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Bänke für die Schildergasse: „Unkommerzielles Sitzen“ in Köln

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Die Sitzbänke werden von Mitgliedern der Bezirksvertretung Innenstadt getestet Foto: michael bause
Am Dienstagabend trafen sich Mitglieder der Bezirksvertretung am Hof zum Probesitzen: Die neuen Bänke für die Schildergasse sollen solide, nicht zu teuer, bequem und vandalismussicher sein. Ein Favorit kristallisierte sich mittlerweile heraus.  Von
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Köln

Die vierfüßige Bank mit unproportional niedriger Rückenlehne stößt auf entschiedene Ablehnung. „Die schneidet sich in den Rücken ein“, sagt Markus Graf von den Grünen. Ulrich Höver, Leiter des Bürgeramts Innenstadt, hat die abgeschabten Kanten entdeckt: „Da ist es schon abgeblättert.“ Jemand anders macht sogar Rost aus. Also keine Chance für das  Modell, das ganz rechts in der Reihe von vier Sitzbänken steht.

Dienstagabend auf der Musterfläche, die die Stadt im Herbst des vergangenen Jahres in der Straße Am Hof nahe dem Dom eingerichtet hat: Vertreter der Verwaltung und Mitglieder der Bezirksvertretung haben sich versammelt, um die Sitzgelegenheiten, außerdem eine Auswahl von Pollern und Bürgersteigbelägen in Augenschein zu nehmen. Im Idealfall könnte eine Vorentscheidung fallen, was ins „Gestaltungshandbuch für die Innenstadt von Köln“ eingeht, als einheitliche Grundlage dafür, welche Modelle künftig ausgewählt werden. Für die Bänke hat die Bezirksvertretung bereits fünf neue Standorte im Bereich Schildergasse beschlossen.   

Holz komme keinesfalls in Frage, sagt Stadtraummanagerin Sandra Kißmann, denn die Bänke sollten „vandalismussicher“ sein. Nichts Ausgefallenes, Raffiniertes sei erstrebt, sondern solider „Standard“, „gutes Mittelmaß“, auch weil es „nicht zu teuer“ werden solle. Stückpreise kann sie im Moment nicht nennen. Es gehe darum, die „Richtung“ festzulegen, die genauen Preise ergäben sich „über die Masse“. Und weil der Wettbewerb offen sei, könne man die Bänke von verschiedenen Herstellern beziehen. Baudezernent Franz-Josef Höing spricht von einem “uralten Thema des öffentlichen Raums: Die Stadt braucht Sitzgelegenheiten jenseits von Cafés“ oder, mit den Worten von Markus Graf:  „Möglichkeiten, unkommerziell zu sitzen“.

Zum Beispiel auf der Bank, deren Sitzfläche und Lehne aus dicken, mit schwarzgrauem Kunststoff beschichteten Rundlatten bestehen? Nein, auch sie fällt durch. „Die sieht schnell dreckig aus“, befindet Regina Börschel (SPD). „Und die Sitzfläche fällt nach hinten ab, da hat man Schwierigkeiten beim Aufstehen.“ Sandra Kißmann bemängelt zudem, der Kunststoff lade zum „Ritzen“ ein.

Bleiben zwei schlichtere, typengleiche  Modelle, zweifüßig, die eine mit, die andere ohne Lehne. Bevor über sie diskutiert wird, erwähnt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne), schon einige Bürger hätten angerufen und pauschal gewarnt: Bloß keine Bänke, da säßen dann nur Penner, „ich selber sage lieber Tippelbrüder.“ Absichtlich nicht zur Wahl stehe die so genannte Köln-Bank, denn die Sitzfläche dieser Gitter-Konstruktion lasse sich - wie leider schon vorgekommen - als Grill zweckentfremden. Hupke moniert, dass solche Exemplare  in der Bechergasse aufgestellt worden sind. Das Modell mit Lehne, auf das sich die Gruppe nun konzentriert, findet den weitaus größten Gefallen. Die Variante ohne Rückenstütze sei aber auch nötig, für solche Standorte, wo Rastende die Wahl haben wollten, in welche Richtung sie blicken wollten, sagt unter anderen Monika Wintner (CDU).

Vier verschiedenen Typen Sitzbank stehen zum Probesitzen bereit.  (Dieses Modell ist Favorit nach dem Probesitzen der Bezirksregierung)
Vier verschiedenen Typen Sitzbank stehen zum Probesitzen bereit. (Dieses Modell ist Favorit nach dem Probesitzen der Bezirksregierung)
Foto: stefan worring

Starke Einwände kommen von Dezernent Höing, der eine ausgeprägte Aversion gegen „angestrengte Designversuche“ hat. Auch die Konsens-Bank ist ihm noch zu verspielt, wenngleich Stadtraummanagerin Kißmann betont, das liege an der „modularen“ Konstruktionsweise. Trotzdem fällt am Ende nur die Entscheidung, man solle sich für einen neuen Vorschlag am favorisierten Modell orientieren. Hupke regt an, zur öffentlichen Musterung ins Stadthaus eine weitere Musterbank zu stellen. Am unzufriedensten mit dem Aufschub zeigt sich Bürgeramtsleiter Höver: „Wozu haben die Bänke ein halbes Jahr hier gestanden?“

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