Von Philip Sagioglou, 22.01.12, 20:31h, aktualisiert 22.01.12, 21:02h
Der Schock saß tief beim 31-Jährigen. 1:0 hatte seine Mannschaft am Freitagabend in der Fußball-Regionalliga schon nach zehn Minuten gegen den VfL Bochum II geführt, es schien trotz bitterkalter Temperaturen und weinendem Himmel ein Rückrundenauftakt nach Maß zu werden für die Kölner. 80 Spielminuten und vier Gegentore später aber bezeichnete Schäfer seine Gefühlslage als „katastrophal“ – und konnte keinen Funken Optimismus mehr aufbringen: „Wir waren nach der Hinrunde Vierter, aber man weiß nach einer längeren Pause natürlich nie ganz genau, wo man steht. Jetzt wissen wir es.“
Dass die 1:4-Niederlage im heimischen Südstadion Spuren hinterlassen hatte, ließ sich auch an Uwe Koschinats Verhalten leicht erkennen. Der Fortuna-Trainer präsentierte sich ungewohnt nüchtern, beinahe konsterniert – kein Anflug von Wut oder Trauer war zu erkennen. „Zu schockierend“ sei das vorangegangene Desaster gewesen. „Wir haben die Farben von Fortuna Köln beschmutzt. Wir haben selbstgefällig und arrogant gewirkt. Wir hatten erhebliche Geschwindigkeitsprobleme und haben aus einer sehr schlechten Staffelung heraus agiert. Und wir waren heute nicht bereit, alles für dieses Spiel zu investieren.“ Es war eine vernichtende Analyse.
Immer wieder Wassinger
Vor allem der Name Laurenz Wassinger dürfte der Fortuna-Defensive nachhaltig in Erinnerung bleiben. Nachdem Ozan Yilmaz die Kölner mit einem schönen Schuss aus dem Nichts in Führung gebracht hatte (10.), drehte der VfL-Stürmer die Partie im Alleingang. Wassinger erzielte nach dem 1:1 auch den Führungstreffer und den 4:1-Endstand. Kevin Freiberger hatte zum 3:1 getroffen. Es waren allesamt schöne Treffer der Gäste – und es hätten noch mehr sein können. Zwischenzeitlich machten sich die Bochumer mit Slapstick-Einlagen vor dem Fortuna-Tor beinahe schon über die Kölner lustig, am Ende hätte es 6:1 oder 7:1 stehen müssen.
Wo steht die Fortuna nun also nach dem Rückrundenauftakt? Ob die Niederlage ein Ausrutscher war, bleibt abzuwarten. Beim Wuppertaler SV gibt es am Samstag eine große Chance zur Wiedergutmachung. Dennoch gibt die Niederlage gegen Bochum Rätsel auf. War es richtig von Uwe Koschinat, den zum Ende der Hinrunde überragenden Hamdi Dahmani 77 Minuten lang auf der Ersatzbank schmoren zu lassen und dafür Lukas Nottbeck nach seiner langen Verletzung ohne Spielpraxis von Beginn an spielen zu lassen? Und war es richtig, Fabian Montabell das Monopol als gesetzter Mittelstürmer zu entziehen? Es sind Spekulationen. Fest steht allerdings, dass die Kölner einiges ändern müssen, um in dieser ausgeglichenen Liga nicht zügig vom vierten auf den zwölften Platz durchgereicht zu werden.
Das Defensivverhalten bei Bochumer Kontern war in der am Freitag dargestellten Form nicht regionalligatauglich, die Laufbereitschaft einiger Spieler ließ zudem enorm zu wünschen übrig. Viel dramatischer waren allerdings noch die etlichen Fehlpässe und unzähligen Fehler im Spielaufbau. Zeitweise wirkte es, als hätte man versucht, elf Fremdkörper als Einheit zu verkaufen. Ziemlich zutreffend waren dementsprechend auch Uwe Koschinats finale Worte an diesem Abend: „Wir haben uns hier heute bis auf die Knochen blamiert.“
Fortuna: Paucken - Heinze, Laux, Schäfer, Caspers - Nottbeck, Kühn (78. Dahmani), Yilmaz (24. Pospischil) – Pagano, Moritz, Lejan (64. Montabell). – Zuschauer: 710. – Tore: 1:0 Yilmaz (10.), 1:1, 1:2, 1:4 Wassinger (24./73./ 79.), 1:3 Freiberger (75.).
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