Von Jan-Philipp Hein, 10.01.12, 09:08h, aktualisiert 10.01.12, 10:20h
Wir hätten für dieses Jahr einen weiteren Wunsch: Eine Themendatenbank. Denn die Affäre Wulff wurde bereits am Sonntag mehr oder weniger erschöpfend bei Günther Jauch behandelt. „Hart aber Fair“ am Montag war einfach nur noch langweilig. Die Messe ist gesungen, jetzt ist wieder Eurokrise. Lasst den Präsidenten doch einfach in seinem Schloss hocken und freut Euch, dass er den Scherz von der „Wulffsschanze“ durch sein Vokabular („Stahlgewitter“) jetzt auch anwendbar gemacht hat.
Den ARD-Datenbankcheck hatten der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der Journalist Hajo Schumacher, Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“, SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles und ihr CDU-Kollege Hermann Gröhe bestanden. Aber leider wies diese Datenbank keinen Verantwortlichen daraufhin, dass damit nur Journalisten und Politiker diskutieren würden. Weshalb die ganze Sendung merkwürdig blutleer war.
Schumacher wies daraufhin, dass Wulff kein „Tachowellendreher“ sei und begab sich damit gleich in die Bilder des Gastgebers Frank Plasberg, der zuvor fragte, ob er denn einen Gebrauchtwagen vom Bundespräsidenten kaufen würde. Hans Leyendecker sprach Wulff das Format ab und attestierte ihm, „sehr unglücklich mit den Dingen zu hantieren“. Zur Verteidigung Wulffs war Fritz Pleitgen angetreten, der sich mit einer Binse einführte: „Wir müssen die Dinge so betrachten, wie sie wirklich sind.“
Vielleicht kann deshalb keine Talkshow zum Thema noch spannend sein. Weil der recht banale Affärenstoff schon unzählige Male betrachtet wurde. Und wie: „Die Fälle sind untere Schublade und sind immer als obere Schublade behandelt worden“, sagte Pleitgen weiter, der sich langsam einer Spracharmut entledigte, die zuvor noch Leyendecker Wulff bescheinigte: „Wulff tritt nicht zurück, jetzt ist die Frage, wie gehen wir damit um“, schloss der Ex-Intendant seinen ersten Block und war so langsam wieder in „Presseclub“-Form und musste noch nicht mal Angst vor einer widerspenstigen Telefonanlage haben, an der er dort hin und wieder verzweifelte.
Generalsekretäre haben es einfacher, in einen Talk zu kommen. Qua Job sind sie immer auf Dampfplaudertemperatur. Andrea Nahles: „Was ist ein Wort dieses Bundespräsidenten noch wert?“ Antwort Gröhe: „Sie versuchen, die Debatte zu verlängern.“ Plasberg nutzte die Gelegenheit, Nahles auf die suboptimale Wochenend-Performance der SPD-Spitze anzusprechen. Die Generälin: „Wir haben da im Synchronschwimmen nicht unbedingt den ersten Platz gemacht“, was wiederum Hajo Schumacher als „lustige Vorstellung“ bewertete.
Wir fanden lustiger, dass Andreas Nahles ernsthaft dieses meint: „Wir brauchen einen Bundespäsidenten, der Vorbild ist.“ Dieser jetzt, der sei aber nicht klug, „den wünscht man sich doch nicht als Vorbild in den Schulklassen“. Das war der Moment, in dem wir uns fragten, in welcher Welt eigentlich die SPD-Generalsekretärin lebt. Oder muss man sein ganzes Leben in Norddeutschland zugebracht haben, um den Bundespräsidenten in Schulklassen sowieso befremdlich zu finden? Womöglich gerahmt hinter dem Lehrerpult?
Den unfreiwilligen Höhepunkt der Aufführung lieferte CDU-General Gröhe: „Es werden sich noch viele freuen, durch ihn ausgezeichnet zu werden. Und er wird auch weiterhin wichtige Reden halten.“ Keiner setzte zu einer solchen noch bei „Hart aber Fair“ an. Hoffentlich erspart Reinhold Beckmann sich und uns das Thema. Anne Will und Sandra Maischberger pausieren noch.
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Banal?
15.01.2012 | 10.54 Uhr | TrS
Nana, Vorsicht Herr Jan-Philipp Hein. Es wurden schon einige "Journalisten" verklagt die Straftaten billigten oder verteidigten.
und wenn Sie nicht…
es ist aber so und "das" darf nicht einschlafen
11.01.2012 | 08.55 Uhr | ischdem
was der sich erlaubt......darf sich kein "kleiner" beamter erlauben !
talkshows: wer wird eingeladen? prominente mit viel geld
- bei…
Wulff beschädigt Amt
10.01.2012 | 17.09 Uhr | Castorp-Koeln
Natürlich nerven die Talkshows. Aber fassen wir doch mal zusammen: Herr Wulff hat das Parlament belogen. Er hat die Wahrheiten - scheibchenweise -…
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