Von Susanne Hengesbach, 01.02.12, 17:49h, aktualisiert 03.02.12, 11:58h
Diese Marktlücke haben in Köln inzwischen einige kreative Frauen erkannt, die momentan Mühe haben, mit der enormen Nachfrage Schritt zu halten. Susanne Wade ist wohl die Pionierin unter den Narrenkappenmacherinnen, die sich an jenem Vorbild orientieren, das ausgerechnet ein preußischer General in Köln angeregt hatte.
Laut Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti war es Karl Heinrich Maximilian Baron von Czettritz und Neuhaus, der im Jahr 1827 die spitz zulaufende Mütze einführte, damit man die von der Obrigkeit argwöhnisch beobachteten Narren leichter erkennen konnte.
Ein kleines buntes Käppchen, das man während der Veranstaltung als Erkennungszeichen trug, diese Idee gefiel den Kölnern, und die Idee der Karnevalsmütze war geboren. Bis heute hat jede Gesellschaft ihre Kappe. Sie ist somit Erkennungszeichen und Symbol der Zugehörigkeit. Doch diese Tradition beginnt zu bröckeln. Bestimmte Attribute, die bereits damals die Eitelkeit symbolisieren sollten – lange Federn oder bunte Steine – schmücken auch die neuen Exemplare neben einer enormen Vielfalt an mehr oder minder schmeichelnden Zusatzattributen, wie man sie erst seit Bestehen von Ein-Euro-Läden und dem weltweiten Netz aufstöbern kann.
Großer Nachfrage erfreuen sich auch Hüte, die sich noch besser als Kappen aufstocken lassen, wie die Kreationen bei „Hoot Couture“ zeigen. Mit Hilfe einer Klebepistole und einer feinen Auswahl an Bändern, Blumen und Federn verwandelt Monika Nitschke einfache Schlapphüte, Zylinder oder Dreispitze in Kunstwerke, die gerade noch mit dem Kölner Höhenkonzept vereinbar sind.
Faible für den Fascinator
Kein preußischer General sondern eine englische Prinzessin löste einen weiteren Trend aus. Hätten sich Kate und William am 29. April 2011 nicht das Jawort gegeben, könnte Dorle Roemerscheidt ihr Geschäft in diesen Tagen erheblich früher verlassen. Seit diesem Datum haben nämlich auch unadelige Kölnerinnen ihr Faible für den Fascinator entdeckt. Und mehr noch: Der „Bezauberer“, ein aus Federn, Blumen oder farbigen Perlen geschaffenes Haarteil, das mit einem Reifen gehalten oder im Haar festgeklippt wird, hat eindeutig Einzug in den Sitzungskarneval gehalten, weil er sich perfekt mit eleganten Abendroben kombinieren lässt unddabei das unterstreicht, was Frauen auch während der närrischen Zeit am meisten möchten: schön sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Mut zur Hässlichkeit gewaltsam im Zaume gehalten werden muss. Suse Schmitz-Rieke und Doris Sentkowski sind mit ihrem Label „Kappe 11“ zwar noch neu im Geschäft, aber eindeutig die wagemutigsten unter den Kappen-Designerinnen. Ihr Erkennungsmerkmal: Das Zusammenfügen von Stoffen, die überhaupt nicht zusammenpassen, in Kombination mit Plastik-Insekten oder Kunststoff-Körperteilen. Die Kopfschmuck-Macherinnen produzieren zum Teil bei sich zu Hause und verkaufen ihre Ware im Internet oder in Kölner Second-Hand-Shops, auf die sie in ihren Websites hinweisen. Gemessen an den Umsätzen, die Karnevalsgeschäfte oder entsprechende Abteilungen in den Kaufhäusern während der närrischen Zeit machen, sind „Narrenkappe deluxe“ & Co. zwar nur Nischenprodukte; allerdings solche, die man als Kirsche auf dem großen Tortenstück ansehen kann. Ein reines Sessionsgeschäft ist die Herstellung auch nicht mehr. Petra Wollbrink-Keveloh zum Beispiel nutzt inzwischen die Sommer-Schulferien im Süden, um kleine Weihnachtskugelnan die Kappenspitzen zu nähen. Sonst käme sie nicht nach.
Thema der Woche: Der Preis des Frohsinns
Thema der Woche: Verkleiden, feiern, Geld ausgeben
Hintergrund: Kölner Karneval in Zahlen
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