Erstellt 18.01.12, 09:57h
Josef Wirges: Ich hoffe, dass es zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen der Bauherrin und dem Architekten kommt. Noch bin ich zuversichtlich, dass die Moschee bis spätestens Juli fertiggestellt und eröffnet werden kann. Als Beirat begleiten wir den Bau mit einer kritischen Solidarität. Unseren Unmut über die Informationspolitik haben wir zum Ausdruck gebracht, aber wir mischen uns nicht in die baurechtlichen Belange ein. Inzwischen ist zur neuen Führung der Türkisch-Islamischen Union Ditib wieder ein Vertrauensverhältnis entstanden.
Das zweite große Thema des Jahres wird die Bürgerbeteiligung zum Helios-Gelände sein. Bald schon werden die Arbeitsgruppen gebildet. Glauben Sie, dass es gelingt, einen tragfähigen Kompromiss zu finden als Basis für die weitere Planung?
Wirges: Die Auftaktveranstaltung hat gezeigt, dass das Interesse in der Bevölkerung nach wie vor stark ist. Ich plädiere in jedem Fall für die Bildung einer weiteren, also vierten Arbeitsgruppe, um möglichst viel an Ideen für die weitere Entwicklung des Geländes sammeln zu können. Ich bin überzeugt, dass ich als Politiker dabei vieles lernen kann.
Worauf wird es denn Ihrer Meinung nach hinauslaufen?
Wirges: Ich bin überzeugt, dass es eine breite Mehrheit gegen ein Einkaufszentrum auf dem Helios-Gelände gibt. Eine inklusive Schule, wie sie das Schuldedezernat und die Universität vorgeschlagen haben, wäre bestimmt ein Leuchtturmprojekt für den gesamten Bezirk. Ideal wäre es, wenn dies als Ergebnis der Bürgerbeteiligung zusammen mit dem Bau von Wohnungen und dem Erhalt des Veranstaltungslokals „Underground“ auf den Weg gebracht werden könnte.
Gleich neben dem Helios-Gelände scheint es an den Bahnbögen entlang der Bartholomäus-Schink-Straße und der Hüttenstraße vollends zum Stillstand gekommen zu sein. Wird es dort irgendwann einmal die schon seit Jahren versprochene Flaniermeile geben?
Wirges: Die Zustände sind in der Tat nicht mehr länger hinnehmbar. Bürger und Politiker sind inzwischen sehr verärgert darüber, dass von dem, was seit sechs Jahren immer wieder angekündigt wird, so gut wie nichts verwirklicht wurde. Ich habe mich an den Oberbürgermeister Jürgen Roters gewandt. Gemeinsam werden wir voraussichtlich im April zu mehrtägigen Gesprächen einladen. Eine Art Gipfelkonferenz also. Dazu sollen die Deutsche Bahn als Eigentümerin, die Bahnbögen GmbH als Pächterin und Vertreter der Politik kommen. Ich erhoffe mir davon einen Durchbruch.
Wie soll der aussehen?
Wirges: Ich will ein Gesamtkonzept für den gesamten Bereich zwischen Venloer und Stammstraße. Also sowohl für das Entree an der Venloer Straße mit den Zugängen zum Bahnhof und zur U-Bahn. Dort soll ja auch überlegt werden, wie die dortige Gedenkstätte für die Edelweißpiraten aufgewertet werden kann.Dann müssen natürlich Perspektiven für die Bartholomäus-Schink-Straße und die Hüttenstraße entwickelt werden. Vielleicht muss dabei auch das Konzept der aufwendig gestalteten Flaniermeile abgespeckt werden, je nachdem was für finanzielle Möglichkeiten der Pächter der Bahnbögen überhaupt hat. Schließlich muss auch der Bahnhofsvorplatz, also der Gerhard-Wilczek-Platz, in die Überlegungen einbezogen werden.
Wird sich in diesem Jahr auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Ehrenfeld etwas tun?
Wirges: Davon gehe ich aus. Inzwischen ist die zuvor etwas komplizierte Eigentümersituation geklärt. Das gesamte Areal befindet sich nun im Besitz der Aurelis-Gesellschaft. Ich sehe gute Chancen, dass die Kreativ-Wirtschaft hier Produktionsstätten und Wohnmöglichkeiten erhält. Hier soll ja beides – Wohnen und Arbeiten – miteinander verbunden werden. Eine zentrale Rolle spielt für die Idee eines Design-Quartiers aber auch die Sicherung des Standortes für das Arbeitslosenprojekt „Jack in the Box“.
Was ist mit dem Rochusplatz in Bickendorf? Es gibt mehrere Planungsvarianten. Wie sehen Sie die Chancen für den Vorschlag, durch die Verlegung der Venloer Straße dort einen echten Platz zu schaffen?
Wirges: Der Vorschlag, den Sie da ansprechen, ist nicht unflott. Leider spricht die schwierige Finanzsituation der Stadt nicht unbedingt dafür, dass er auch umgesetzt werden kann. Aber da will ich niemandem vorgreifen. Außer Frage steht für mich, dass es noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung über den Rochusplatz kommen muss.
Das Gespräch führte Heribert Rösgen
Zur Person
Josef Wirges (59) ist seit 1996 Bürgermeister des Stadtbezirks Ehrenfeld. Der beruflich als Gesamtbetriebsratsvorsitzender beim Deutschen Städtetag tätige Neuehrenfelder gehört der Bezirksvertretung seit dem Jahr 1979 als Mitglied der SPD-Fraktion an. Die Bezirksvertretung hat 19 Mandatsträger, der die Fraktionen von SPD (6 Mitglieder), Grünen (6) und CDU (4) sowie drei Einzelvertreter (FDP, Linke, Pro Köln) angehören. Der Stadtbezirk Ehrenfeld hat rund 105 000 Einwohner und umfasst die Stadtteile Ehrenfeld, Neuehrenfeld, Bickendorf, Ossendorf, Vogelsang und Bocklemünd-Mengenich. (Rös)
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