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David Beckham: Kein Fußballer wie jeder andere

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David Beckham beim FA-Cup-Finale 1999. Foto: Getty Images
David Beckham hat im Alter von 38 Jahren seine Karriere beendet. Mit ihm verliert der Fußball eine seiner schillerndsten Figuren und einen Weltklasse-Spieler. Die Geschichte des bekanntesten Fußballers der Welt.  Von
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Köln

Er ist kein Fußballprofi wie jeder andere. Er ist Model, Geschäftsmann, Werbefigur. Aber wer David Beckham nur als Popstar betrachtet, der tut ihm Unrecht. Er war ein Weltklasse-Spieler. Der erste seiner Art. Die schillerndste Figur, die der Fußball je hervorgebracht hat.

Es war der 2. Juli 2003: Vor zehntausenden Fans im Estadio Santiago Bernabeu wurde David Beckham in Madrid vorgestellt. Der Hype um den Superstar nahm spätestens an diesem Tag groteske Züge an – der Sport schien nur noch eine Randnotiz zu sein. Von nun an war er Teil der „Galaktischen“, so wurde das Team von Real Madrid zu jener Zeit genannt. Doch Beckham, Zidane, Figo, Ronaldo und Co konnten innerhalb von vier Jahren nur eine Meisterschaft gewinnen.

35 Millionen Euro hat Real Madrid im Sommer 2003 an Manchester United überwiesen, um, so hieß es damals in einer Erklärung von Real-Präsident Florentino Perez, „einen der besten englischen Fußballspieler aller Zeiten zu holen“. Das ist Beckham zweifellos, doch wusste Perez schon zu diesem Zeitpunkt von der überdimensionalen Medienkraft des englischen Nationalspielers. Sein Trikot mit der Nummer „23“ wurde innerhalb der ersten vier Monate über eine Million Mal verkauft. Zum Vergleich: Ronaldo, Zidane, Figo, Roberto Carlos und Raul kamen zusammen auf 700.000.

David Robert Joseph Beckham, wie er mit vollem Namen heißt, war dem Sport zu diesem Zeitpunkt entwachsen und zu einem Medienstar geworden. Trotz überzeugender Leistungen wurde man das Gefühl nicht los, er sei für Real nur eine Werbemaschine.

Der Prozess, der aus dem unbekümmerten blonden Jungen, aus einem Londoner Vorort, die Lieblingsfigur der englischen Boulevardblätter machte, begann am 4. Juli 1999. Beckham heiratete Victoria Adams – besser bekannt unter dem Spitznamen „Posh Spice“. Als Teil der Musikgruppe Spice Girls war sie bereits ein Weltstar, doch die Ehe mit Beckham sollte ihre Bekanntheit in ganz neue Sphären hiefen – auch finanziell. So sollen alleine die Bildrechte an ihrer Hochzeit rund 1,5 Millionen Euro gekostet haben. Beckham war fortan bekannt als „Spice Boy“.

Sein Verhältnis zu Trainer Sir Alex Ferguson litt zunehmend unter seiner steigenden Bekanntheit. Beckham war fast täglich in Englands Boulevardpresse zu finden und wurde nun auch außerhalb des Platzes zum Star. Eine Entwicklung die dem Schotten missfiel.

Volksheld in England

Als er sich am 10. April 2002 den linken Mittelfußknochen brach, weinten die Engländer um den „Fuß der Nation“. Für den Rest der Premier-League-Saison fiel er ebenso aus wie für die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Dabei war es eben jener „Fuß der Nation“, der England erst die WM-Endrunde gesichert hatte. Am 6. November 2001 benötigten die „Three Lions“ mindestens einen Punkt aus dem Qualifikationsspiel gegen Griechenland, um sich für die WM zu qualifizieren. In Beckhams Heim-Stadion, dem Old Trafford in Manchester, lag man mit 1:2 zurück. Beckham trat in der 93. Minute zum Freistoß aus 23 Metern an – und traf.

Fortan war er Volksheld für alle Engländer, und seine Leistungen in Nationalelf sowie im Vereinstrikot wurden honoriert: 2001 wird er Englands Fußballer des Jahres und muss sich bei der Wahl zum Weltfußballer nur seinem späteren Real-Kollegen Luis Figo geschlagen geben. Genau wie schon 1999 – damals hinter dem Brasilianer Rivaldo.

Mit Manchester United gewann er im Mai 1999 das „Triple“ aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Im wohl denkwürdigsten Champions-League-Finale aller Zeiten wurde Beckham zu einem der Protagonisten. Durch zwei Tore in der Nachspielzeit bezwang United den FC Bayern München, der 84 Minuten lang in Führung gelegen hatte. Beckham schlug die brandgefährlichen Ecken, die Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer nur noch einschoben mussten.

