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Infrastruktur

Gerangel um Osttangente geht weiter

Von Bernhard Romanowski, 25.01.12, 17:23h, aktualisiert 25.01.12, 17:49h

Die Umweltveträglichkeitsstudie zu dem Millionenprojekt wurde am Dienstag vor großem Publikum im Rathaus vorgestellt. Das Ergebnis: Laut Gutachten ist aus ökologischer Sicht vom Bau des Ostrings abzuraten.

Osttangente
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Nur wenige Stühle blieben frei im Sitzungssaal des Rathauses, als den Bürgern die Umweltverträglichkeitsstudie zur Osttangente vorgestellt wurde. (Bild: Romanowski)
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Nur wenige Stühle blieben frei im Sitzungssaal des Rathauses, als den Bürgern die Umweltverträglichkeitsstudie zur Osttangente vorgestellt wurde. (Bild: Romanowski)
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Wo jetzt noch Reiter, Radfahrer und Spaziergänger das Bild bestimmen, würde durch die Osttangente eine Straße entstehen, die auch für Schwerlastverkehr offen wäre. (Bild: Romanowski)
Osttangente
Mechernich - Ein Phantom sorgt seit nun schon mehr als drei Jahrzehnten für aufgeheizte Debatten in der Mechernicher Politik. Auch auf Kreisebene ist die umstrittene Osttangente K 20 n immer wieder ein Thema gewesen, da der Kreis Euskirchen als Baulastträger für die Maßnahme verantwortlich ist. Zuletzt am Dienstag sorgte die primär zur Verkehrsentlastung der Mechernicher Innenstadt gedachte Umgehungsstraße erneut für Diskussionsstoff und einen Andrang im Rathaus, wie man ihn sonst nicht erlebt. Unter der Leitung von Achim Blindert, dem zuständigen Abteilungsleiter beim Kreis Euskirchen, wurde die so genannte Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zu dem Millionenprojekt den Bürgern vorgestellt.

Bis auf wenige Stühle waren die Reihen im Rathaussaal voll besetzt. Ein Großteil der Besucher gehörte der Bürgerinitiative „Kontra Ostring“ an, die sich aus den Anwohnern verschiedenster Ortsteile Mechernichs rekrutiert und seit vielen Jahren Front gegen die Osttangente macht. Den politischen Gremien wie dem Kreistag und dem Mechernicher Stadtrat war die Studie schon vor geraumer Zeit vorgelegt worden (wir berichteten).

Kein Geld vom Kreis

Zur Präsentation am Dienstag reisten dann neben Achim Blindert auch sechs Gutachter in Mechernich an. Blindert machte zu Beginn noch einmal die bisherige Entwicklung der Planungen für die Osttangentedeutlich. Demnach hatte der Euskirchener Kreistag beschlossen, für die Osttangente keine weiteren Finanzmittel im Haushalt einzustellen. Die 2007 in Auftrag gegebene Umweltverträglichkeitsstudie wird nach ihrer endgültigen Fertigstellung vom Kreis an die Stadt Mechernich übergeben.

Die in Rede stehenden vier Varianten des Ostrings sind mittlerweile hinlänglich bekannt. Variante 1 sieht eine Trasse vor, die in Mechernich an der Abzweigung der Landesstraße 61 in die Feytalstraße beginnt, über ein Brückenbauwerk über die Bahnstrecke zwischen Mechernich-Nord und Kommern-Süd hindurchführt und zwischen Becherhof und Sportanlage bis zum Kreisverkehr an der Kölner Straße verläuft. Die zweite Variante wäre, von Kommern her kommend, gleich, würde jedoch unter der Bahnlinie als Tunnel fortgesetzt und zwischen Tierheim und der Zufahrt zur Kläranlage auf die L 61 führen. Die Varianten 1b und 2 b sehen zusätzlich eine Sperrung des Mechernicher Weges vor.

Drei Gutachter kamen zu Wort und erläuterten die Auswirkungen der Osttangente in ihren vier möglichen Varianten hinsichtlich des prognostizierten Verkehrsaufkommens, der Lärmbelastung und damit verbundener Lärmschutzmaßnahmen sowie mit Blick auf die so genannten Schutzgüter wie Luft, Wasser, Flora und Fauna. Insgesamt gesehen birgt die Osttangente zwar eine gewisse Entlastung des Mechernicher Wegs, dafür aber würden andere von der Trasse betroffene Bereiche verstärkt mit erhöhtem Verkehr und Lärm belastet. Aus ökologischer Sichtist vom Bau des Ostrings laut Gutachten ganz abzuraten.

Dennoch barg die Präsentation am Dienstag ein Aha-Erlebnis für die Mitglieder der Initiative „Kontra Ostring“. Denn nach dem grundsätzlichen Nutzen der Straße gefragt, nannte ein Gutachter die bessere Anbindung der Neubaugebiete in Kommern. „Danke für Ihre Ehrlichkeit, Sie haben die Katze aus dem Sack gelassen“, quittierte Bernd Rudolph aus Kommern-Süd diese Information. Bislang sei nämlich immer nur die Verkehrsentlastung der Mechernicher Innenstadt als Grund angegeben worden.

Auch die Fragen, ob man es tatsächlich mit einem wachsenden Verkehrsaufkommen im Mechernicher Raum zu tun habe, ob der geplante Bahnhofsberg-Durchstich nicht schon genügend Entlastung bringe und ob man das Naherholungsgebiet rund um die Filzkaul wirklich einer Straße opfern wolle, wurden im Rathaus erörtert. „Lärm und Gestank machen uns krank. Wir wollen auch ein bisschen Natur“, machte zwischendurch eine Anwohnerin der Weierstraße ihrem Unmut Luft. Der überwiegende Teil der Besucher sprach sich allerdings in Form von kritischen Fragen und Bemerkungen gegen den Ostring aus.

Für offenkundige Empörung sorgte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick mit seiner Antwort auf eine Frage von Nathalie Konias, die ebenfalls der Bürgerinitiative gegen die Osttangente angehört. Konias erinnerte den Bürgermeister an seine Aussage, wonach der Ostring für ihn vom Tisch sei, falls die Umweltverträglichkeitsstudie negativ ausfalle. Weitere Mitglieder der Initiative bestätigten diese Aussage, die Schick bei einem Treffen mit der Initiative getroffen haben soll. Schick erwiderte, ihm würden „Worte in den Mund gelegt“, er könne die Entscheidung über die Osttangente gar nicht treffen, da er nicht im Kreistag sitze. Erneut auf seine Aussage angesprochen, gab er zu verstehen: „Hier stehen sich Rede und Gegenrede gegenüber.“



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