Lichterketten, die sich über mehrere Baumwipfel spannen, eine Herde hölzerner Rentiere und bei jedem Schritt das Knirschen von feinem Kies – wer den Weihnachtsmarkt im Stadtgarten an der Venloer Straße betritt, wähnt sich schnell in einem Winterwunderland.
Foto: michael bause
Das Publikum, das sich von dieser Oase rund um das Restaurant und Konzerthaus angezogen fühlt, ist so bunt wie der angrenzende Stadtteil Ehrenfeld: Studenten trinken ihren Punsch zusammen mit Start-ups der Kreativszene, Musiker genießen ihre Crêpes neben Familien der neuen grünen Mitte. Was sie eint, ist die Flucht vor den Touristenhorden, wie sie auf den Innenstadtmärkten im Minutentakt von den Reisebussen angelandet werden. Im Stadtgarten ist man davon bislang weitgehend verschont geblieben.
Kölner Dom
Roncalliplatz
50667 Köln
Atmosphäre: Jahr für Jahr bekommt er Bestnoten von seinen Besuchern, die aus ganz Europa anreisen, um das Gedränge im Schatten der gigantischen Domkulisse zu erleben. Wer ganz in Ruhe bummeln möchte, sollte besser von montags bis donnerstags kommen. Der bekannteste Markt in Köln zählt nicht weniger als 150 Stände. Pavillons mit roten Dächern, überragt von einer 25-Meter-Rotfichte aus dem Sauerland, sind sternförmig unter einem funkelnden Lichterdach angeordnet.
Angebot: Honig aus Finnland, Speck aus Südtirol, Gewürze, Brezeln, Marzipan Schokolade und Eierlikör – es gibt viel zu probieren. Bratwurst und Glühwein sind überwiegend bio-zertifiziert und selbst die Pommes sind „handmade“. Mehr als 60 Kunsthandwerker aus ganz Deutschland sind vor Ort, denen Besucher bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können. Sozialwerke und Vereine stellen sich vor.
Programm: Kinderprogramm in der Sternenwarte (Stand 31), Di+Do
16 bis 18 Uhr. Rock, Folklore, Tanz, Blas- und Chormusik auf der großen Bühne. U.a. „Loss mer singe“ mit Stefan Knittler, der neue und alte kölsche Weihnachtslieder und natürlich auch die bekannten Klassiker singt. Ein Liedheftchen hilft über jede Textunsicherheit hinweg. Weihnachtsshow mit Guildo Horn & Die orthopädischen Strümpfe am Do 6.12., 19.30 Uhr.
Öffnungszeiten: bis 23. Dezember, So-Mi 11 bis 21 Uhr, Do-Fr 11 bis
22 Uhr und Sa 10 bis 22 Uhr.
www.koelnerweihnachtsmarkt.com
Leer ist es aber auch hier nur selten: Längst hat sich herumgesprochen, dass sich das Dörfchen als Markt fürs Besondere etabliert hat. Nur etwa jede fünfte der mehr als 60 Buden ist auf Essen und Trinken spezialisiert, die große Mehrzahl bietet originelles Kunsthandwerk oder Dekoratives fürs Fest. „Unsere Auswahlkriterien für die Händler sind ein bisschen strenger“, erklärt Betreiber Norbert von der Grün. Die Artikel müssten zwar nicht unbedingt aus Fair-Trade -Produktion sein, dafür aber gerne ausgefallen und abseits dessen, was sich in den Auslagen der Konkurrenz befindet.
Holzspiele aus Nordthailand
Diese Charakterisierung könnte eigens für Peter Wolters Stand entworfen worden sein. Der 55-Jährige bietet handgefertigte Holzspielsachen und Gesellschaftsspiele an, die er mit seiner Familie acht Monate im Jahr in Nordthailand herstellt. Er selbst bezeichnet den Großteil seines Sortiments als Knobeleien. Wer mag, kann ihn zu einer Probepartie „Kalaha“ herausfordern. Das afrikanische Spiel, bei dem im Wechsel weiße Holzperlen über Vertiefungen eines zweigeteilten Holzbrettes verteilt werden müssen, gilt als eines der ältesten Strategiespiele der Menschheit.
Ohne schlechtes Gewissen wegen möglicher Kinder-Ausbeutung können die Besucher auch bei Wolfger Sievi kaufen. Auf seinem Teppich sitzend, erläutert der Kölner Kunsthändler sein Sortiment. Die farbenfrohen Weihnachtssterne, die über seinem Kopf schweben und die Modellnamen wie „Damaskus“ oder „Jaipur“ tragen, importiere er direkt aus dem indischen Goa. „Ein paar Alt-68er haben dort eine Manufaktur errichtet. Natürlich nur mit erwachsenen Arbeitern“, versichert er.
Wer bereit ist, etwas mehr für sein Essen zu zahlen, wird auch beim Schlemmen nicht enttäuscht. Die Reibekuchen gibt es mit leckerem, selbst gemachtem Kompott und auch der Glühwein, der aus biologischem Anbau von der Nahe stammt, überzeugt.
Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Musik, die den Markt über die Lautsprecher und von der Bühne her beschallt. Statt Weihnachtsseligkeit mit „Oh, du fröhliche“ und „Jingle Bells“ zu bedienen, dominieren Jazz, Weltmusik und rockige Stücke das Programm. Wer das mag, kommt sicher gern wieder.


