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Konzert

Gisbert zu Knyphausen - gekonnt schüchtern

Von Martin Weber, 01.02.12, 14:59h, aktualisiert 01.02.12, 15:01h

Gisbert zu Knyphausen gibt im Gloria gekonnt den schüchternen, nicht mehr ganz jungen Mann – und singt Lieder über einen verbeulten Alltag, der trotzdem auch immer wieder ganz schön sein kann.

Gisbert zu Knyphausen, Gloria
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Gisbert zu Knyphausen (Bild: Rako)
Gisbert zu Knyphausen, Gloria
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Gisbert zu Knyphausen (Bild: Rako)
Wenn überhaupt noch Zweifel daran bestanden, dass der Musiker sich in seiner Bühnenfigur wohlfühlt, dann räumt er diese mitten im Konzert aus. Und zwar restlos. „Ja“, sagt Gisbert zu Knyphausen zwischen zwei seiner Songs, „jetzt müsste wieder eine Zwischenansage von mir kommen. Ich hab’ aber keine mehr. Ist so.“ Herr zu Knyphausen sprach’s, erntet für seine perfekte Inszenierung der eigenen Schüchternheit Beifall und ist auch beim anschließenden Stimmen der Gitarre einigermaßen verspult. Es gibt fraglos Musiker, die das routinierter und schneller hinbekommen. Gisbert zu Knyphausen muss das nicht, bei ihm gilt: Rolle gefunden, Rolle ausgefüllt.

2008 debütierte der Mann aus dem hessischen Rheingau mit dem nur mit seinem Namen betitelten Debütalbum – ja, er heißt wirklich so, in kompletter Länge gar Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen – das man bis heute getrost zwischen der Selbstbespiegelungs-Rallye eines Reinhard Mey und der Weltschmerz-Odyssee von Conor Oberst einsortieren kann. Dass Knyphausen immer noch Teilnehmer eben jener Rallye ist, stellt er gleich zu Beginn unter Beweis. Im Opener „Verschwende Deine Zeit“, den er unter dem Motto „Ein Mann, eine Wandergitarre“ präsentiert, bringt er eigene Gedanken mit Texten von Brecht in Einklang und lässt dieses Zusammenspiel im Wissen um einen verbeulten, nichtsdestotrotz immer wieder lebenswerten Alltag gipfeln. „So ist das Leben“, singt Knyphausen, „es tobt und faucht und schreit und haut Dir eine rein.“

Das Publikum im ausverkauften Gloria ist angemessen gerührt, es lauscht andächtig und ist sichtbar froh darüber, dass da einer ist, der für die Schotterpiste des Lebens auch nicht immer ein Navigationssystem parat hat. Aber stets den Mumm in den Knochen hat weiterzufahren. Die Textkurven, die Knyphausen bewältigt, sind mal spröde, mal kauzig – aber nie ausgefahren. „Kräne“ ist dafür ein toller Beleg; in dem Song schafft es der Musiker, dem Sehnsuchts-Dreieck Hafen-Schiffe-Meer noch eine neue Seite zu spendieren. Und eine famose Liebeserklärung an Hamburg ist das Lied sowieso. „So wie es war, soll es nie wieder sein, und so wie es ist, darf’s nicht bleiben“, singt er schließlich in „Seltsames Licht“, der Song ist, wie die meisten seiner Songs, eine widerborstige Liebeserklärung an das Leben, und er trifft die Menschen im Gloria mitten ins Befindlichkeitszentrum.

Als erste Zugabe spielt Knyphausen „Melancholie“, und auch für die findet er eindeutige Worte: „Melancholie, fick Dich ins Knie.“ Als Zuhörer geht man mit einem angenehmen Gefühl nach Hause. Gisbert zu Knyphausen hat nicht nur für uns gesungen. Sondern auch von uns.



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