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Gezeiten: Kölner Kultlokal schließt die Türen

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Inci Edge: Köchin, Geschäftsführerin und Wirtin des Gezeiten. Foto: Philipp Haaser
Das Gezeiten war lange ein fester Bestandteil der Kölner Innenstadt, nicht nur für die Schwul-Lesbische Community. Jetzt gibt Wirtin Inci Edge nach 14 Jahren ihr Szenelokal auf. Sie geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge.  Von
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Am letzten Abend kommt noch einmal die Flut. Das Gezeiten feiert Abschied, und später werden die Gäste vor dem Szenelokal in der Balthasarstraße eine Menschentraube bilden. Noch hat der Abend nicht begonnen und hinter der Theke steht die Wirtin mit einem Kaffee, Abendlicht fällt durch die Fenster. „Das Lokal ist mein Lebenswerk“, sagt Inci Edge (47), 14 Jahre Kellnerin, Chefin, Köchin und Karnevals-DJane im Gezeiten.

Das Schild mit dem Gezeiten-Schriftzug über dem Eingang ziert die Regenbogenfahne. Edge hat ihren Laden immer als Teil der Community verstanden. „Aber es ging mir nie hauptsächlich darum, ein Schwulen- und Lesbenlokal zu führen. Ich wollte einen Laden führen, in dem sich niemand ausgegrenzt fühlt.“ Vor allem Frauen hätten das sehr gerne angenommen, sagt sie. Doch nun ist Schluss. Um 9 Uhr aufstehen, anschließend ein Zehnstundentag: Bürokram erledigen, einkaufen, die Küche vorbereiten, vorkochen, und das an sechs Tagen in der Woche – das war auf Dauer zu viel.

Die Erhöhung der Gema-Gebühren und das Rauchverbot waren für sie schließlich ausschlaggebend. Den Entschluss fasste sie im Januar und fühlte sich sofort befreit. Jedes Jahr gab es Momente, in denen sie nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Dass das vorbei ist, darüber freut sie sich. Sie hat rechtzeitig den Absprung geschafft. „Ich gehe ohne ein bitteres Gefühl“, sagt sie.

Nachholen, was zu kurz kam

Die vielen Stammgäste, Doppelkopfrunden und die Sportlergruppen, die sich ein gemeinsames Bier nach dem Training gönnen – das wird sie schon vermissen. Auch die Nachbarschaft, in der sie sich sehr wohlgefühlt hat, wird ihr fehlen. In den vergangenen Tagen schon kamen viele, um ein letztes Mal hier zu essen, um einen gemütlichen Abend zu verbringen, darunter auch ein Paar, das sich hier kennen und lieben gelernt hat. Auch ihr Ja-Wort feierten die beiden in der Eck-Kneipe. Diskretion gehört für Edge zur Berufsehre. „Ich bin keine Plaudertasche“, sagt sie auf die Frage, welche Promis regelmäßig hier verkehrten. Was sie nun vorhat? Ganz einfach: Pause machen. Edge freut sich auf all das, was in einem Leben als Wirtin zu kurz kommt: Freunde treffen, Theater, Kino und endlich mal eine Karnevalssitzung sehen.

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