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Taxifahrer: Die Angst, ein leichtes Opfer zu sein

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Mag seinen Beruf: Kalle Gehlsdorf am Steuer seines Taxis. (Bild: Krasniqi) 
Taxifahrer Kalle Gehlsdorf fährt seit mehr als 33 Jahren Taxi. Der 54-Jährige fährt immer Nachtschicht und hat bereits eine Menge erlebt. Mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sprach er über seine Erfahrungen und Sorgen bei der Arbeit.  Von
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Wenn ein Fahrgast sich seinem Großraumtaxi nähert, steigt Kalle Gehlsdorf erst einmal aus, begrüßt den Kunden und zeigt ihm, wie er den Sitz verstellen kann. Oder er erklärt ihm irgendetwas anderes. „Es geht nur darum, in Kontakt zu treten, demjenigen in die Augen zu schauen“, sagt der 54-Jährige.

Er glaubt, innerhalb weniger Sekunden zu wissen, mit wem er es zu tun hat – schließlich fährt er seit mehr als 33 Jahren Taxi. Außerdem will er nicht der anonyme Taxifahrer sein, an dem die Gäste ihren Frust auslassen können. Weil sie nach einer durchfeierten Nacht allein nach Hause müssen oder kaum noch Geld in der Tasche haben und sich über die „Wucher-Preise“ aufregen. Oder ihm unterstellen, er würde einen Umweg fahren. „Die Leute regen sich oft über Nichtigkeiten auf“, sagt er. „Das gab es früher nicht.“

Gehlsdorf fährt immer nachts, von 18 bis vier oder fünf Uhr morgens, am Wochenende bis sechs, sieben Uhr. Der Unternehmer hat einen Mitarbeiter, der nur tagsüber fahren will, deshalb übernimmt er die Nachtschichten. Die sieben Betrunkenen, die an Karneval nach Siegen wollten, hätte er einzeln nicht mitgenommen. Nur aus einem Gefühl heraus. „Bei Gruppen suche ich mir aber immer einen aus, den ich ansprechen kann; einen, der mir einigermaßen vernünftig erscheint.“

Die Jugendlichen wollten nach und nach aussteigen, haben es aber nicht getan oder sind doch wieder eingestiegen. Am Ende wollten zwei wieder zurückfahren und das Taxi dann nicht bezahlen. „Sie haben von hinten mit der Kopfstütze auf mich eingeschlagen“, erzählt Gehlsdorf. Man dürfe nicht nervös werden, wenn Gäste aggressiv werden, sagt er. Damals hat er eine Vollbremsung gemacht, die beiden Jungs seien nach vorn geflogen, und er brüllte sie so an, dass sie schließlich verschwanden. Er kann Kollegen gut verstehen, die nicht an sich halten können, wenn sie von hinten wüst beschimpft werden. „Vor allem bei den ausländischen Fahrern wird das sehr schnell rassistisch und demütigend – aber sobald man nervös wird, ist man ein leichtes Opfer.“ Den Job können man nur mit sehr viel Gelassenheit machen.

Wer nachts fährt, kennt sich mit Betrunkenen aus. Zu manchen Diskotheken fährt Gehlsdorf gar nicht mehr, weil es meistens Ärger gibt. Er kennt die Tankstelle an der Cäcilienstraße, an der man auch morgens um drei Uhr den Wagen waschen kann, wenn Betrunkene sich übergeben haben. Gehlsdorf war früher Krankenpfleger, schlimmer als das Putzen ist für ihn der Geruch, der noch zwei Schichten lang im Taxi hängt. „Einmal hat mir eine Frau Sekt ins Gebläse gekippt, das war eine Sauerei.“

Gehlsdorf glaubt, dass „Taxifahrer am unteren Ende der Nahrungskette stehen“ – sinngemäß. „Ist doch so. Wer nichts wird, wird Wirt. Wer nicht Wirt wird, fährt Taxi.“ Dabei würden Leute wie er den Job sehr gern machen. Auch weil es viele interessante Kollegen mit unterschiedlichsten Lebensläufen gebe. Er selbst hat Medizin studiert, aber irgendwann abgebrochen. Im vergangenen Jahr hatte Gehlsdorf die längste Fahrt seines Lebens: vom Kölner Hauptbahnhof nach Athen. „Wegen der Asche-Wolke.“ Auf der Rückfahrt brachte er Engländer nach Calais und verdiente insgesamt 3200 Euro. Ob er sich sicherer fühlen würde, wenn er ein englisches Taxi fahren würde, mit einer Trennscheibe? „Komplett ohne Kommunikation?“ Das fände er sehr seltsam.

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