Jener Solskjaer war es, der ihm 2003 seinen Stammplatz streitig machte. Nach Beckhams Mittelfußbruch, vertraute Ferguson, der ohnehin nicht mehr gut auf den „Spice Boy“ zu sprechen war, im rechten Mittelfeld zunehmend auf den Norweger. Der Eklat folgte am 15. Februar 2003, als Ferguson in der Halbzeitpause des Spiels gegen den FC Arsenal einen Fußballschuh nach Beckham warf. Seine Wunde über dem Auge musst genäht werden und hierließ sowohl eine Narbe als auch tiefe Spuren im Verhältnis zu Sir Alex Ferguson. Sein Abgang von United schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

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Trotz der schwierigen Situation im Klub, blieb er in der Nationalmannschaft gesetzt. Als Kapitän führte er die Mannschaft in 59 von insgesamt 115 Länderspielen auf den Platz. Nur Torwart Peter Shilton (125 Länderspiele) hat mehr Länderspiele auf dem Konto.

Als Ferguson, der insgesamt 27 Jahre lang Trainer von Manchester United war, vor kurzem seinen Rücktritt bekanntgab, bezeichnete Beckham seinen ehemaligen Coach als „besten Fußball-Trainer aller Zeiten“. Für ihn sei er eine Vaterfigur gewesen, der ihn immer unterstützt habe – seit er mit 1986 zum Klub kam.

Mit elf Jahren zu United

Der damals Elfjährige Beckham saß in jenem Jahr erstmals auf der Bank – damals noch als Maskottchen. Fünf Jahre später unterschrieb er seinen ersten Jugendvertrag, eher er am 2. April 1995, im Alter von 19 Jahren, im Ligaspiel gegen Leeds United für die erste Mannschaft debütierte. Er wurde Teil einer großen Ära von Spielern, die der Klub aus der eigenen Jugend zu Weltklasse-Spielern formte. Darunter Ryan Giggs, Paul Scholes und Gary Neville. Bei United gewann „Becks“ sechsmal die englische Meisterschaft, zweimal den FA Cup und 1999 die Champions League. Neun von insgesamt 19 Titeln, die er in seiner Karriere gewinnen konnte.

Mit dem Ligatitel in Frankreich, den er im Mai 2013 mit Paris St. Germain holte, wurde er der  erste englische Spieler, der die Meisterschaft in vier verschiedenen Ländern gewinnen konnte. Neben den englischen Meisterschaften mit United, der französischen mit Paris sowie einem Meistertitel in Spanien mit Real Madrid, führte er Los Angeles Galaxy zwischen 2007 und 2012 zu zwei Meisterschaften. Bei seinem Engagement in den USA verdiente Beckham jährlich rund 50 Millionen Euro. Seine Werbeeinnahmen stiegen ins Unermessliche. 2012 führt er die Liste der reichsten Fußballer der Welt an – vor Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.

Doch auch wenn es sportlich und finanziell rund lief im fernen Amerika, so vermisste Beckham den europäischen Fußball. Denn entgegen aller Vermutungen, er sei ein Medienstar, der nur seine Person möglichst gut vermarkten will, lebt und liebt er den Fußball. „Ich will, dass die Leute mich als hart arbeitenden Fußballer in Erinnerung behalten“, betonte er nach seinem Karriereende.

Nicht zuletzt aus diesem Grund, wurde er während seiner Zeit in den USA zwei Mal an den AC Mailand ausgeliehen. Als er 2010 mit dem AC Mailand im Old Trafford auflief, wurde „Becks“ beim Stand von 0:4 aus Sicht von Milan eingewechselt. Was sportlich als undankbare Aufgabe erscheint, war für den einstigen Star von Manchester ein emotionaler Moment, den er nie vergessen wird: „Wie die Fans mich aufgenommen haben, war überwältigend. Ich werde Manchester United immer im Herzen tragen. Das ist mein Klub“, sagte er anschließend. Als Beckham auf den Platz lief, gab es von über 76.000 Zuschauern im „Theatre of Dreams“ Standing Ovations für ihren Liebling. Beckham war zu Tränen gerührt.

In Manchester hat man Beckham als den blonden, unbekümmerten Jungen in Erinnerung behalten, der um die Jahrtausendwende eine ganze Fußballnation entzückte. An seine präzisen Flanken, seine perfekt getretenen Eckbälle und Freistöße wird man sich aber nicht nur in Manchester immer erinnern.

Kritiker und Fans

Kritiker sagen an diesem Punkt, das sei alles was er kann. Befürworter und Fans argumentieren damit, dass er eben diese Dinge so gut konnte wie kein anderer zuvor. United-Legende George Best fasste Beckhams Fähigkeiten einst scherzhaft zusammen: „„Er hat keinen linken Fuß, kann nicht köpfen und erzielt keine Tore. Abgesehen davon ist er ein Weltklasse-Spieler.“

Beckham war ein Weltklasse-Fußballer. Das war er in Paris, in Mailand, in Los Angeles und auch in Madrid. Vor allem aber war er das in Manchester - bei seinem Klub. Wie er vor wenigen Jahren mal sagte, bereue er keinen Schritt in seiner Karriere, doch habe er seine Zeit im Old Trafford immer vermisst. Eine Zeit, die im Juli 2003 mit seinem Wechsel zu Real Madrid endete und ihn spätestens dann zu einem der schillerndsten Figuren der Fußball-Welt machte.

Seither wurde er zum Model, zum Geschäftsmann und zur Werbefigur. Aber allem voran war er immer ein Weltklasse-Fußballer. Nicht wie jeder andere, sondern der Erste und Einzige seiner Art.

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