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Archäologie: Einblick in einen mittelalterlichen Stadtteil

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Die Ausgrabungen in Sichtweite der Deutschland-Zentrale von Microsoft  Foto: stefan worring
Und wieder haben Archäologen eine wertvolle Entdeckung im Kölner Boden gemacht. Ein wenig bekannter Wall schützte Köln in Krisenzeiten des 12. Jahrhunderts vor Feinden. Die Grabungen gegenüber des Microsoft-Hauses sollen Ende Februar beendet sein.  Von
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Es war im Jahr 1106, als sich rund 1000 Männer aus Köln und der Umgebung daran machten, den ersten mittelalterlichen Schutzwall um die Stadt zu ziehen. Krieg drohte, und die Bürger der Stadt, die damals zwischen 10 000 und 15 000 Einwohner zählte, setzten alles daran, in weniger als zwölf Wochen einen drei Kilometer langen Erdwall mit Palisaden um die neuen Stadtteile Oversburg (im Süden), St. Aposteln (Westen) und Niederich (Norden) zu ziehen. Bei Ausgrabungen südlich der Auffahrt zur Severinsbrücke – im östlichen Winkel zwischen „Im Weichserhof“ und „Katharinengraben“ – fanden sich jetzt Reste des wenig bekannten Walls, der schon 1180 durch die große Stadtmauer ersetzt wurde.

„Weil es sich hier um eins der letzten Trümmergrundstücke aus der Nachkriegszeit ohne neue Wohnbebauung handelt, konnten wir den Wall erstmals auf einer größeren Fläche nachweisen“, sagt Marcus Trier, Chef des Römisch-Germanischen Museums und Leiter der Bodendenkmalpflege, die hier gleich zwei große Archäologen-Teams im Einsatz hat. Auf den beiden Grundstücken gegenüber dem Microsoft-Haus am Rheinauhafen sollen nach den planmäßig Ende Februar beendeten Grabungen Wohnungen und Büros entstehen.

Wall mit Palisadenkrönung

Wie die Archäologen feststellten, legten die Kölner zunächst einen fünf Meter tiefen und zehn Meter breiten Spitzgraben an und schütteten den Erdaushub auf der Innenseite zu einem Wall mit Palisadenkrönung auf. Zwischendrin wurden Ausfahrten mit steinernen Torbögen und hölzerne Bollwerke angelegt. Graben und Befestigung zogen sich vom Rheinufer über den Katharinengraben und Perlengraben bis nach St. Pantaleon, wo sie Anschluss an die noch erhaltene und gut gepflegte römische Stadtmauer fanden. Im Westen und im Norden wurden ähnliche Wälle angelegt.

Durch die Arbeit der Archäologen konnte zum ersten Mal die ganze Breite des Grabens bestätigt werden. Auf dem Gelände fanden sich außerdem ein mittelalterlicher Abwasserkanal, ein geziegelter Kanal aus dem 18. Jahrhundert und Reste der Mauern des Klosters St. Maria im Spiegel aus dem 13. Jahrhundert samt Latrinen und Abfallgruben seiner frommen Bewohnerinnen. Im nördlichen Grabungsabschnitt, wo mit der Nächelspforte auch eine der Eckbefestigungen des Walls stand, wurden mittelalterliche Keller und Latrinen gefunden.

Die mittelalterliche Befestigungsanlage war letztlich „Produkt einer Krise“, wie Trier sagt. Die Kölner hatten sich im Streit zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. auf die Seite des alten Kaisers geschlagen, der Erzbischof aber auf die Seite des Sohns. Um die Bebauung außerhalb der römischen Stadtmauer, ein rund 80 Hektar großes Areal, zu schützen, legten die Kölner mit Erlaubnis des Kaisers und gegen den Willen des Erzbischofs in einer großen Kraftanstrengung Graben und Wall an. Eine Anstrengung, die sich lohnte, denn Heinrich V., der die Stadt noch im selben Jahr belagerte, musste erfolglos abziehen. Erst nach dem Tod des alten Kaisers beugten sich die ungeschlagenen Kölner.

Das Ende des Stadtgrabens kam erst, als man Mitte des 12. Jahrhunderts mit den Planungen für die große mittelalterliche Stadtmauer begann, mit der das Stadtgebiet noch einmal um 200 Hektar auf die doppelte Größe erweitert wurde. In mehreren Phasen wurde der nicht mehr benötigte Graben mit der ausgehobenen Erde und Abfall wieder verfüllt. Die Archäologen werden ihre Befunde jetzt dokumentieren, erhalten werden soll bislang nichts. „Der Fund erlaubt einen schönen Einblick in einen mittelalterlichen Stadtteil Kölns“, sagt Trier, „aber einen Erdwall kann man nicht erhalten.“ Wenn das Gelände neu bebaut ist, werden nur noch einige alte Straßennamen an Kölns großen Stadtgraben erinnern.

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