25.07.2016
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Interview mit Markus Heinzelmann: „Es gibt viel privates Geld“

Berliner Büro

Der Entwurf des Berliner Büros Kuehn Malvezzi für einen „Pavillon“ als Erweiterung des Museum Morsbroich in Leverkusen. (Bild: Museum)

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Heinzelmann, in dürren Zeiten planen Sie nicht nur ein neues so genanntes Kompetenzzentrum für Fluxuskunst in Leverkusen rund um das Werk Wolf Vostells, sondern auch einen Anbau für das Museum Morsbroich. Von der Stadt können Sie dafür keinen Cent erwarten.

MARKUS HEINZELMANN: Wir sprechen mit Mäzenen, aber die potenziellen Geldgeber halten sich derzeit eher zurück. Doch es gibt Mäzene - die ich Ihnen natürlich hier nicht nennen möchte. Ich sehe ich durchaus Möglichkeiten, weil in Nordrhein-Westfalen noch immer sehr viel altes, aber auch neues Geld vorhanden ist, das teilweise unberührt von der Finanzkrise geblieben ist.

Beteiligt sich das Land?

HEINZELMANN: Das Land hat die Remscheider Sammlung Rueb, eine geschlossene Vostell-Sammlung, angekauft und dem Museum Morsbroich als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. . .

. . . Vostell ist gebürtiger Leverkusener.

HEINZELMANN: Der Kulturstaatssekretär, Herr Grosse-Brockhoff, hat in Aussicht gestellt, wenn wir eine Stiftung für das Kompetenzzentrum Fluxus errichten und weitere Werke mit privaten Mitteln ankaufen, dann würde das Land die Sammlung gegebenenfalls dieser Stiftung schenken.

Wer würde die Stiftung formal gründen?

HEINZELMANN: Es wäre eine eigenständige Stiftung, und man müsste sehen, durch wen genau sie vertreten würde.

Was wären die Aufgaben des Kompetenzzentrums, und wie stellen sich die finanziellen Herausforderungen dar?

HEINZELMANN: Da geht es um die Perspektiven der rheinischen Museen insgesamt. Die unterschiedlichen Häuser sollten aus ihrer jeweiligen Geschichte heraus unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Vostell ist für uns eine herausragende Figur. Fluxus war eine Bewegung der 60er Jahre, die ganz entscheidend zur Entwicklung der Kunst beigetragen hat. Damit müssen sich jetzt junge Kunsthistoriker neu auseinandersetzen.

Über welche Summen für Ankäufe sprechen Sie?

HEINZELMANN: Wir sind im Gespräch mit der Familie und haben starkes Interesse, gemeinsam mit dem Land NRW, zusammen mit großen Stiftungen und vor allem mit privatem Geld einen repräsentativen Querschnitt aus dem Nachlass von der Familie zu erwerben. Das beliefe sich auf ca. acht Millionen Euro. Das klingt zunächst erschreckend. Doch Grosse-Brockhoff hat, auch öffentlich, zugesagt, diese Ankäufe substanziell zu unterstützen, wenn wir privates Geld sammeln.

Die Idee eines Anbaus für Leverkusen steht seit langem im Raum. Das Büro Kuehn Malvezzi hat einen Entwurf erarbeitet für einen „Pavillon“ im hinteren Teil des Parks. Wofür brauchen Sie den Anbau?

HEINZELMANN: Es handelt sich um eine Initiative des Museumsvereins. Ein wichtiger Grund ist das geplante Fluxus-Kompetenzzentrum. Es gibt im Rheinland eine herausragende Generation von Sammlern, die unter anderem Fluxus stark gesammelt haben. Schloss Morsbroich ist von seinen technischen Möglichkeiten, aber auch von der Spielfläche her stark begrenzt. Wir können dort nur entweder unsere Sammlung zeigen oder Wechselausstellungen. Letztere brauchen wir, um das Publikum zu ziehen.

Wie ist der „Pavillon“ angelegt?

HEINZELMANN: Der Anbau bietet auf zwei Etagen 1600 Quadratmeter Ausstellungsfläche und Depots. Es ist ein Sichtbeton-Bau, der sich an den Rand der Wiese schmiegt und zum Park öffnet, mit einer holzverschalten Loggia, die den Charakter des Parks aufnimmt. Dabei geht es darum, die Menschen in die Kultur einzubinden, ohne sie hineinzuzwingen. Die Agora ist ein neuer Ort für Leverkusen, an dem sich die Menschen sehr gern versammeln werden.

Für den Bau werden rund sechs Millionen Euro veranschlagt.

HEINZELMANN: Ja, der Auftrag des Museumsverein hatte gelautet, einen Anbau für fünf Millionen Euro zu planen - plus Mehrwertsteuer sind wir ziemlich genau bei diesem Betrag.

Das Kompetenz-Zentrum und der Anbau: Welches Projekt hat für Sie Priorität?

HEINZELMANN: Genau das, für welches wir Sponsoren finden können. Wir wollen unbedingt beides realisieren, weil wir damit zwei große Perspektiven für Leverkusen entwickelt haben. Wenn wir Werke aus dem Nachlass Vostells erwerben, dann brauchen diese Arbeiten auch ein Gebäude. Insofern sehe ich beide Projekte miteinander verzahnt - das eine geht kaum ohne das andere. Es bliebe also eine Etage des „Pavillons“ der Fluxus-Kunst vorbehalten.

Was macht Sie so optimistisch, in Kürze zwei Projekte mit einem Finanzvolumen von rund 14 Millionen Euro auf den Weg zu bringen?

HEINZELMANN: In Essen wird gerade ein Museum für 55 Millionen Euro aus privatem Geld finanziert. Das Geld ist da in Nordrhein-Westfalen. Ich suche nicht nach jemandem, der mir 14 Millionen Euro auf einen Schlag gibt, sondern zwei Millionen - und damit eine Lawine lostreten kann.

Das Gespräch führte Georg Imdahl


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