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Havarien auf dem Rhein: Deutzer Platte wurde zum Verhängnis

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Ein Baggerschiff holt auf der „Deutzer Platte“ Kies aus dem Rhein. Foto: dpa
Die „Deutzer Platte“ hat in diesen Tagen traurige Berühmtheit erlangt. In nur zwei Tagen liefen vier Schiffe auf Grund und sorgten dafür, dass die am stärksten befahrene Wasserstraße gesperrt werden musste. ksta.de erklärt die Gründe.  Von
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Köln

Niedriger Wasserstand, offensichtlich unvorsichtige Schiffsführer und ein Rheinabschnitt in Köln, der als „Deutzer Platte“ dieser Tage traurige Berühmtheit erlangt hat: Nachdem innerhalb von zwei Tagen vier Schiffe auf Grund gelaufen sind, musste die am stärksten befahrene Wasserstraße Europas mehr als 36 Stunden gesperrt werden. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärt, wie es zu den Havarien kommen konnte und welche Folgen sie haben.

Was ist die „Deutzer Platte“?

So wird der Bereich zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke bezeichnet. Er ist etwa 700 Meter lang und umfasst die gesamte Breite des Flusses, die an dieser Stelle mehr als 380 Meter beträgt. Die Fahrrinne ist 150 Meter breit. Woher die Bezeichnung „Deutzer Platte“ kommt, ist nicht ganz klar.

Was macht diese Stelle so problematisch?

Auf dieser Höhe liegen die Einfahrten des Deutzer Hafens und des Rheinauhafens, dadurch kommt es zu einer Aufweitung des Rheinstroms. Das führt dazu, dass sich bei entsprechenden Wasserständen verstärkt Sand und Kies in der Fahrrinne ablagern. Auch das lange Hochwasser im Frühjahr hat für mehr Ablagerungen am Grund gesorgt.

Havarierter Kohlefrachter geborgen

Wie tief ist die Fahrrinne an dieser Stelle?

Das Wasser- und Schifffahrtsamt garantiert nach eigener Aussage in Köln eine Fahrrinnentiefe von 2,50 Meter, Abweichungen werden bekanntgegeben. Am Montag betrug die Tiefe der Rinne wegen des niedrigen Wasserstands nur 2,25 Meter.

War diese Untiefe nicht bekannt?

Doch. Schon am 9. August, also mehr als eine Woche vor der ersten Havarie, hat die Wasser- und Schifffahrtverwaltung im Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS) auf eine Fehltiefe von 80 Zentimetern im Bereich der Deutzer Platte hingewiesen. Diese Daten sind im Internet frei zugänglich.

Kann man die Fahrrinne nicht tiefer ausbaggern?

Nach Ansicht von Experten hätte das eher einen gegenteiligen Effekt, die Fahrrinne würde sich noch schneller als sonst mit Ablagerungen füllen. Ohnehin werde bei Baggerarbeiten schon jetzt bis zu einer Tiefe von 2,70 Meter bis 2,80 Meter gegraben. Tiefer sei sinnlos.

Wie oft wird die „Deutzer Platte“ freigebaggert?

Nahezu jährlich, gerade am heutigen Mittwoch sollte eine Baggerung starten. Dabei werden gut 90 000 Kubikmeter Kies aus dem Fluss geholt. Die Aktion kostet gut eine Million Euro und dauert sechs Wochen.

Können die Kapitäne der havarierten Schiffe oder ihre Reedereien haftbar gemacht werden, zum Beispiel wegen Fahrlässigkeit?

Laut Wasser- und Schifffahrtsamt ist das nicht möglich. „Das ist wie bei einem Unfall auf der Autobahn, durch den einen Stau entsteht“, sagt Hartmut Streichan, „die Kosten muss leider auch die Allgemeinheit tragen.“ Allerdings müssen sie ein Bußgeld zahlen, wenn sie die Menge ihrer Ladung nicht dem Wasserstand angepasst haben. Der Rahmen liegt zwischen 250 Euro und 3000 Euro, wenn der Kapitän grob fahrlässig gehandelt hat und schon mehrfach erwischt wurde.

Welche Kosten sind außerdem entstanden?

Die Tankschiffe „Emma“ und „Newton“ sowie der Frachter „Maranta“ mussten befreit und weggeschleppt werden. „Wenn die abschleppenden Schiffe nicht zur selben Reederei gehören, lassen sie sich das teuer bezahlen“, weiß Hartmut Streichan vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Zudem musste seine Behörde die Havaristen absichern, Warnflöße an den betroffenen Stellen anbringen, die neuen Aufwerfungen, die durch die Bergungen entstanden sind, wegbaggern und die Fahrrinne mit Echolot ausmessen. Das zusammen dürfte mehrere zehntausend Euro gekostet haben. Die Rechnung wird an die Reedereien der Havaristen gehen.

Tankschiffe blockieren den Rhein

Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Schaden durch die Sperrung?

Laut Experten des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln lässt sich der Schaden nicht genau beziffern. „Im Moment sprechen wir ja auch nur von Verzögerungen“, sagte eine Sprecherin. Klar ist aber: Frachtschiffe, die nicht fahren, kosten Geld; von 4000 Euro pro Tag sprach der Kapitän der havarierten „Emma“. Da einige Dutzend Schiffe betroffen waren, gehen allein diese Kosten in die Hunderttausende. Die Personenschifffahrt war nur leicht betroffen.

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