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Berater berichten: Umwege im Berufsleben lohnen sich

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Stefan Wilhelmi ist Wirschaftslehrer am Berufskolleg Goldenberg.  Foto: Busch
Die erste Ausbildung, für die ein Jugendlicher sich entscheidet ist meist keine Grundlage für das komplette berufliche Leben, dass weiß auch Stefan Wilhelmi, der Lehrer am Berufskolleg Goldenberg ist.  Von
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Ist die Ausbildung, für die man sich entschieden hat, wirklich die Grundlage für das komplette berufliche Leben? Das muss nicht sein. Ausbildungsberater berichten.

„Eigentlich wollte ich Architekt werden“, erzählt Stefan Wilhelmi (38), Lehrer für Wirtschaft am Goldenberg-Berufskolleg. „Jedoch sind die Zukunftsaussichten und die Stabilität der Arbeitsverhältnisse in diesem Job sehr eingeschränkt, wie mir Freunde erzählten, die diesem Beruf nachgehen. Ich hatte mich zwar ausgiebig über meinen Berufswunsch informiert, aber wie die Meisten hatte ich dabei an die spätere Zukunft in diesem Beruf gedacht.“
Auch wenn heute ein Beruf nicht mehr unbedingt eine Entscheidung für das Leben ist, sollte man bei der Berufswahl nicht nur an eigene Interessen oder ans Geld denken, sondern auch an die sich ändernden beruflichen Situationen.

Dies erkannte Wilhelmi auch während seines Studiums der Wirtschaftspädagogik, für das er sich nach seinem geplatzten Architektentraum entschieden hatte. „Das Beamtenleben besitzt eine berufliche Sicherheit. Aus diesem Grund hatte ich den Entschluss gefasst, Lehrer zu werden.“ Nach seinem Studium absolvierte der Hürther ein Referendariat am kaufmännischen Alfred-Müller-Armack-Berufskolleg. „Jedoch waren dort nach meinem Referendariat keine Stellen verfügbar. Zu meinem großen Glück suchte aber gerade das Goldenberg-Berufskolleg Lehrer für Wirtschaft.“

Sein einstiger Berufswunsch ist für Rolf Heppener (58) auch nicht Wirklichkeit geworden. Der AOK-Mitarbeiter und Verantwortliche für Marketing und Vertrieb in der Regionaldirektion Rhein-Erft hat sogar einen recht bunten Lebenslauf vorzuweisen. „Nach meinem Abitur habe ich Sport und Geschichte auf Lehramt studiert. In den 70er Jahren herrschte jedoch eine große Lehrerschwemme, sodass ich keine Anstellung fand. Die berufliche Sicherheit in diesem Job war in der damaligen Situation sehr instabil, ganz anders als heute. Das erkannte ich zu spät.“

Sportartikel verkauft

Nach dem Studium nahm Heppener einen Job bei einer Sportartikelfirma an, und war dort im Vertrieb tätig. Die Chancen, doch noch eine Anstellung als Lehrer zu finden, besserten sich jedoch nicht. „Ich beschloss, einen beruflichen Neuanfang zu starten“, erzählt Heppener. „Mit 39 Jahren startete ich am Mibeg-Institut in Köln eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten.“ Im Anschluss an das Studium trat er die Stelle bei der AOK an, die er bis heute inne hat. „Trotz des Lehramtsstudiums habe ich bis heute nie als Lehrer gearbeitet“, sagt Heppener. „Mit meiner jetzigen Situation bin ich allerdings sehr glücklich. Ich bin froh, diesen Neuanfang gewagt zu haben.“

Aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs drängen in diesem Jahr mehr Jugendliche auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Dadurch seien nicht nur gute Qualifikationen der Bewerber wichtiger, um sich im Bewerberkampf zu behaupten. Auch die Firmen sollten sich auf diese Situation einstellen. „Die AOK bietet dieses Jahr doppelt so viele Ausbildungsstellen an,“ erläutert Heppener. Philipp Wollscheid macht gerade seine Ausbildung zum Bankkaufmann in der Sparkassen-Filiale in Hürth-Efferen. Der 20-Jährige Kölner kann den interessierten Besuchern der Börse einen unmittelbaren Eindruck von seinem Berufsleben bieten. „Von einem Auszubildenden erfährt man mehr, als von einem Mitarbeiter einer Firma, der vielleicht nicht mal direkt in die Ausbildung involviert ist“, erzählt er.

„Noten sind relativ, je nachdem, wer sie gegeben hat und wofür. Das kann man dem Zeugnis nicht entnehmen“, sagt Wollscheid . „Für die Firmen sind gute Umgangsformen, Kontaktfreudigkeit, soziale Kompetenzen wichtig. In Vorstellungsgesprächen und Assessment-Centern können sich Firmen ein besseres Bild vom Bewerber machen als über die Noten.“

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