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Chempark

Nur gucken, nicht aussteigen

Von Katharina Blass, 06.02.12, 09:38h

Currenta bietet neuerdings kostenlose Busrundfahrten durch den Chempark an. 100 Premierengäste saßen am Wochenende in den beiden Bussen. Zu sehen gab es auch ein paar wilde Kaninchen - was mancher Mitreisende als nette Abwechslung betrachtete.

Andrea Theis
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Andrea Theis konnte ihrem Sohn Leon endlich mal zeigen, wie imponierend der Chempark ist, in dem sie arbeitet. (Bild: Britta Berg)
Andrea Theis
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Andrea Theis konnte ihrem Sohn Leon endlich mal zeigen, wie imponierend der Chempark ist, in dem sie arbeitet. (Bild: Britta Berg)
Leverkusen - Andrea Theis arbeitet im Chempark. Sie deckt in der Konzernzentrale der Firma Lanxess die Konferenztische ein. An ihrem Beruf ist nichts Geheimes. Das Geheimnis an ihrer Arbeit ist der Weg dorthin. Mit dem Fahrrad fährt sie seit 31 Jahren über das Werksgelände, das Besucher nur in Ausschnitten und nur am Tag der offenen Tür betreten dürfen. Seit dem Wochenende ist Andrea Theis' Weg zur Arbeit aber ein bisschen weniger geheim.

Die Firma Currenta, die den Chemiepark betreibt, bietet nun einmal im Monat eine kostenlose Busrundfahrt an. Anders als am Tag der offenen Tür dürfen da auch Kinder mitfahren. Deshalb gehörten Andrea Theis und Sohn Leon zu den rund 100 Premierengästen, die eine Stunde lang von Tor 11 an der Düsseldorfer Straße bis zur Entsorgungsanlage in Wiesdorf und wieder zurückgekarrt wurden.

Besucherbetreuerin Doris Stemmler saß vorne in einem der beiden Reisebusse und erklärte, was rechts und links zu sehen war - oder zu sehen wäre, wenn man aussteigen dürfte. Zu Beginn befragte sie die fünf Kinder, ob ihre Eltern im Chemiepark arbeiten. So viel jedenfalls wusste Leon. Ob er denn auch wisse, wo? Nein, das wusste der Achtjährige nicht. "Sag K10" flüsterte seine Mutter, aber damit konnte er nichts anfangen. Dann bat Doris Stemmler alle Passagiere, sich anzuschnallen und das Rauchen und Fotografieren zu unterlassen. Leon machte es sich am Fenster gemütlich und harrte der Dinge, die da kommen. Und sie kamen: endlose Rohrsysteme, riesige Bottiche, Eisenbahnschienen, Becken und diverse Verwaltungsgebäude.

Bimodales - und Kaninchen

Doris Stemmler passte ihr Sprechtempo der zügigen Fahrt an und versuchte, Stahl und Beton eine Bedeutung zu geben. "Links sehen Sie unser bimodales Containerterminal", sagte sie, und die Winterjacken raschelten, als sich alle nach einem Konstrukt aus Gittern und Leitern umdrehten. Dann ging es vorbei an der Feuerwache, in der die Einsatzfahrzeuge hinter Rolltoren aus Milchglas standen. Es gab Erklärungen zu Werkschutz und Gefahrenabwehr. Als Stemmler kurz den Produktionsvorgang für Synthesekautschuk anriss, erkannte Leon den großen Kamin mit dem Bayer-Schriftzug. "Das kenne ich", sagte er zu seiner Mutter.

Auf Höhe des Planquadrats P21 entdeckte Leon Kaninchen, die auf den Rasenflächen zwischen den Hallen umherliefen. Das seien wild lebende Tiere, keine Versuchskaninchen, kommentierte Stemmler. Sie merkte, dass sich die Aufmerksamkeit der Reisegruppe von der Denitrifikation von Stickstoffverbindungen abgewandt hatte.

Kurz hinter dem sieben Meter hohen Bayer-Emblem aus 1710 LED-Lampen stand dann die Energieversorgung des Chemieparks auf dem Stundenplan. "Es werden Kohle und Erdgas hier verbrannt, der Verbrauch ist so hoch wie der einer Großstadt", sagte Stemmler. Während einer Einführung in die Ammoniaksynthese liefen wieder Kaninchen durchs Bild. Leon verfolgte derweil mit seinen Augen den Verlauf des werkseigenen Schienensystems. Aber trotz des niedrigen Unterhaltungswertes der organischen und anorganischen Chemie schien kaum jemand gelangweilt zu sein. Man fachsimpelte, staunte und verglich mit früher. "Es hat sich viel getan, vor 30 Jahren war ich hier auch schon mal auf dem Gelände", sagte eine Teilnehmerin. Genau das scheint der Grund für den großen Ansturm auf die Bustouren zu sein. Innerhalb weniger Tage waren alle Touren bis Ende Juli ausgebucht. Da waren selbst die Organisatoren überrascht.

Leon gähnte, als sich Stemmler auf Höhe eines mit Abwasser und Schlamm gefüllten Klärbeckens kurz in die Details der Rückgewinnungsmethoden von Edelmetallen aus Schlacke verlor. Zurück an Tor 11 bedankten sich die Erwachsenen, und letztlich war auch Leon zufrieden. Immerhin kennt er jetzt Mamas Arbeitsweg.



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