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Pro Köln

Das Spiel der Rechtsextremen

Von Peter Pauls, 27.01.12, 12:02h

Wegen Pro  Köln marschierten 1000 Demonstranten auf, blieben Geschäfte geschlossen. Gerade mal 50 rechte Demonstranten erzielten mit geringstem Aufwand maximale Wirkung. Werden die Kritiker am Wochenende wieder unfreiwillig das Spiel der Extremisten spielen? Anstoß - der Online-Kommentar

Demo gegen Pro Köln
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Wo Pro Köln agiert, ist die Widerstand nicht weit. (Archivbild: dpa)
Demo gegen Pro Köln
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Wo Pro Köln agiert, ist die Widerstand nicht weit. (Archivbild: dpa)
Pro Köln ist eine mächtige rechtsextreme Bewegung. So musste es jeder Außenstehende empfinden, der am Samstag, 19. November 2011, in Köln-Kalk war. Wegen Pro Köln marschierten 1000 Gegendemonstranten auf, kamen Hunderte von Polizisten, blieben Geschäfte geschlossen. Tatsächlich aber versuchten nur 50 Rechtsextreme zu demonstrieren. Finanzmanager mit ihren berüchtigten Hebelpapieren könnten von Pro Köln lernen, wie man mit geringstem Aufwand maximale Wirkung erzielt. 50 Menschen legen nicht nur einen ganzen Stadtteil lahm. Es gelingt ihnen sogar, bei dem einen oder anderen Beobachter noch als Opfer zu erscheinen, dessen Grundrechte in Gefahr sind. Für so etwas braucht man Helfer. Oder Gegner, deren Berechenbarkeit man ausnutzen kann. Am Samstag ist es wieder so weit. Wieder ist zu einem obskuren Protest gegen das „Autonome Zentrum“ aufgerufen worden. Werden die Kritiker wieder unfreiwillig und nun zum dritten Mal das Spiel der Extremisten spielen?

Ganz sicher gibt es hinreichend Gründe, sich gegen rechts zu wenden. Jeder fünfte Deutsche ist, das hat eine Studie belegt, antisemitisch – immer noch das Markenzeichen von Rechtsextremismus. Vor wenigen Tagen haben schick gekleidete junge Frauen ein Hakenkreuz auf eine Gedenktafel geschmiert. Und der Kölner Polizeichef teilt eben mit, dass die Zahl autonomer Nationalisten im Zuständigkeitsbereich zunimmt. Politisch motivierte Straftaten aus der rechten Szene haben sich etwa in Leverkusen im Vergleich zu 2010 vervierfacht. Oder der Nagelbombenanschlag aus der Keupstraße von 2004. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer.

ksta.tv

Eine solche Entwicklung fällt nicht vom Himmel. Sie gedeiht auf einem gedanklichen Humus, der von Fremdenfeindlichkeit, Deutschtümelei und schwülstiger Begrifflichkeit bis hin zu tumben Parolen geprägt ist. Es gibt Landstriche, die buchstäblich in der Hand nationalistischer Gruppierungen sind. Dort schwinden die klassischen gesellschaftlichen Institutionen. Der Ungeist stößt in das Vakuum vor. Nicht nur im deutschen Osten. Auch hierzulande muss man manche Entwicklung im ländlichen Raum mit Sorge betrachten. Dagegen sollte man vorgehen. Aber wie?

Eben erst hat der Begriff „Döner-Morde“ als Unwort des Jahres das fundamentale Versagen von Gesellschaft und Politik offengelegt. Buchstäblich abgehakt und in eine parallele Wahrnehmung verbannt wurde, dass neun Menschen türkischer und griechischer Herkunft ermordet worden sind. Die geringschätzige Bedeutung verbarg, dass Rechtsextremisten organisiert, professionell, mit System und Kalkül zuschlugen.

Im Unwort bündelt sich nicht nur eine komplexe Mischung aus Ignoranz, Vorurteil, Rassismus und Überheblichkeit. Es hat Gesellschaft und Politik einen Spiegel vorgehalten, und jeder möge für sich prüfen, was auch ihn betrifft. Über 13 Jahre konnte eine mordende Terrorgruppe unentdeckt bleiben – trotz zahlloser V-Leute und hochgerüsteter Experten. Die Politik reagiert mit einem Bündel von Maßnahmen: Eine Verbunddatei soll über 10000 gewaltbereite Rechtsextremisten informieren, Untersuchungsausschüsse arbeiten das Versagen auf. All das geschieht im Rahmen klassischer Politikgestaltung.

Und was können wir tun? Es bleibt Aufgabe der ganzen Gesellschaft, dem Ungeist entgegenzutreten – mit Argumenten, Sozialpolitik, Witz und Geist, in der Volkshochschule, bei Mahnwachen, mit Konzerten und praktischer Sozialarbeit. In Kirchen, Schulen, Redaktionen, Kindergärten, am Arbeitsplatz oder auf dem Marktplatz. Am Samstag in Köln-Kalk aber geht es nicht darum, Pro Köln durch Gegenprotest eine Bühne zu schaffen. Der Kampf um die Köpfe wird an anderer Stelle geführt.



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