27.09.2016
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Interview: „Der Standort ist perfekt“

David Zwirner betreibt die renommierte David Zwirner Gallery in New York.

David Zwirner betreibt die renommierte David Zwirner Gallery in New York.

Foto:

Dirk Eusterrbrock

David Zwirner, Sie sind zum dritten Mal auf der Art Cologne. Dann hat es sich wohl bislang für Sie gelohnt.

David Zwirner: Im ersten Jahr waren wir etwas enttäuscht. Da gab es mit der Art Brüssel eine Konkurrenzmesse, und ich hatte den Eindruck, dass es der Sache nicht hilft, zwei Messen mitten in Europa zur gleichen Zeit zu veranstalten. Das hat sich mittlerweile geklärt. Jetzt sind wir frohen Mutes, dass die Art Cologne internationaler und noch besser wird.

Sie sind auf allen großen Messen weltweit vertreten. Welchen Stellenwert hat dabei die Kölner Messe?

Zwirner: Ich würde mich freuen, wenn Köln, meine Heimatstadt, nach Basel, London und Paris die vierte Stelle in Europa einnehmen würde. Es gibt sicher noch Messen, die ihr diesen Rang streitig machen können. Aber der Standort in der Mitte Europas ist perfekt. Und was Köln generell betrifft: Nach dem Mauerfall sind Künstler und Galeristen nach Berlin gegangen, aber mittlerweile kann man sagen, dass Berlin nicht das gehalten hat, was es versprochen hat.

Wie wird die Art Cologne in New York wahrgenommen?

Zwirner: Die meisten amerikanischen Sammler und Kuratoren sind noch nicht so weit, dass sie für die Art Cologne einen Umweg machen. Den machen sie für die Fiac Paris, nach London fahren sie sowieso. Daran muss Köln noch arbeiten, und vielleicht müssen auch die Kollegen mithelfen, denn die Kunst, die hier gezeigt wird, ist doch sehr europäisch. Man sollte sich stärker dem amerikanischen Markt öffnen und mehr amerikanische Künstler zeigen.

Bis in die 80er Jahre war die Art Cologne noch weltweit ein Begriff. Was ist da schiefgelaufen?

Zwirner: Die Art Cologne war die erste und deshalb auch die wichtigste Kunstmesse. Basel hat ihr dann relativ schnell den Spitzenplatz abgejagt, und dann ist sie sicherlich auch schlecht gemanagt worden, sonst würden Sie mir diese Frage nicht stellen.

Köln ist auch mit der Bedeutung der deutschen Kunst gewachsen. Wie wird diese in New York gesehen.

Zwirner: Die deutsche Kunst ist immer noch sehr wichtig. Nächste Woche eröffnet im MoMA die Sigmar Polke-Retrospektive, Gerhard Richter ist besonders beliebt, aber auch Martin Kippenberger oder die Düsseldorfer Fotografen.

Und für amerikanische Sammler und Kunsthistoriker ist das kein Anreiz, ins Rheinland, die Produktionsstätte dieser Kunst, zu kommen?

Zwirner: Vielleicht müsste die Messe das mal so verkaufen. Die Realität sieht so aus, dass alle bedeutenden deutschen Künstler in amerikanischen Galerien und Museen präsent sind. Es gibt keinen besonderen Grund, nach Köln zu reisen, um die Werke zu sehen.

Ihre deutschen Kollegen beklagen, dass sie seit Anfang des Jahres statt sieben Prozent Mehrwertsteuer 19 Prozent berechnen müssen. Haben Sie Verständnis dafür?

Zwirner: Da würde ich auch stöhnen. In den USA haben wir einen Prozentsatz von 7,25 Prozent, wenn die Sammler plötzlich 19 Prozent bezahlen müssten, gäbe es eine Revolution. Da leide ich mit meinen deutschen Kollegen, das ist ein Riesenunterschied, vor allem in der Übergangsphase. Irgendwann hat man sich auch daran gewöhnt.

Sprechen wir über den Kunstmarkt im Allgemeinen. Wie sehr haben sich durch die steigenden Preise die Verhältnisse zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Sammlungen verändert?

Zwirner: Die hohen Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage. Die Museen leiden darunter, es ist viel schwieriger für sie, historische Kunst zu kaufen. Deswegen machen sie, was sie eigentlich nicht machen sollten: Sie schauen mehr und mehr in die Gegenwart und kaufen zeitgenössische Sachen. Für die Künstler ist das toll, aber die Aufgabe der Museen ist doch eigentlich, zurück zu schauen. In den USA wird viel geschenkt, weil es Steuervorteile bringt, das würde ich den deutschen Museen auch wünschen.

Es wird in der Kunstszene viel über eine Marktkonzentration gesprochen. Haben kleine Galerien gegen solche großen wie die Ihre überhaupt noch eine Chance?

Zwirner: Ich glaube, das ist vor allem ein Medienthema: Die großen Galerien sind „böse“ und lassen die kleinen nicht zur Entfaltung kommen. Die Realität sieht anders aus. Jede Galerie ist nur so gut, wie die Künstler, die sie vertritt, und kann nur eine bestimmte Anzahl von Künstlerkarrieren begleiten. Einige Galerien haben sich entschieden, zusätzlich auch sehr konsequent mit Künstlern zu handeln, die sie nicht als Galerie vertreten. Dadurch haben sie automatisch eine andere Plattform und eine andere Art des Arbeitens. Wenn man sich aber die Kunstwelt ansieht, dann muss es viele Galerien geben, weil es auch viele Künstler gibt. So wie sich der Markt derzeit entwickelt, bieten sich für Galeristen viele Möglichkeiten. Gerade junge Galerien fühlen sich oft pudelwohl in ihrer Rolle.

Das Gespräch führte Michael Kohler