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Kulturschock

Hacken und hacken lassen

Von Tobias Kaufmann, 08.01.12, 11:45h, aktualisiert 08.01.12, 12:20h

Auf nazi-leaks.net veröffentlichen die Aktivisten Namen und Adressen von vermeintlichen Unterstützern realer und vermeintlicher Nazis. Doch Hackeraktionen bringen wie jede andere Form der Selbstjustiz Risiken und Nebenwirkungen mit sich.

Anonymous
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Die Guy-Fawkes-Maske, eines der Erkennungszeichen von Anonymous. (Bild: dpa)
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Die Guy-Fawkes-Maske, eines der Erkennungszeichen von Anonymous. (Bild: dpa)
Peter Scholl-Latour ist ein Nazi. Darauf könnte man kommen, wenn man die jüngste Aktion der Hackergruppe "Anonymous" beim Wort nimmt. Auf nazi-leaks.net veröffentlichen die Aktivisten Namen und Adressen von vermeintlichen Unterstützern realer und vermeintlicher Nazis. Darunter ist eine angebliche Autorenliste der Rechtspostille "Junge Freiheit". Und auf der steht auch der Nahost-Experte Scholl-Latour, dem man viel vorwerfen kann - aber ein Nazi ist er nicht.

Es ist gut und richtig, sich gegen Nazis zu engagieren, auch im Internet. Doch Hackeraktionen bringen wie jede andere Form der Selbstjustiz Risiken und Nebenwirkungen mit sich. Hinter der Maske "Anonymous" verbergen sich Aktivisten, die niemandem Rechenschaft schulden. Mal hacken sie Seiten des iranischen Regimes, mal Seiten der Atomindustrie oder von Kreditkartenfirmen. Wer gut und wer böse ist, entscheiden die Hacker allein.

Ende Dezember knackten Aktivisten die Seite des US-Unternehmens "Stratfor", das - anders als in deutschen Medien dargestellt - weniger eine "Sicherheitsfirma" als ein Think Tank zu Außen- und Sicherheitspolitik ist. Dessen Seite anzugreifen, ist eine Attacke auf die Meinungsfreiheit. Die Kundenkartei zu knacken und von Privatkonten Geld abzuheben, ist kriminell - selbst, wenn man das Geld ans Rote Kreuz überweist. Darüber ist unter den selbstberufenen Freiheits-Rettern Streit ausgebrochen. "Anonymous" behauptet, der "Anonymous", der "Stratfor" hackte, sei nicht der echte. Anders offenbar als jener, der Scholl-Latours Adresse auf einer Anti-Nazi-Seite veröffentlichte.

Wer sich der anonymen Denunziation als Mittel bedient, wird vom Aufklärer leicht zum Jakobiner - und macht aus dem Netz der Freiheit eine moderne Guillotine.



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