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Late Night Show

Harald Schmidt im Quotentief

Von Anne Burgmer, 25.01.12, 11:39h, aktualisiert 25.01.12, 11:45h

Es läuft nicht rund für Harald Schmidt: Auf der Singspiel-Tournee mit dem Orchester Concerto Köln kann der Entertainer nicht punkten, aber auch seine Late Night Show auf Sat.1 verliert Zuschauer. Den Grund sucht Schmidt nicht bei sich.

Harald Schmidt
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Harald Schmidt (Bild: dpa)
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Harald Schmidt (Bild: dpa)
Das Jahr 2012 hat für Harald Schmidt beruflich alles andere als gut begonnen. Zwar läuft seine Late Night Show neuerdings drei- statt bisher nur zweimal in der Woche. Aber so richtig scheint das niemanden zu interessieren. Waren Schmidts Sprüche in den 90er Jahren Teil des täglichen Bürogesprächs, macht er zurzeit nur mit immer neuen Quotentiefs Schlagzeilen. Am vergangenen Mittwoch schalteten nur 420 000 Zuschauer ein, damit wurde zum ersten Mal die Marke von einer halben Million unterschritten. Somit waren seine Quoten schlechter als die seines Intimfeindes Oliver Pocher.

Und auch die Singspiel-Tournee, auf der der 54-Jährige mit dem Orchester Concerto Köln zurzeit unterwegs ist, steht unter keinem guten Stern. Die ersten beiden Termine mussten abgesagt werden, die Premiere in Düsseldorf war schlecht besucht und erntete verhaltene Kritiken. Und vor wenigen Tagen lästerte dann auch noch Thomas Gottschalk via Twitter: „Lieber Harald, spiele diese Woche nur vor Testpublikum, aber habe dabei immer noch mehr Zuschauer als Du.“ Den Grund für diesen Misserfolg sucht Harald Schmidt allerdings nicht bei sich. Bei den abgesagten Konzertterminen seien die Eintrittspreise zu hoch angesetzt gewesen.

Der Entertainer gibt sich gelassen: „Ich habe nur eine Angst: Dass Christian Wulff zurücktritt und ich mir wieder Witze aus den Fingern saugen muss. Sonst habe ich keine Angst.“ Und in der Tat ist die Rückendeckung zurzeit noch groß. Sat. 1-Geschäftsführer Joachim Kosack sagte jüngst: „Harald Schmidt ist wichtig für Sat. 1. Da schaue ich auch nicht jeden Morgen auf die Quote.“ Das mag sein, doch ewig wird es sich Sat. 1 nicht leisten können, wenn der Star des Senders immer neue Negativrekorde aufstellt. Hinter den Kulissen wird die Nervosität steigen. Harald Schmidt scheint das alles herzlich egal zu sein. Er schwebt über den Dingen. Das war schon immer so.

Das zeichnete ihn sogar aus. Negatives konnte er durch einen einzigen Spruch vergessen machen. Kritik prallte an ihm ab. Sein Humor war immer ein bisschen von oben herab, wollte immer ein bisschen intellektueller sein als der des gemeinen Zuschauers. Das geht, so lange man erfolgreich ist, doch wenn es mal nicht so gut läuft, dann wirkt eine solche Einstellung nicht mehr lässig, sondern verbissen. So, als wolle man die Augen vor der Realität verschließen.

Zwar wirkt er seit seiner Rückkehr zu Sat. 1 gelöst, doch diese neue Motivation kommt möglicherweise zu spät. Unglücklich schien er zuletzt bei der ARD, lustlos und uninspiriert waren seine Auftritte. Und dass ihn die Zusammenarbeit mit Oliver Pocher nervte, war auch nicht zu übersehen. Einen schlechten Abend kann jeder mal haben, doch wer über Monate so auftritt, dem laufen die Zuschauer davon. Viele haben ihm das Experiment ARD nicht verziehen. Jetzt ist er zurück bei Sat. 1 und hat den Spaß an seiner Show augenscheinlich zurückgewonnen. In der „FAZ“ wurde er kürzlich als „Der Late-Night-Präsident“ gefeiert. Bloß bekommt niemand etwas davon mit. Viele Zuschauer haben ihm das Experiment ARD nicht verziehen. Und unter dem Sat. 1-Stammpublikum neue Fans zu gewinnen, ist eine äußerst schwierige Aufgabe. Schmidt selbst hat das Programm des Privatsenders vor einigen Jahren als Unterschichtenfernsehen bezeichnet. Vielleicht tanzt Schmidt auch auf zu vielen Hochzeiten. Er geht auf Konzert-Tournee, spielt eine Rolle im Kinofilm „Zettl“. Auftritte wie der im ZDF-„Traumschiff“, in denen er mit einem locker über die Schulter gelegten Pullover über das Kreuzfahrtschiff flanierte, verwässern das Image von „Dirty Harry“. Und Schmidt kämpft allein auf weiter Flur. Late Night hat in Deutschland nie den Stellenwert erreicht, den sie in den USA hat. Außer Schmidt hat sich hierzulande auf Dauer niemand halten können. Selbst TV-Größen wie Anke Engelke und Thomas Gottschalk sind an diesem Format gescheitert.

Schmidt bedient diese Nische des deutschen Fernsehens mit Unterbrechungen schon seit 1995. Das ist eine beachtliche Leistung.Late Night sei „definitiv die letzte Station im Fernsehen. Mich interessiert nichts anderes mehr“, hat Schmidt kürzlich gesagt. Er muss jetzt beweisen, dass er bereit ist, für den Erfolg dieses Format zu kämpfen.



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