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Archiveinsturz: Streit um Tafeln der Erinnerung

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24 rot-weiße Tafeln mit kurzen Texten hatte der Kölner Fotograf Reinhard Matz am Bauzaun der Einsturzstelle angebracht. (Bild: privat) 
Die 24 Tafeln, die an der Einsturzstelle des Stadtarchivs an das Ereignis erinnern, sollen entfernt werden. Die Stadt Köln und die Arge Süd streiten sich aber darum, wer dies veranlasst haben soll. Eigentlich finden beide die Tafeln gut.  Von
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Köln

Mit Schutzhelm und Narrenkappe auf dem Kopf haben der Fotograf Reinhard Matz und die Initiative Archiv-Komplex am Freitag die Tafeln, mit denen sie auf den Archiveinsturz am Waidmarkt hinwiesen, vom Bauzaun abgehängt und einige Meter weiter am Georgplatz neu aufgehängt. Dort hängen bereits offizielle Hinweisschilder der Stadt. "Dann kann es hier ja wohl auch zu keiner Verkehrsbehinderung kommen", hieß es aus der Gruppe.

Mit dem Hinweis, die Schilder am Bauzaun gefährdeten den Verkehr, hatte die Stadt auf die Demontage der Tafeln gedrängt. Ob sie dies aus eigenem Willen tat oder auf Drängen der Arge Süd blieb auch Donnerstag unklar. "Das ist halt Karneval", kommentierte eine Sprecherin. Von anderer Seite hieß es: "Das ist wie schon beim Archiv-Einsturz. Es passiert etwas und keiner will die Verantwortung dafür übernehmen." Auf den 24 Tafeln in den Stadtfarben Rot und Weiß wird der Archiv-Einsturz in nüchterner Sprache nacherzählt. Schilder sollen zum Nachdenken anregen und waren lange Zeit der einzige Hinweis auf das Ereignis, bei dem zwei junge Männer starben und wesentliche Dokumente der Kölner und der deutschen Geschichte verschüttet wurden.

Die Stadt Köln und die Arge Süd streiten sich um die Frage, von wem die Initiative zur Entfernung der 24 Erinnerungstafeln des Künstlers Reinhard Matz am Ort des Archiv-Einsturzes ausgegangen ist. „Das Kunstprojekt hat die volle Unterstützung unserer Geschäftsleitung“, sagt Stefan Kombüchen, Sprecher der Bauunternehmen im südlichen Abschnitt der neuen U-Bahn (Arge). Die Stadt Köln hatte unter Hinweis auf einen entsprechenden Wunsch der Arge die Entfernung der Tafeln verlangt. Hintergrund sei die Verkehrssicherungspflicht, die den U-Bahn-Bauern als Eigentümern des Zaunes obliege. Wegen der beengten Situation auf dem Bürgersteig vor den Tafeln sei es immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen, bei denen Fußgänger oder Radfahrer auf die Straße geraten seien.

„Muss wohl ein Alleingang sein“

„Die Verantwortung für die Sicherheit haben wir bereits im vergangenen Jahr abgegeben und sind seitdem aus dem Thema raus“, sagt Kombüchen, „da muss es sich wohl um einen Alleingang handeln.“ Die an der Arge beteiligten Unternehmen fänden die Inhalte der Tafeln entgegen anderer Annahme „vollkommen in Ordnung“. Kombüchen: „Wir finden es gut, dass die Erinnerung an das Ereignis wachgehalten wird, zumal man sich in der Stadt noch auf keine andere Form des Gedenkens geeinigt hat.“

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Diese Sichtweise auf die Verkehrssicherungspflicht teilt die Stadt nicht. In Schreiben und bei Gesprächen habe die Arge auf Entfernung der Tafeln gedrängt, weil sie andernfalls keine Verantwortung für eventuelle Unfälle übernehmen könne. Die Stadt habe deswegen eine vermittelnde Position zwischen der Arge und der Initiative Archiv-Komplex eingenommen, sagt Sprecherin Inge Schürmann. Leider hätten sich die beteiligten Künstler bis zuletzt aber nicht willens gezeigt, die Tafeln zu entfernen.

Dies soll nun am heutigen Freitag um 11 Uhr passieren. Die Initiative Archiv-Komplex sieht Stadt und Arge gleichermaßen als Veranlasser der Demontage. Die Tafeln, die in nüchternen Worten den Untergang des Archivs und den Tod zweier junger Leute schildern, sollen in unmittelbarer Nähe neu aufgehängt werden.

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