rechtsweg steht jedem der 82 Millionen Deutschen zur Verfügung. Solche Anrufe, wenngleich nicht von Staatsoberhäuptern, sind Alltag in Redaktionen. Sie spielen sich auf allen Ebenen ab und sind stets eine Zumutung. Aber Journalisten werden bezahlt, ihnen nicht nachzugeben.

In Gefahr ist die Pressefreiheit in manchen Ländern Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas. Wo Todeskommandos wüten, ein falsches Zitat den wirtschaftlichen Ruin bedeutet oder der frechen Kommentator mit seinem Auto frontal gegen einen Armee-Lastwagen prallt. In Deutschland ist allenfalls kritisch, wenn Politiker über die Besetzung von Chefredakteursposten wie beim ZDF oder Intendanten entscheiden.

Im prominenten Fall des Ehepaars Wulffs zeigt das Internet, wie es missbraucht werden kann. Was zu Papierzeiten als anonymes Schreiben in Redaktionsstuben flatterte und in den Papierkorb wanderte, findet sich heute, virtuell als Rubrik geadelt, neben seriösen Nachrichten. Wie geht man als Betroffener damit um? Es ist viel von der Würde des Amtes die Rede. Auf dem Marktplatz Internet wird sie missbraucht. Ein flüchtiger Blick belegt das bereits.

Christian Wulff ist zu kritisieren. Aber ebenso sicher ist dies die Stunde der Tugendbolzen. Ein Mediendienst übrigens, der Wulffs Drohanruf meldete, verweist einige Zeilen weiter auf eine Internetseite, die Presserabatte auflistet – von Flügen über Telefontarife bis zu Computern. Verpassen auch Sie keine News, heißt es da. Als neuer Bundespräsident kommen die 22 000 Bezieher dieses Dienstes nicht mehr in Frage.



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