Von Arnd Gaudich, 31.01.12, 11:08h, aktualisiert 31.01.12, 11:11h
Hier sind Einbrecher in den vergangenen Jahren in mehrere Häuser eingestiegen. Prawitz und Kaufmann rollen langsam durch die Straßen, achten auf angelehnte Türen, auf Kipp gestellte Fenster oder geöffnete Garagen – alles Signale, die Einbrecher geradezu einladen. Mit ihrer „Sonderaktion Riegel vor“ will die nordrhein-westfälische Polizei den Sicherheitssinn der Bürger schärfen. Sie sollen lernen, sich gegen Langfinger abzusichern. Denn die Einbruchszahlen im Land sind alarmierend. Auch in Oberberg.
Bis Mitte vergangener Woche registrierte die Polizei im Kreisgebiet für den Januar 26 Einbrüche. Im Dezember wurde sogar in 69 Häuser und Wohnungen eingestiegen. Die Kriminalisten wissen genau, woher die Täter kommen. Rund um den Oberbergischen Kreis zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle: In Olpe sind es weniger Einbrüche. Je weiter es gen Köln geht, desto höher ist die Fallzahl. Polizist Prawitz: „Es ist bekannt, dass die Täter über die Autobahn ins Oberbergische kommen.“ So häufen sich in Wiehler Orten wie Weiershagen, Forst und Brächen die Einbrüche. So wie in allen Orten, die nahe einer Autobahnauffahrt liegen.
Im Wiehler Wohngebiet Sonnenhang hat Polizist Kaufmann ein Haus mit auf Kipp gestelltem Fenster gesichtet. „Das schau ich mir mal genauer an“, sagt er zu seinem Kollegen. Kaufmann geht hinter das Haus, dort sind die Rollläden hinabgelassen. Er braucht nicht viel Kraft, um ein Rollo hochzuschieben und in die Wohnung zu spähen. Hier haben Einbrecher leichtes Spiel. Kaufmann klingelt an der Tür, um den Bewohner auf die Sicherheitsrisiken anzusprechen. Der Hausherr ist überrascht: „Das Schlafzimmerfenster lasse ich öfters auf Kipp. Das ist schließlich höher gelegen. Außerdem gucken die Nachbarn ja, ob hier jemand rumläuft.“ Diese Argumente hören die Polizisten oft – doch sie ziehen nicht.
Denn Einbrecher lassen sich weder von einer kleinen Kletteraktion abschrecken noch von einem dicht bebauten Wohngebiet. Und mittlerweilescheuen die Täter auch Tageslicht nicht mehr. „Der Sonnenhang ist ein ideales Einbruchsgebiet“, sagt Polizist Kaufmann mit Bedauern: „Die Häuser sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Viele haben eine veraltete Sicherheitstechnik. Das wissen die Einbrecher.“
100 Meter weiter sehen die Polizisten ein offenes Garagentor, das Auto ist weg. Polizist Prawitz klingelt an der Tür, niemand macht auf. Würde er hier einbrechen wollen, wüsste er nun genau, dass er freie Bahn hat. „Wie leichtsinnig“, sagt Prawitz und wirft einen Flyer mit der Aufschrift „Riegel vor“ in den Briefkasten. An diesem Tag wird er noch viele Flyer verteilen, um die Bürger zur Vorsicht zu mahnen.
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