Von Gisela Schwarz, 30.01.12, 12:08h
Jahrzehntelang hat der inzwischen verstorbene Fotograf und Fotohändler Friedhelm König die Schätzchen in seinem Laden in Marienheide gesammelt: Immer wieder übernahm er die alten Apparate beim Kauf einer neuen Kamera. Im Laufe eines halben Jahrhunderts hatte König so einiges zusammengetragen und gehortet. Im Jahr 1997 starb er, zwei Jahre später ging seine Sammlung über in den Besitz des Freilichtmuseums – 400 Geräte wurden in dem Raum „Foto-Zelle König“ aufgebaut, blieben aber zunächst ungenutzt.
Kamera für Kamera katalogisiert
Bis im Jahr 2006 der Rösrather Rudolf Schmidt, ein Sammler alter Fotoschätzchen, einen Kurs in Schloss Heiligenhoven belegte, um alte Schriften entziffern zu können. „Zufällig hörte ich in der Mittagspause von der Sammlung“, erinnert er sich. Kurze Zeit später sichtete er die alten Stücke. Und da ging ihm das Herz auf. Ehrenamtlich übernahm er die Katalogisierung, säuberte die Geräte, nahm die alten Batterien heraus. „Jede Kamera hat zum Beispiel ein Kennwort, einen Buchstaben und eine Nummer – damit kann man sie systematisch für jeden Sammler erkennbar zuordnen“, so Schmidt. Doch auch für Laien ist die „Foto-Zelle König“ eine wahre Fundgrube der Erinnerungen. Im Regal fällt eine Plattenkamera von Zeiss-Jena sofort auf, hergestellt 1910 von Th. Joachim & Co. in St. Petersburg. „Damals eine bequeme Reisekamera mit Filmformat 13 mal 18 Zentimeter“, schwärmt Schmidt von der unhandlichen Kamera mit dem schwarzen Balgenauszug, der an eine Ziehharmonika erinnert. Auch der Kinematograph „Laterna Magica“ von 1900 springt ins Auge. Die Vorläuferin der späteren Diaprojektoren ist eine Rarität: Damit wurden Filme auf Glasstreifen auf eine Leinwand projiziert, Lichtquelle war damals eine Petroleumlampe. Ein echtes Monstrum aber ist der alte Kinofilm-Projektor, der mitten im kleinen Raum steht. Eigentlich ist er funktionstüchtig, aber er hat kein Objektiv. Auch der Goldeck-Projektor von 1954, mit dem man Werbung an die Schaufensterwände projizierte, kann vorläufig nicht eingesetzt werden. „Die Lampe gibt es nur in den USA – sie kostet 63 Euro“, berichtet Schmidt und hofft, das er irgendwann das gute Stück doch noch ans Laufen bekommt. Immer noch transportiert die gute alte Agfa Movex 8, eine Acht-Millimeter-Filmkamera mit Handkurbel für den Federaufzug, den Film. Sie schnurrt ein bisschen beim Laufen wie ein gut gelauntes Kätzchen. „Sie ist nicht verharzt, weil sie nicht geschmiert werden musste“, so Schmidt.
Eine Version dieser Filmkamera hatte damals sogar eine Selen-Zelle zur Belichtungsmessung. Wie der handliche Sixtomat, ein Belichtungsmesser, der von 1952 bis 1958 von Gossen gebaut wurde – mit einem Rollladen zum Verschließen der Sensorfläche. Damals hatten die Kameras nämlich noch kein eingebautes Lichtmesssystem. Geradezu liebevoll hält Rolf Schmidt dieses handliche Gerät mit den abgerundeten Ecken, schiebt den Rollladen hin und her – eigentlich schon ein Design-Klassiker.
Schmidt hat noch viel zu tun, alle Apparate und das Zubehör zu klassifizieren und zu katalogisieren – den Vergrößerer von Liesegang, das Tetenal-Blitzpulver, die Kodak-Box mit Meniscus-Linse, die in Deutschland von Ising und Agfa nachgebaut wurde, die Polaroid-Sofortbildkameras und all die Kameraentwicklungen, die schon kurze Zeit nach ihrer Einführung wieder vom Markt verschwanden, wie die Kodak-Disc-Kameras mit den runden kleinen Filmscheiben in den 80er Jahren. Und irgendwo im Regal entdeckt man auch eine Kiew-Sucherkamera mit Schnittbildindikator, die vor vielen Jahren von russischen Kameraherstellern als Nachbau der legendären Leica aus Wetzlar nachgebaut wurde. Original-Modelle mit dem lederbezogenen Metallkorpus und den mattsilbernen Objektiven stehen auch in der Sammlung. „Sie flüstern ganz leise beim Auslösen“, so Schmidt. Ab und zu gelangen Geräte aus der Schausammlung unterm Dach auch in die laufenden Ausstellungen im Freilichtmuseum. „Bei der Ausstellung zur Verkehrsentwicklung in den 50er, 60er Jahren mit den alten Kleinwagen haben wir auch Fotoapparate aus dieser Zeit gezeigt“, erinnert sich Petra Dittmar, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Neben einer Exacta aus Dresden waren Box-Kameras von Ising dabei. Und damit wäre der Bezug zum Bergischen Land wieder hergestellt: Ising war ein Hersteller im Bergischen; darüber hinaus sind auch Filmentwicklungsdosen von Jobo Johannes Bockemühl in der Sammlung, die ganz alten aus den 50er Jahren in zerbrechlichem Bakelit und die neueren mit Makrolon-Spiralen. Mit der Entwicklung der Digitaltechnik ist alles museumsreif geworden, aber noch immer in Schloss Heiligenhoven zu finden.
Die „Foto-Zelle König“ ist zu besichtigen nach telefonischer Absprache mit der Museumsverwaltung unter ☎ 02266/90 100 (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).
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