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Abbruchfirma hat Vorschriften missachtet

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Bei Abbrucharbeiten am ehemaligen Gebäude der Stadtsparkasse wurde im November 2008 ein Bauarbeiter von einer Granitplatt erschlagen. Foto: Krasniqi
Ein besorgter Zeuge informierte die Polizei, aber für den getöteten Bauarbeiter kam der Notruf zu spät. Ein Bericht vom 26. November 2008.  Von
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Alle Bagger stehen am Dienstag still, die Arbeiter durften zu Hause bleiben. Am Tag nach dem tödlichen Unglück auf dem Abbruchgelände am Hohenstaufenring haben Polizei und Mitarbeiter der Abteilung "betrieblicher Arbeitsschutz" der Bezirksregierung das Kommando auf der Baustelle übernommen. Das Karree am Rudolfplatz ist vorläufig stillgelegt und versiegelt, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Polier, den Bauleiter und den Kranführer. Die Ermittler untersuchen, ob die Männer gegen Sicherheitsvor- schriften verstoßen haben. Womöglich hätte die Baustelle zusätzlich mit Netzen oder Planen abgesichert werden müssen.

Seit Wochen wird auf dem Grundstück am Rudolfplatz das alte Hauptgebäude der Sparkasse abgebrochen. Während ein Bagger mit Abrissbirne am Montag die Außenfassade an der Schaafen- straße abtrug, löste sich um 17.10 Uhr aus dem sechsten Stockwerk eine Betonplatte und fiel einem Arbeiter auf den Kopf. Der 47-Jährige stand laut Polizei auf dem Gehweg vor der Absperrung. Seine Aufgabe war es offenbar, die Baustelle abzusichern.

Schon früher am Tag hatten sich Anwohner gewundert, warum das Gelände nicht großräumiger abgesperrt war. Fußgänger und Radfahrer verkehrten nur wenige Meter entlang eines Bauzauns neben der Fassade, die abgebrochen wurde. Immer wieder krachten Steine und Bleche auch vor die Absperrung, berichteten Augenzeugen. Und immer wieder hätten Bauarbeiter die Trümmerteile eingesammelt und ihre Arbeit fortgesetzt. "Eine halbe Stunde vor dem Unfall fiel eine große Betonplatte herab und zerschmetterte auf einem Stahlträger", sagte Uwe Meyer von "Bang & Olufsen". Sein Geschäft liegt zehn Meter gegenüber der Unglücksstelle. Steinbrocken trafen auch sein Schaufenster, Kratzer zeugen davon. "Ein Bauzaun stürzte um und krachte auf den Fußgängerweg und die Schaafenstraße, Reiner Zufall, dass da in diesem Moment niemand vorbeiging." Beinahe fluchtartig habe ein Kunde sein Geschäft verlassen, erzählte Meyer. "Er sagte, er gehe jetzt besser, das sei ja lebensgefährlich hier." Das war ungefähr eine halbe Stunde vor dem Unglück.

Etwa zur selben Zeit, um 16.44 Uhr, benachrichtigte ein Augenzeuge nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeiger" die Polizei. Sinngemäß sagte der Anrufer: "Hier fallen Teile auf die Straße, es muss dringend jemand eingreifen." Die Polizei habe die Leitstelle der Stadt informiert, sagte ein Polizeisprecher: "Die ist zuständig." Der Anruf ging beim Ordnungsamt ein, dort schloss man sich wiederum mit der Feuerwehr kurz. Kurz darauf geschah das Unglück. Nach Auskunft von Stadtsprecherin Inge Schürmann haben sich die Ereignisse "zeitlich überschnitten".

Fest steht: Die betroffene Fachfirma besaß eine offizielle Abbruchgenehmigung der Stadt - inklusive umfangreicher Sicherheitsauflagen. Diese seien "nach heutigem Stand der Erkenntnis zumindest überwiegend nicht eingehalten worden", sagte Schürmann. Zum Beispiel halte das Bauaufsichtsamt "aufgrund der exponierten Lage des Objekts nur eine feingliedrige Abbruchmethode" - etwa mit einem Greifer - für geeignet "und einen Abriss für nicht fachgerecht". Verantwortlich für die Einhaltung der Sicherheitsauflagen sei ausschließlich der Bauherr.

Das Unternehmen äußerte sich am Dienstag nicht auf eine Anfrage. Ihrem Internetauftritt zufolge erledigt die 1982 gegründete Firma "besonders schwierige Rückbauprojekte im innerstädtischen Bereich". Der verstorbene Bauarbeiter aus Mönchengladbach, Vater zweier Kinder, habe immer besonders auf die Sicherheitsvorschriften geachtet, erzählte ein Kioskinhaber, bei dem die Arbeiter ihre Pausen verbrachten. "Er hat all seinen Jungs immer gesagt, sie sollen aufpassen. Da hat er sehr drauf geachtet.

Auf mich hat der Mann einen besonnenen und professionellen Eindruck gemacht."

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