Erstellt 13.01.12, 19:32h, aktualisiert 13.01.12, 19:33h
MATTHIAS HÖNERBACH: Mit unserem Co-Trainer Wolfgang Rolff habe ich schon das ein ums andere Mal über die Viktoria gesprochen. Wolfgang kennt sich durch seine Zeit beim 1. FC Köln ja noch ganz gut im Kölner Amateursport aus. Ansonsten lese ich natürlich auch Zeitung und verfolge die Geschehnisse um meinen alten Verein in der Presse.
Hätten Sie damit gerechnet, dass die Viktoria einen derart furiosen Neustart hinlegen würde?
HÖNERBACH: Natürlich habe ich mich über die Geschwindigkeit des Neuaufbaus schon etwas gewundert. Als ich aber den Namen Franz-Josef Wernze im Zusammenhang mit der Viktoria gehört habe, war mir klar, dass es da zügig vorangehen wird. Ich habe ihn vor einigen Jahren kennenlernen dürfen, als wir ein loses Gespräch über ein mögliches Traineramt in Dattenfeld geführt haben. Herr Wernze weiß genau, was er will. Er hat mir unglaublich imponiert.
Dann könnten Sie sich mittelfristig also durchaus eine Zukunft in Höhenberg vorstellen, in welcher Funktion auch immer?
HÖNERBACH: Ganz ehrlich, ich habe mich mit diesem Thema überhaupt noch nicht auseinandergesetzt. Ich habe einen Traumjob in der Bundesliga bei Werder Bremen. Im Moment stellt sich die Frage für mich aus diesem Grund eher nicht.
Wie schätzen Sie auf Dauer die Erfolgsaussichten der Viktoria ein? Die Verantwortlichen wollen den Verein ja in den nächsten Jahren zurück in den Profibereich führen.
HÖNERBACH: Wenn man sieht, was Herr Wernze in Dattenfeld und Windeck erreicht hat, dann kann man schwer davon ausgehen, dass er auch bei der Viktoria sein Ding konsequent durchziehen wird – bis zu welchem Punkt, wird sich dann ja zeigen. Für eine Stadt wie Köln wäre es natürlich überragend, wenn sich dort ein zweiter Profiklub hinter dem FC etablieren könnte.
Sie haben in der Saison 1996/1997 den SCB Preußen Köln in der Oberliga Nordrhein übernommen. Wie stellte sich der Vorgängerverein der Viktoria damals dar?
HÖNERBACH: Rückblickend muss ich sagen, dass ich bei Preußen und später auch beim SCB Viktoria Köln eine richtig schöne Zeit hatte. Ich habe damals in der Winterpause das Traineramt von Peter Nover übernommen, konnte den Abstieg in die Verbandsliga dann aber leider nicht verhindern. Schon da hatten wir allerdings mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Nicht zuletzt aufgrund der notwendigen Sparmaßnahmen ist die Mannschaft auch abgestiegen.
Finanzielle Unregelmäßigkeiten, Insolvenz und namentliche Neuausrichtungen – Ruhe hatten Sie doch wahrscheinlich nie als Trainer in Höhenberg.
HÖNERBACH: Ich sage es noch einmal: In der Nachbetrachtung verschwindet zum Glück die ein oder andere Begebenheit von der Bildfläche, so dass eine wunderbare Zeit im Gedächtnis hängen bleibt. Wir hatten Spaß und Erfolg, zudem tolle Jungs in der Mannschaft. Ich erinnere an großartige Typen wie Manni Stefes, Zdenko Kosanovic oder Stephan Kessenich. Die waren richtig gut drauf.
Im Jahr 2000 wurden die Preußen Vizemeister in der Oberliga und der Aufstieg in die Regionalliga wurde nur knapp verpasst.
HÖNERBACH: Das war eine starke Saison. Im November 1999 haben wir beim späteren Aufsteiger Wuppertaler SV 3:1 gewonnen. Ein Riesenspiel damals. Eigentlich konnten wir mit dem WSV vom Budget her gar nicht mithalten, aber die Kameradschaft in der Truppe stimmte. Das war entscheidend für den Erfolg.
Ein Jahr später wollten Sie unbedingt aufsteigen, haben es aber trotzdem nicht geschafft. Woran lag es?
HÖNERBACH: Das stimmt. Wir hatten vom Namen her ein super Team, dem der Aufstieg in die Regionalliga absolut zuzutrauen war. Trotzdem passte es in dem Jahr irgendwie nicht. Und am Ende haben wir es auch nicht gepackt.
Eng verflochten mit der Geschichte des SCB Preußen und von Viktoria Köln ist der einstige Präsident Winfried Pütz. Welchen Anteil hatte er am Erfolg und schließlich auch am Niedergang der alten Viktoria?
HÖNERBACH: Das hält sich wohl ziemlich die Waage. Winfried Pütz war mit Sicherheit kein ganz einfacher Mensch, war auf der anderen Seite aber ständig für die Viktoria unterwegs und rund um die Uhr für seinen Verein da. Die positiven Seiten von Winni überwiegen daher bei mir.
Das Gespräch führte Oliver Löer
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