Etwa im Mai fängt für die Schwanen-Schützer am Mediapark wieder das Zittern an. Wenn die Jungtiere der am See lebenden Vögel geschlüpft sind, laufen sie Gefahr, überrollt zu werden, falls sie die Erftstraße betreten. Wie die Maybachstraße führt sie in einem leichten Bogen an dem Gewässer, das auf dem Gelände angelegt wurde, vorbei. „Im vorigen Jahr wurden zwei Küken an dieser Stelle überfahren“, so der ehrenamtliche Tierschützer Dino Marcotullio. „Wenn Anwohner nicht regelmäßig nach dem Rechten sehen und Tiere aus brenzligen Situationen befreien würden, wären es noch mehr.“
Foto: KStA-Grafik
Um die Wasservögel zu schützen, hatten sich Marcotullio und seine Mitstreiterin, die Tierarzthelferin und Vogel-Auffangstations-Mitarbeiterin Bianca Peinert, nun mit einer Bürgereingabe an die Bezirksvertretung Innenstadt gewandt. Eine Forderung der Wildvogelschützer hat die Stadtverwaltung bereits erfüllt: Um die Einsicht für die Autofahrer in diesem Abschnitt zu verbessern, hat das Grünflächenamt kurz nach den Sommerferien eine mehrere Meter lange Hecke am Straßenrand entfernt – kurz nach der Fußgängerbrücke über den Mediapark-See.
Ortstermin mit Bezirksvertretern
Damit die Bezirksvertreter sich selbst ein Bild machen können, hatten sie ihre Beratung zunächst vertagt – und trafen sich nun zu einem fraktionsübergreifenden Ortstermin mit den Tierschützern am See. Auch Mediapark-Geschäftsführer Gerhard Kock sowie einige Anwohner gesellten sich dazu.
Auch im Blücherpark lebt eine Schwanenfamilie; ihr Anfang Mai 2012 geschlüpfter Nachwuchs entwickelt sich prächtig.
Mit Enten und Reihern schwimmt das Quartett auf dem derzeit teilweise gefrorenen Kahnweiher herum. Dessen Umgebung mit der Balustrade am Seeufer hatte die Stadt im vorigen Jahr auch anlässlich des Park-Jubiläums restauriert.
Die beiden Jungschwäne sind nur noch ein bisschen kleiner als die Elterntiere; man erkennt sie an den grauen Schnäbeln und den dunkleren Partien im Gefieder. Ursprünglich waren die Schwäne zu fünft, doch kurz nach dem Schlüpfen war eines der Küken – vermutlich von einem Raubtier – getötet worden. Das zweite Küken kränkelte zunächst, doch die Schwanen-Schützer sorgten dafür, dass es in tierärztliche Behandlung kam. Seitdem entwickelte sich das einstige „Sorgenkind“ wieder normal. (bes)
Peinert und Marcotullio erläuterten ihnen die Lage. Kernproblem sei, dass die Schwäne manchmal versuchen, auf den Rasenstreifen in der Fahrbahnmitte sowie auf die Grasfläche gegenüber zu kommen. „Besonders problematisch wird es, wenn nur ab und zu ein Auto über die Erftstraße fährt“, so Peinert. „Dichter Verkehr dagegen verscheucht die Tiere.“ Eine Lösung sei, für die Schwäne eine Barriere zwischen Straße und See zu errichten. Bereits 50 Zentimeter Höhe würden reichen. „Wenn die Schwäne ein Hindernis sehen, klettern sie da nicht drüber. Sie sind zu faul“, schmunzelte Peinert.
Baumstämme als Provisorium
Foto: Schöneck
Schnell waren sich die Politiker einig, dass die Absperrung her müsse. „Es war ein Fehler, bei der Anlage des Teiches nicht an Tiere zu denken, die sich dort ansiedeln“, so Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne). Deshalb werden Politik und Verwaltung nun nach Lösungen suchen. Zunächst ist ein Provisorium geplant, etwa eine Reihe von großen Baumstämmen. Wie die dauerhafte Barriere aussehen wird, ist offen – ebenso, ob sie am Straßenrand oder an der Grundstücksgrenze zum Park entstehen wird. Sie müsse zudem sicher vor Vandalismus sein, wie eine Anwohnerin betonte. „Es gibt leider Idioten, die haben sogar schon Müllbehälter in den Teich geschmissen.“ Mediapark-Chef Gerhard Kock lobte Tierschützer und Anwohner. „Ihr Engagement ist großartig“, meinte er – und kündigte an, dass man sich an der Vorrichtung beteiligen werde, wenn die Lösung tragfähig sei und die Stadt mit im Boot bleibt.



