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Nach Bomben-Alarm: Gemischte Gefühle am Bahnsteig

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Ein KVB-Fahrer hatte bei seiner Fahrt durch den Tunnel am Breslauer Platz den Gegenstand entdeckt. Foto: ARTON KRASNIQI, KSTA
Einen Tag, nachdem die U-Bahn-Station Breslauer Platz wegen eines Bombenverdachts gesperrt wurde, hat sich die Stimmung am Kölner Hauptbahnhof verändert. Die Debatte um die Videoüberwachung flammt wieder auf.  Von
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Köln

Vorweihnachtlicher Stress auf dem Bahnsteig im neuen U-Bahnhof Breslauer Platz. Menschen kommen, Menschen gehen. Drängeln sich aneinander vorbei. Eilen hektisch vorüber. Alles wie immer.

Nichts erinnert mehr an den Vorabend, als ein verdächtiger Gegenstand einen Polizeialarm samt mehrstündiger Sperrung der zentralen U-Bahn-Strecke auslöste. Nichts außer einem rot-weißen Flatterband und den Absperrbaken, die noch unter der Rolltreppe am Gleis Richtung Ebertplatz stehen. Ein Bauarbeiter hatte in einer Tunnelröhre Baumüll liegen lassen, der für einen KVB-Fahrer wie ein Sprengsatz ausgesehen sah.

Alles wie immer? Nicht ganz. „Es schreckt einen schon auf“, sagt KVB-Kundin Rita Schwarz auf dem Weg zu ihrer Bahn. Sie will mit der Linie 18 zum Barbarossaplatz. Es ist die Bahn Richtung Bonn. Und auch dieses Wort hat seit dem Anschlagsversuch im Bonner Hauptbahnhof am 10. Dezember für manchen einen unangenehmen Klang.
Rita Schwarz ist 72 Jahre alt und versucht nicht zu viel über die Bedrohung nachzudenken. „Aber ich bin ja schon älter. Ich finde es für die jungen Leute schlimm, dass wir uns nirgends mehr sicher fühlen können. Aber es kann ja überall passieren. Auch im Supermarkt.“ Völlig unbegreiflich ist ihr, „dass es Überwachungskameras gibt, die nicht funktionieren“.

Tod am Bahnsteig war Auslöser

Ein Eindruck, den KVB-Pressesprecher Franz Wolf Ramien nicht bestätigt. Die Kölner Verkehrs-Betriebe haben einen Großteil der analogen Kameras an ihren Haltestellen und U-Bahn-Stationen in den vergangenen zwei Jahren auf digitale Technik umgerüstet. „Die Bahnsteige in den U-Bahnen werden nun rund um die Uhr bewacht“, sagt Ramien. Auslöser für die Umstellung war der Tod eines Obdachlosen im Frühjahr 2011. Der Mann wurde damals in der U-Bahn-Station Appellhofplatz zusammengeschlagen und starb wenig später. Der Täter konnte einige Tage später durch ein Überwachungsvideo identifiziert und gefasst werden.

Die KVB hatten die Bilder allerdings nur zufällig gespeichert – in einer Testphase während der Umstellung von analoger auf digitale Technik. Alle Bilder werden 48 Stunden gespeichert und dann gelöscht. „Wir würden das gern auf 72 Stunden ausweiten, aber das ist eine politische Entscheidung“, sagt Ramien. Umso wichtiger sei es, dass Fahrgäste, die in eine bedrohliche Situation geraten sind, unmittelbar danach zur Polizei gehen. „Die Beamten benachrichtigen uns dann, und wir können die Aufnahmen sichern.“

Im Kölner Hauptbahnhof ist die Stimmung in diesen Tagen merklich anders. Manche Passanten hören die Lautsprecher-Durchsagen, die dazu auffordern, Gepäck nicht unbeaufsichtigt zu lassen, nun sehr aufmerksam. Der dunkelhaarige Mann mit dem Rucksack, der hinauf zum Gleis 1 will und von zwei Bundespolizisten zum Öffnen seines Rucksacks aufgefordert wird, tut einem irgendwie leid. Gleichzeitig wird er von Passanten misstrauisch beäugt. Und die Mitarbeiterin der Deutschen Bahn am Ticketschalter im Reisezentrum gibt ebenfalls zu, mit einem mulmigen Gefühl hier zu arbeiten. „Ich darf gar nicht drüber nachdenken“, sagt sie. „Und zum Glück komme ich auch kaum dazu. Aber komisch ist das schon.“

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„Herrenlose Koffer“-Witze

Andere verarbeiten die Nachrichten rund um den Bonner Vorfall mit Humor. Weihnachtsmarkt-Touristen, die den Bahnhof verlassen, reißen „Herrenlose Koffer“-Witze – und stehen Sekunden später vor einem. Beziehungsweise einer ganzen Ansammlung. Um acht Koffer und eine Tasche, deren ausländische Besitzer, nur wenige Schritte weiter weg stehen, wird ein großer Bogen gemacht – und noch ein Scherz.

Allgemeine Verunsicherung an öffentlichen Plätzen? Bundespolizei und Deutsche Bahn sehen dafür keinen Anlass. Wie zu erfahren war, zeigt die Polizei vor allem deshalb Präsenz an zentralen Orten wie dem Hauptbahnhof, weil viele Taschendiebe unterwegs sind. „Wir machen derzeit auch keine Angaben dazu, wo, wann und wie wir den Bahnhof mit Kameras überwachen – das sind sicherheitsrelevante Themen, über die wir nur ungern sprechen“, sagt Dirk Pohlmann von der Deutschen Bahn. Jens Flören, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, verweist auf die aktuelle politische Dimension des Themas und sagt: „Wir geben im Moment keine inhaltlichen Auskünfte.“

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