Erstellt 22.02.12, 12:31h
„Diese Schanze da ist so groß, sie erlaubt Flüge bis 250 Meter. Da wird man so geil, dass man sich selbst übertrumpft. Ich hoffe, dass gelingt den Deutschen“, sagt Hannawald der Nachrichtenagentur dapd trotzdem: „Sie sollen wenigstens mit einer Teammedaille nach Hause gehen.“ Den Mannschaftswettbewerb gab es damals in Vikersund 2000 noch nicht. Aber auch der Einzelwettbewerb brachte genug Aufregung, weil nach Wetterproblemen und diversen Organisationspannen der Weltmeister damals erst Montag gekrönt werden konnte.
„Chance für Freund und Freitag“
Hannawald erinnert sich gern, schließlich liegt die eine von zwei Goldmedaillen bei Skiflug-Weltmeisterschaften sicher und staubfrei verpackt bei ihm. „Ich bin bei der WM im Training auf der damals noch kleineren Schanze 214,5 Meter geflogen - und dann hat es gescheppert und mein Ski ist kaputtgegangen. Ich habe einfach einen neuen Ski genommen und gewonnen“, erzählt Hannawald: „Beim Skifliegen ist es so, dass alle anderen gucken, wenn man so einen Paukenschlag hinlegt. Das ist diesmal auch die Chance von Severin Freund oder Richard Freitag.“
Freund selbst hält sich und das deutsche Team für einen „gefährlichen Außenseiter“. Gefährlich schon allein deshalb, weil Vikersund den deutschen Fliegern einfach liegt. Vor Hannawald krönte sich 1990 auch Dieter Thoma in Norwegen zum Flug-König der Welt. Selbst bei der bis dato einzigen deutschen „WM-Niederlage“ an diesem Ort im Jahr 1977 holte Henry Glaß Bronze. Und auch diesmal ist Bundestrainer Werber Schuster trotz der zuletzt mäßigen Vorleistungen Optimist: „Wir wollen die Teammedaille. Und im Einzel ist auch was drin für Freund und Freitag, wenn endlich mal alles passt.“
Die beiden deutschen Hoffnungsträger springen erstmals auf der größten Schanze der Welt, auf der der im vergangenen Jahr aufgestellte Weltrekord von Johan Remen Evensen (Norwegen) wackeln dürfte. „Vor der Tournee waren die Erwartungen hoch und die Ergebnisse nicht so gut. Vielleicht ist es diesmal umgekehrt“, sagt Hannawald: „Das Potenzial haben sie auf jeden Fall, das haben sie auf der Großschanze gezeigt.“
Freilich gelten beide nicht als so begnadete Flieger wie einst Hannawald. Der wurde zwei Jahre nach Vikersund zum zweiten Mal Skiflug-Weltmeister, der bis dato letzte große deutsche Erfolg beim Fliegen. Nicht lange danach meldete sich der Liebling von Millionen mit dem Burnout-Syndrom krank und beendete wenig später seine Karriere. Inzwischen schaut er wie letzten Samstag in Oberstdorf gern wieder beim Fliegen zu und bekommt manchmal sogar Lust, noch einmal auf die Schanze zu steigen.
„Würde gern selbst nochmal springen“
„Wenn man sieht, wie die da unten so weit fliegen, kriege ich immer eine Gänsehaut und würde selbst gern nochmal springen. Sobald ich aber den Sprunganzug anziehen würde, würden mir aber sicher die Knie wackeln“, erzählt Hannawald dapd: „Also lasse ich es lieber und freue mich, dass ich zuschauen kann.“ Am liebsten natürlich, wenn endlich ein anderer deutscher Flieger dieses „geniale Gefühl“ in Vikersund erlebt. (dapd)
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige