Von Peter Pauls, 27.01.12, 12:02h
Ganz sicher gibt es hinreichend Gründe, sich gegen rechts zu wenden. Jeder fünfte Deutsche ist, das hat eine Studie belegt, antisemitisch – immer noch das Markenzeichen von Rechtsextremismus. Vor wenigen Tagen haben schick gekleidete junge Frauen ein Hakenkreuz auf eine Gedenktafel geschmiert. Und der Kölner Polizeichef teilt eben mit, dass die Zahl autonomer Nationalisten im Zuständigkeitsbereich zunimmt. Politisch motivierte Straftaten aus der rechten Szene haben sich etwa in Leverkusen im Vergleich zu 2010 vervierfacht. Oder der Nagelbombenanschlag aus der Keupstraße von 2004. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer.
ksta.tv
Eine solche Entwicklung fällt nicht vom Himmel. Sie gedeiht auf einem gedanklichen Humus, der von Fremdenfeindlichkeit, Deutschtümelei und schwülstiger Begrifflichkeit bis hin zu tumben Parolen geprägt ist. Es gibt Landstriche, die buchstäblich in der Hand nationalistischer Gruppierungen sind. Dort schwinden die klassischen gesellschaftlichen Institutionen. Der Ungeist stößt in das Vakuum vor. Nicht nur im deutschen Osten. Auch hierzulande muss man manche Entwicklung im ländlichen Raum mit Sorge betrachten. Dagegen sollte man vorgehen. Aber wie?
Eben erst hat der Begriff „Döner-Morde“ als Unwort des Jahres das fundamentale Versagen von Gesellschaft und Politik offengelegt. Buchstäblich abgehakt und in eine parallele Wahrnehmung verbannt wurde, dass neun Menschen türkischer und griechischer Herkunft ermordet worden sind. Die geringschätzige Bedeutung verbarg, dass Rechtsextremisten organisiert, professionell, mit System und Kalkül zuschlugen.
Im Unwort bündelt sich nicht nur eine komplexe Mischung aus Ignoranz, Vorurteil, Rassismus und Überheblichkeit. Es hat Gesellschaft und Politik einen Spiegel vorgehalten, und jeder möge für sich prüfen, was auch ihn betrifft. Über 13 Jahre konnte eine mordende Terrorgruppe unentdeckt bleiben – trotz zahlloser V-Leute und hochgerüsteter Experten. Die Politik reagiert mit einem Bündel von Maßnahmen: Eine Verbunddatei soll über 10000 gewaltbereite Rechtsextremisten informieren, Untersuchungsausschüsse arbeiten das Versagen auf. All das geschieht im Rahmen klassischer Politikgestaltung.
Und was können wir tun? Es bleibt Aufgabe der ganzen Gesellschaft, dem Ungeist entgegenzutreten – mit Argumenten, Sozialpolitik, Witz und Geist, in der Volkshochschule, bei Mahnwachen, mit Konzerten und praktischer Sozialarbeit. In Kirchen, Schulen, Redaktionen, Kindergärten, am Arbeitsplatz oder auf dem Marktplatz. Am Samstag in Köln-Kalk aber geht es nicht darum, Pro Köln durch Gegenprotest eine Bühne zu schaffen. Der Kampf um die Köpfe wird an anderer Stelle geführt.
Rechte Gewalt: Leverkusen wird zur Problemzone
Präsentation: Neues Konzept gegen rechte Gewalt
Hintergrund: Aktionsprogramm gegen Rechtsextremismus
Hintergrund: Das Neonazi-Trio und seine mutmaßlichen Helfer
Warum findet man
01.02.2012 | 09.28 Uhr | price
im Kölner Stadt Anzeiger nichts über die linksradikale Gewalt, die zur Zeit in Berlin herrscht?
48 verletzte Polizisten sind es wohl nicht wert und…
Erfreulich fnde ich, dass
31.01.2012 | 16.14 Uhr | kom10
sich die für eine plurale Gesellschaft einsetzenden,friedlichen Gegendemonstranten weder von Artikeln noch den überwiegend verharmlosenden Komentaren…
sehr einseitiger Artikel
30.01.2012 | 13.53 Uhr | Kamome
Ja, mal wieder haben sich linke Gegendemonstranten benutzen lassen um einen Fußweg von 50 Rechten groß in die Medien zu bringen.
Natürlich ist die…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige

Frankfurter Rundschau
Champions League - Bayern verlieren in BaselBenzinpreis auf Rekordniveau - Die Pendlerpauschale muss weg

EXPRESS
Sie schrie vor Glück - Die rassige Anja bekam Pauls letzte RoseFC-Umfrage vor dem Derby - „Für ein Unentschieden wird's reichenâ€

Spiegel Online
Pulver-Attacke in den USA: Kongress-Angehörige erhalten DrohbriefeChampions League: Marseille siegt dank Last-Minute-Treffer gegen Inter