Von Claudia Hauser, 04.02.12, 09:24h, aktualisiert 07.02.12, 11:10h
Angelika Hinsgen zieht es jeden Morgen zum Kältepol der Stadt. Sie hat geschälte Erdnüsse in einem Tütchen und hält Ausschau am Teich. "Wenn Ordnungshüter Michael da ist, krieg ich immer Ärger", sagt sie. Das Füttern der Vögel ist verboten, bei den Enten kann die 69-Jährige das verstehen. "Aber die Singvögel brauchen doch Futter - gerade wenn es so kalt ist. Die Meisen fressen mir aus der Hand, so zahm sind sie." Das Bußgeld nimmt sie gerne in Kauf, sagt sie. Aber Ordnungshüter Michael lässt sich an diesem frostigen Tag ohnehin nicht blicken.
"Der soll mal lieber gucken, ob die Hunde angeleint sind." Sind sie nicht. Der schwarze Labrador Lou trabt am Ufer entlang, drückt seine Schnauze auf die gefrorene Erde und sucht seinen Ball. Seine Besitzerin kennt den Mann vom Ordnungsamt auch. "Aber ich musste noch nie zahlen, der kennt meinen Hund doch. Labradore tun nix." Mit verschränkten Armen blinzelt sie in die Sonne. "Herrlich, dieses Wetter. Ich verstehe die Leute nicht, die über die Kälte schimpfen - es ist doch Winter. Und Labradore mögen es sowieso nicht, wenn es zu warm wird." Aber viele Leute würden jammern, als stünde die nächste Eiszeit unmittelbar bevor.
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"Es gab schon kältere Winter", sagt Dieter Hübl von der Flugwetterwarte Köln/Bonn. "Der Januar war viel zu warm und zu feucht." Die kontinentale Kaltluft weht aus Russland nach Mitteleuropa. Während die Innenstädte wie "Wärmeinseln" der Kälte trotzen, so der Wetterdienstechniker, kann sich die kalte Luft in einem Gebiet wie der Wahner Heide ungehindert ausbreiten. "Gebäude strahlen Wärme ab, deshalb ist es in der Kölner Innenstadt meist drei bis fünf Grad wärmer", sagt Hübl.
Ob minus zwölf Grad oder minus 15 Grad - das macht keinen Unterschied für Theodor Rügamer. Der 71-Jährige kurvt seit fünf Uhr morgens mit seinem gelben Mofa durch die Straßen von Wahnheide und trägt noch nicht einmal Handschuhe. "Man darf nicht so empfindlich sein", sagt er. "Es schadet nicht, ein wenig abzuhärten." Rügamer, den alle Theo nennen, versorgt drei Hotels im Viertel mit Brötchen, sammelt Post ein und bringt mittags einigen Rentnern Essen, das er vorher beim Metzger abholt.
Das alles macht er freiwillig, Geld bekommt er nicht für seine Botendienste. "Nur ein paar Euro, jeder kann geben, was er will." Gerade mal die Benzinkosten kann er damit decken. "Ich war eine Zeit lang sehr krank und hatte niemanden", erzählt er. "Deshalb weiß ich, wie sehr sich die Leute über Hilfe freuen." Als Vulkaniseur hat er früher Reifen hergestellt und repariert. Die Geschwindigkeit seines Mofas ist auf 25 Stundenkilometer gedrosselt. "Sonst geht mir das Essen in der Kurve flöten." Am frühen Nachmittag testen zwei junge Männer auf Schlittschuhen, ob das Eis auf dem Scheuermühlenteich trägt. Ursula Breuer sieht den Jungs beim Hockeyspielen zu und macht dabei ihre Dehnungsübungen. "Ich habe früher bei der Bundeswehr gearbeitet, hier, am Militärflughafen", erzählt die 64-Jährige. "Mit den Soldaten bin ich oft geschwommen, bis zu 1000 Meter. Das war gar kein Problem für mich." Ordnungshüter Michael ist immer noch nicht in Sicht. Ein Glück für die Jungs auf dem Eis.
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05.02.2012 | 19.13 Uhr | ultra-beknackt
recht winterlich!
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04.02.2012 | 13.44 Uhr | Arkani
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