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„Hart aber Fair“

Lasst Wulff doch im Schloss hocken

Von Jan-Philipp Hein, 10.01.12, 09:08h, aktualisiert 10.01.12, 10:20h

Bundespräsident Christian Wulff und kein Ende: Nach Günter Jauch zog auch Frank Plasberg in „Hart aber Fair“ mit dem leidigen Thema nach. Doch so langsam reicht es. Denn der recht banale Affärenstoff wurde schon unzählige Male betrachtet.

Bundespräsident Wulff
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Tapfer lächeln: Bundespräsident Christian Wulff kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. (Bild: dpa)
Bundespräsident Wulff
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Tapfer lächeln: Bundespräsident Christian Wulff kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. (Bild: dpa)
Es ist knapp ein Jahr her, da erfreute uns die ARD mit der Ankündigung einer Gästedatenbank, die seit ein paar Monaten ihren Dienst tut. Irgendeinem Strategen war nämlich aufgefallen, dass schon damals, als sich „nur“ Anne Will, Reinhold Beckmann, Frank Plasberg und Sandra Maischberger um Gäste bemühten, immer wieder dieselben Gesichter in die Studios eingeladen wurden. Und bevor mit der Einführung des Günther Jauch-Talks Gregor Gysi, Jürgen Trittin und Peter Scholl-Latour gar kein Privatleben mehr haben durften, gab es dann also diese Gästedatenbank.

Wir hätten für dieses Jahr einen weiteren Wunsch: Eine Themendatenbank. Denn die Affäre Wulff wurde bereits am Sonntag mehr oder weniger erschöpfend bei Günther Jauch behandelt. „Hart aber Fair“ am Montag war einfach nur noch langweilig. Die Messe ist gesungen, jetzt ist wieder Eurokrise. Lasst den Präsidenten doch einfach in seinem Schloss hocken und freut Euch, dass er den Scherz von der „Wulffsschanze“ durch sein Vokabular („Stahlgewitter“) jetzt auch anwendbar gemacht hat.

Den ARD-Datenbankcheck hatten der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der Journalist Hajo Schumacher, Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“, SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles und ihr CDU-Kollege Hermann Gröhe bestanden. Aber leider wies diese Datenbank keinen Verantwortlichen daraufhin, dass damit nur Journalisten und Politiker diskutieren würden. Weshalb die ganze Sendung merkwürdig blutleer war.

Schumacher wies daraufhin, dass Wulff kein „Tachowellendreher“ sei und begab sich damit gleich in die Bilder des Gastgebers Frank Plasberg, der zuvor fragte, ob er denn einen Gebrauchtwagen vom Bundespräsidenten kaufen würde. Hans Leyendecker sprach Wulff das Format ab und attestierte ihm, „sehr unglücklich mit den Dingen zu hantieren“. Zur Verteidigung Wulffs war Fritz Pleitgen angetreten, der sich mit einer Binse einführte: „Wir müssen die Dinge so betrachten, wie sie wirklich sind.“

Vielleicht kann deshalb keine Talkshow zum Thema noch spannend sein. Weil der recht banale Affärenstoff schon unzählige Male betrachtet wurde. Und wie: „Die Fälle sind untere Schublade und sind immer als obere Schublade behandelt worden“, sagte Pleitgen weiter, der sich langsam einer Spracharmut entledigte, die zuvor noch Leyendecker Wulff bescheinigte: „Wulff tritt nicht zurück, jetzt ist die Frage, wie gehen wir damit um“, schloss der Ex-Intendant seinen ersten Block und war so langsam wieder in „Presseclub“-Form und musste noch nicht mal Angst vor einer widerspenstigen Telefonanlage haben, an der er dort hin und wieder verzweifelte.

Generalsekretäre haben es einfacher, in einen Talk zu kommen. Qua Job sind sie immer auf Dampfplaudertemperatur. Andrea Nahles: „Was ist ein Wort dieses Bundespräsidenten noch wert?“ Antwort Gröhe: „Sie versuchen, die Debatte zu verlängern.“ Plasberg nutzte die Gelegenheit, Nahles auf die suboptimale Wochenend-Performance der SPD-Spitze anzusprechen. Die Generälin: „Wir haben da im Synchronschwimmen nicht unbedingt den ersten Platz gemacht“, was wiederum Hajo Schumacher als „lustige Vorstellung“ bewertete.

Wir fanden lustiger, dass Andreas Nahles ernsthaft dieses meint: „Wir brauchen einen Bundespäsidenten, der Vorbild ist.“ Dieser jetzt, der sei aber nicht klug, „den wünscht man sich doch nicht als Vorbild in den Schulklassen“. Das war der Moment, in dem wir uns fragten, in welcher Welt eigentlich die SPD-Generalsekretärin lebt. Oder muss man sein ganzes Leben in Norddeutschland zugebracht haben, um den Bundespräsidenten in Schulklassen sowieso befremdlich zu finden? Womöglich gerahmt hinter dem Lehrerpult?

Den unfreiwilligen Höhepunkt der Aufführung lieferte CDU-General Gröhe: „Es werden sich noch viele freuen, durch ihn ausgezeichnet zu werden. Und er wird auch weiterhin wichtige Reden halten.“ Keiner setzte zu einer solchen noch bei „Hart aber Fair“ an. Hoffentlich erspart Reinhold Beckmann sich und uns das Thema. Anne Will und Sandra Maischberger pausieren noch.



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