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Ausstellung: Kolumba zeigt den Weg des Wunders

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Impressionen aus der Eucharistie-Ausstellung in Kolumba. Allgegenwärtig ist Jesus Christus als Schmerzensmann, wie etwa auf dem oben groß abgebildeten oberrheinischen Leidensspiegel.  Foto: Stefan Worring
Seit Jahrhunderten steht der heilige Ritus des Abendmahls im Zentrum des katholischen Glaubens. Anlässlich des Eucharistischen Kongresses in Köln zeigt das Kolumba-Museum eine Sonderschau mit Manuskripten und Reliquien.  Von
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Die Wunden bluten noch, als der vom Kreuz herabgestiegene Heiland die Trauben mit den bloßen Füßen tritt. Er steht gebeugt in der Kelter, die sich wie ein Schraubstock um ihn schließt. Der so gewonnene Traubensaft rinnt durch eine Aussparung im Holz und zieht sich als wundersame Blutspur zu den sieben kirchlichen Sakramenten: Taufe, Firmung, Beichte, Ehe, Krankensalbung, Priesterweihe und natürlich das Abendmahl. Dieser Leidensspiegel von 1410–1420 wirkt etwas ungelenk – kein Meister hat sich hier verewigt, sondern der fromme Wunsch, ein Wunder zu erklären.

Seit Jahrhunderten steht die Eucharistie, also der heilige Ritus des Abendmahls, im Zentrum des katholischen Glaubens. Beinahe genauso lange haben sich Gläubige an ihrer wörtlichen Auslegung gestört: Kann es sein, dass sich im Augenblick der Kommunion Brot (oder Hostie) und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln? Mitte des 11. Jahrhunderts maß der Gelehrte Berengar von Tours den katholischen Wunderglauben an der Vernunft und schlug zum Entsetzen des Klerus vor, die Wandlung nicht als Realität, sondern als symbolisches Zeichen für die Anwesenheit Gottes unter den Gläubigen zu deuten.

Er musste widerrufen und feierlich darauf schwören, dass der Leib Christi „von den Zähnen der Gläubigen zermahlen wird“.
Der „Menschenfresserei“, die Berengar beklagte, widmet Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, nun eine Sonderausstellung mit 38 seltenen Leihgaben und sakralen Werken aus der eigenen Sammlung.

Anlässlich des Eucharistischen Kongresses, der vom 5. bis 9. Juni in Köln abgehalten wird, haben die Kuratoren die Sonderschau mit der Jahresausstellung „Art is Liturgy“ verzahnt und präsentieren die wertvollen Manuskripte, Tafelbilder und Reliquien als Mittelpunkt der katholischen Liturgie. So fügt sich die Eucharistie-Schau überzeugend in die Gesamtheit der Kolumba-Räume ein; der Thomas von Aquin entliehene Ausstellungstitel „Trotz Natur und Augenschein“ verdeutlicht zudem, dass die Wandlung in der katholischen Lehre weiterhin die Soll-bruchstelle zwischen Glauben und Vernunft markiert.

Im Mittelalter war die Eucharistie ein kirchenpolitisches Projekt: Sie wurde herangezogen, um die Trennung von Byzanz zu erklären – dort wurde ungesäuertes Brot zum Abendmahl gereicht –, und sie sollte die Macht des Klerus stärken, in dessen Händen sich das Wunder vollzog. Die Überzahl der in Kolumba gezeigten Tafelbilder und Zeichnungen hatte daher belehrenden und mahnenden Charakter und diente dazu, den Weg des Wunders nachzuzeichnen. So zeigt ein Bild aus der Mettener Armenbibel (1414–15) den geöffneten Himmel mit Gottvater und Engelscharen; Christus ist aus diesem herabgestiegen und bezeugt durch seine Anwesenheit die Wandlung. Zur Sicherheit wird die Darstellung von Heiligen- und Gelehrtenporträts gesäumt, die sich als Kronzeugen betätigen.

Die Beliebtheit des Eucharistie-Motivs lässt sich teilweise auch aus künstlerischen Erwägungen erklären: So wie sich beim Abendmahl irdische Stoffe in heilige Substanz verwandeln soll, mussten die Maler ihre Farben in Abbilder einer vergangenen oder gegenwärtigen Realität verwandeln – wobei die Darstellung religiöser Motive ohnehin nach einer höheren Wirklichkeit verlangte. Heute ist die Eucharistie ein Alleinstellungsmerkmal der katholischen Kirche, die darin das Geheimnis ihres Glaubens feiert. Es ist ein Geheimnis, das sich der Vernunft versagt, um im Glauben festeren Halt zu finden.
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Kolumbastr. 4, Mi.– Mo. 12–17 Uhr, 30. Mai bis 15. August. Der sehr lesenswerte und weit ausgreifende Begleitband zur Ausstellung ist im Greven-Verlag erschienen und kostet 24,80 Euro.

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