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Stadtarchiv: Tordurchfahrt als Gedenkstätte

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Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs: Links unten die Kirche St. Georg, rechts daneben das Areal des einstigen Stadtarchivs.  Foto: Martina Goyert
Die Initiative Archiv-Komplex tritt für eine würdige Gestaltung des Einsturzortes des Stadtarchivs ein. Das Ergebnis eines Architekten-Wettbewerbs um die Neungestaltung wird von den Künstlern, Architekten und Bürgern kritisiert.  Von
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Köln

Noch bleibt viel Zeit, um weiter über die Gestaltung eines Ortes der Erinnerung an den Einsturz des Historischen Archivs im März 2009 nachzudenken. Das war der kleinste gemeinsame Nenner einer Veranstaltung, zu der die Initiative Archiv-Komplex in die Kunsthochschule für Medien eingeladen hatte. In der Initiative haben sich Künstler, Architekten und Bürger des Severinsviertels zusammengefunden, die gemeinsam für eine würdige Gestaltung des Einsturzortes eintreten.

Das Ergebnis eines Architekten-Wettbewerbs um die Neugestaltung, zu der auch eine Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule gehört, wird von Archiv-Komplex kritisiert: „Die Chance, hier einen ganz besonderen Ort zu schaffen, der Geschichte und Erinnerung mit zukünftigem öffentlichem Leben und Austausch vital verbindet, wird durch eine banale Blockrandbebauung verspielt.“

Die ehemalige Kölner Stadtkonservatorin Hiltrud Kier und Pfarrer Hans Mörtter, beide in der Initiative aktiv, vertieften die Kritik noch einmal. Kier sah in dem Entwurf „überhaupt keine Voraussetzung“ für einen angemessenen Gedenkort gegeben. Die sogenannte Fuge, der Durchgang in der Blockbebauung zu dem im Innenhof geplanten Gedenkort, werde schon bald mit üblem Geruch und Graffiti von sich reden machen. Auch sei die im Innenbereich geplante Sporthalle mit einem zusätzlichen Sportplatz auf dem Dach zu laut für einen Gedenkort. Ein Einwand, der auch von Anwohnern geteilt wurde.

Kritik an der Neugestaltung des Stadtarchiv-Areals

Nach Mörtters Ansicht hat der Archiveinsturz in dem Viertel eine Wunde hinterlassen, die nicht zu heilen ist: „Das müssen wir aushalten.“ In dem bestehenden Bebauungsentwurf sei das nicht berücksichtigt. Architekt Peter Busmann sah die Ursache dafür in einer verfehlten Ausschreibung des Wettbewerbs, der die Aufgabe der Stadtentwicklung zum Anhängsel des Schulneubaus gemacht habe. Der Schulentwurf sei gut, aber für die Gedenkstätte fehle es noch an Ideen. Auch seien die Bürger nach anfänglicher Beteiligung außen vor gelassen worden. Berufskollege Wolfgang Meisenheimer kritisierte, dass „im öffentlichen Raum nichts passiert“, während eine Tordurchfahrt, wie sie Köln zu Zehntausenden habe, in den Rang einer Gedenkstätte erhoben werde. Auch Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum verlangten, den Gedenkort „sichtbar und offen und nicht versteckt“ anzulegen.

Fürsprecher des vorhandenen Entwurfs fanden sich in Bezirksbürgermeister Andreas Hupke und einer Architektin aus der Jury des Wettbewerbs. Hupke verlangte, fair mit dem Wettbewerbsergebnis umzugehen und den Umgangston zu wahren: „Weil dies ein leiser Ort ist, sollte man auch nicht laut darüber streiten.“ Die Vertreterin der Jury sprach von dem Entwurf als „einem Riesenschritt nach vorne, der noch viel zulässt“. Sie wie andere auch waren der Meinung, man könne mit den Architekten und der Stadtverwaltung durchaus noch einmal über den Entwurf reden, zumal die Verwirklichung des Baus noch lange auf sich warten lassen werde. Reinhard Thon, ehemals Leiter des Amts für Brückenbau, rechnet mit einem Baubeginn nicht vor 2020.

Andere gaben zu bedenken, dass der Bürgerwille auch im Falle der Bühnensanierung bereits einmal Beschlüsse der Stadt zu Fall gebracht habe. Prof. Mischa Kuball rief dazu auf, die eigene Wut und die versammelte Fachkompetenz nicht in ein einfaches Zugehen auf die Verwaltung münden zu lassen. Bemerkenswert auch ein Statement zum Schluss: „Was wir heute Abend gemacht haben, ist das Denkmal als Prozess.“

Die Wettbewerbsentwürfe können im Rahmen einer Ausstellung bis zum 23. Januar im Spanischen Bau des Rathauses zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden.

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