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Ausstellung: Abgründig-fantastische Bilderwelt

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Michael Hutter malt in der Technik der alten Meister und arbeitet wochen-, monate- und sogar jahrelang an seinen Gemälden. Foto: Kisters
Der Kölner Künstler Michael Hutter stellt seine Werke aktuell in der Kölner Graphikwerkstatt aus. Im Zentrum der Ausstellung steht ein Triptychon, an dem er ein ganzes Jahr gemalt hat. Dieses ist mit einem Blick nicht zu erfassen.  Von
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„Wie viele Ideen gehen verloren in einem Jahr, in dem man nur eine einzige Idee verwirklicht“, sagt Michael Hutter. Tatsächlich hat der Kölner Künstler ein ganzes Jahr an einem Triptychon gemalt, das im Zentrum seiner Ausstellung in der Kölner Graphikwerkstatt zu sehen ist. Die Dauer des Arbeitsprozesses ist dem Bild anzusehen, das in bester altmeisterlicher Tradition entstanden ist. Hieronymus Bosch, Pieter Breugel und Lukas Cranach als Vorbilder für einen zeitgenössischen Maler, das ist ungewöhnlich. Doch Hutter, Jahrgang 1963, hat nie anders gemalt.

Als Kind sah er im Wartezimmer eines Arztes in einer Kunstzeitschrift zum ersten Mal ein Gemälde von Hieronymus Bosch. Er war so sehr von der abgründig-fantastischen Bildwelt fasziniert, dass er diese Art, menschliche Gestalten zwischen Realismus und absurder Ungeheuerlichkeit zu zeigen, nicht mehr aus dem Kopf bekam. Schon als Kind malte er leidenschaftlich. Als Jugendlicher wusste er nach dem Lesen des Lexikons des Surrealismus, dass er ebenfalls solche Bilder malen wollte. Dennoch besuchte er nie eine Kunstakademie. Möglicherweise war gerade seine autodidaktische Unabhängigkeit der beste Garant dafür, dass er sich jenseits aller aktuellen künstlerischen Konzepte auf sein eigenes Gespür verlässt und so seinen eigenen künstlerischen Weg geht.

„Ich bin ein aktueller Mensch“

Die Frage, ob man heute noch immer wie die Maler des ausgehenden Spätmittelalters malen könne, hat sich ihm nie gestellt. „Ich bin ein aktueller Mensch. Ich lebe im Hier und Jetzt der Gesellschaft und nicht in einer abgedrehten Traumwelt. Ich bin nicht rückwärts gewandt, sondern male moderne Bilder“, erklärt Hutter. Schließlich berühren die Motive, die seine Kompositionen bestimmen, grundlegende existenzielle Themen. Das sind Nacktheit und Sexualität, Sehnsucht, Gier und Gewalt, menschlicher Übermut und Verzweiflung und das ewige Spannungsfeld von Natur und Kultur.

Das unhintergehbare menschliche Drama also, in dem Willen und Willenlosigkeit, Unbedarftheit und Hilflosigkeit gleitend ineinander übergehen. Michael Hutter nennt das Triptychon, betitelt als „Der Triumph des Fleisches“, sein bisheriges künstlerisches Meisterstück. Er fertigte viele Vorzeichnungen und kleine Bilder an, ehe sich die komplexe Komposition abzeichnete. Sie zeigt eine abgründige Welt, die direkt in die frühen Zeiten unserer Kultur zurückzureichen scheint. Vielleicht erzählt sie aber auch von zukünftigen Zeiten, vom Ende der Kultur, so wie Jahrhunderte zuvor die Gemälde des Mittelalters vom jüngsten Gericht erzählten.

Mit einem Blick nicht zu erfassen

Nackte und bekleidete, fliehende und verfolgende, blutrünstige und gedemütigte Menschen befinden sich darin im Kampf mit sich selber und mit monströsen menschlich-tierischen Mischwesen. Verführerische nackte Frauen und erschöpfte Männer stehen neben Mensch-Tier-Mutationen mit sechs Brüsten und gefährlichen Krebskrallen. Menschen im Gleichschritt befinden sich in nächster Nähe zu denen, die aus der Reihe tanzen. Sie alle schlüpfen aus toten Ungeheuern. Das Ganze geschieht auf einem verwüsteten Schlachtfeld vor den Mauern einer großen Stadt.

Nichts auf diesem Bild ist mit einem Blick zu erfassen. Vielmehr gibt es in der vieldeutigen Szenerie unzählige Geschichten, die nebeneinander laufen und einander durchdringen. Mordgeschichten und Demutsgeschichten, Kampfgeschichten und Fluchtgeschichten, Freudentanzgeschichten, Kopulationsgeschichten, Alltagsgeschichten und religiöse Geschichten. So bedrohlich und unheimlich diese Bildwirklichkeit ist, so gewiss sind auch freudige Momente darin. Wie einst Breugel und Bosch thematisiert Michael Hutter eine aus den Fugen geratene Welt, in der die Menschen die Orientierung verloren haben.

Eine Welt im Übergang

Die Darstellung einer Welt im Übergang, in der die Menschen zwischen biologischer Zwangsläufigkeit und rücksichtsloser Freiheit, absurden Wahnsinnszuckungen und Anpassungszwang hin- und hergetrieben werden, ist hochaktuell. Erscheint die altmeisterliche Machart von Hutters Kunst alt und bekannt, so können wir uns darin erstaunlicherweise mehr wiederfinden als in vielen modischen künstlerischen Erzeugnissen. Und das ist schließlich das Entscheidende bei der Betrachtung von Kunst.

Kölner Graphikwerkstatt, Im Sionstal 17, Fr 17-19 Uhr, bis 23. November

Zur Person

Michael Hutter wurde 1963 in Dormagen geboren. Seit dem Alter von fünf Jahren lebt er in Köln. Er absolvierte kein Kunststudium, besuchte aber Ende der 1980er Jahre Seminare bei verschiedenen Professoren am Fachbereich Freie Kunst an der Fachhochschule Köln am Ubierring.

Seit jungen Jahren pflegt Hutter einen an Surrealismus, Phantastischem Realismus und an der altmeisterlichen Malerei orientierten künstlerischen Stil.
Er arbeitet nicht nur als bildender Künstler, sondern veröffentlichte auch mehrere Bücher mit Moritaten und anderen abgründigen Geschichten. (jk)

www.octopusartis.com
www.graphikwerkstatt.de

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