Job und Karriere
Informationen und Berichte rund um die Themen Nebenjob und Berufseinstieg

Vorlesen
0 Kommentare

Skandinavistik: Kölner forschen über Breivik

Erstellt
So sieht das fertige Produkt aus: „Rechtspopulismus in Skandinavien" haben die Studenten ihre Aufsatzsammlung genannt. Foto: Privat
77 Menschen hat der Norweger Anders Breivik im Juli 2011 getötet. Ein Ereignis, das den Kölner Skandinavistik-Professer Stephan Michael Schröder und seine Studenten dazu bewogen hat, die rechtsextreme Situation im Norden zu untersuchen.  Von
Drucken per Mail
Köln

Eigentlich wollte Professor Doktor Stephan Michael Schröder im Wintersemester 2011 / 2012 ein Oberseminar zur dänischen Kinodebatte geben. Doch dann kam Anders Breivik und tötete am 22. Juli 2011 77 Menschen bei seinen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya. Schröder, Professor für Skandinavistik an der Uni Köln, wurde von der Presse mit der Frage kontaktiert, ob es einen besonderen Grund dafür gäbe, dass so etwas in Norwegen passiert ist. Man wusste keine richtige Antwort. Schröder verwarf den Kurs zur dänischen Kinodebatte kurzerhand und bot ein Oberseminar mit dem Titel „Rechtspopulismus in Skandinavien“ an.

Jetzt, knapp ein Jahr später, ist ein gleichnamiger Aufsatzband zu dem Thema erschienen. Statt einer Hausarbeit schrieben die Studenten einen wissenschaftlichen Aufsatz. „Die Idee zu einer Aufsatzsammlung kam von den Studenten selbst“, erzählt Schröder. „Dadurch waren sie natürlich sehr motiviert.“ Unzählige Stunden hat Jasper Ries als einer der beiden Herausgeber in dieses Projekt gesteckt – und dafür nicht mehr als die vorgeschriebenen Credit Points bekommen. „Es ist ein unheimlich gutes Gefühl, jetzt dieses Buch in Händen zu halten – und nicht nur eine digitale Note in Klips zu bekommen.“

Jasper Ries, Masterstudent der Skandinavistik und Germanistik, ist einer der beiden Herausgeber des Buches.
Jasper Ries, Masterstudent der Skandinavistik und Germanistik, ist einer der beiden Herausgeber des Buches.
Foto: Privat

Lebendiges Seminar

Zurzeit schreibt der 27-Jährige an seiner Masterarbeit – zu einem anderen Thema – und kann sich durch die Arbeit mit dem Buch vorstellen, später redaktionell tätig zu sein. „Das Redigieren und Layouten hat mir viel Spaß gemacht und die Arbeit ging mir leicht von der Hand, ich musste mich nicht dazu zwingen.“ Auch das Seminar selbst sei sehr „lebendig“ gewesen. „Es war interessant, kulturwissenschaftliche Themen anhand aktueller Probleme zu behandeln.“ Denn Breiviks Anschläge waren nur der Auslöser für den Kurs, es ging theoretisch vor allem um die Strukturen des Rechtspopulismus, unter welchen Voraussetzungen man davon sprechen kann und um seine Entwicklung in Skandinavien. Man wollte Breiviks Verbrechen und seinen ideologischen Hintergrund im Hinblick auf rechtspopulistische Tendenzen in Skandinavien einordnen. „Man kann Breivik nicht mit Rechtspopulismus gleichsetzen“, betont Professor Schröder.

Rechtspopulismus in Skandinavien

Das Buch „Rechtspopulismus in Skandinavien“, herausgegeben von Jasper Ries und Sebastian Grote, geschrieben von Studierenden des Instituts für Skandinavistik an der Uni Köln, könnt ihr euch in der Skandinavistik-Bibliothek Köln und anderen Instituts-Bibliotheken in Deutschland anschauen. Außerdem ist es im Geschäftszimmer der Skandinavistik erhältlich und als pdf unter:

skanfen.phil-fak.uni-koeln.de

„Am interessantesten war für mich“, erzählt Jasper Ries, „in welchem Rahmen sich rechte Tendenzen gesellschaftlich anerkannt entwickeln können.“ Europaweit bekannt ist in dieser Hinsicht etwa die „Dansk Folkeparti“, die durch ihre Kooperation mit der Minderheitenregierung diverse Neuerungen durchsetzen konnte, wie etwa die kurzzeitige Einführung der Grenzkontrollen in Dänemark. „Der Effekt des Seminars war, dass wir uns kritisch mit den aktuellen Fragen auseinander setzen konnten“, so Professor Schröder. Dabei sei die Debatte recht „einseitig“ gewesen, meint Ries. „Bei unserer Haltung zu rechten Inhalten waren wir uns immer schnell einig. Bei den theoretischen Aspekten und Einordnungen kam es dann aber schnell zu Diskussionen.“

Fast ein Jahr lang hat daraufhin die Herausgabe des Buches gedauert. Die Aufsätze mussten geschrieben werden, einige Studenten sagten ihre Mitarbeit ab, im Sommer fiel auf, dass noch ein erklärender weiterer Aufsatz fehlte. Dann mussten Ries und sein Kommilitone Sebastian Grote redigieren, layouten und das Buch drucken lassen. Jetzt hält Jasper Ries das 160-Seiten-Werk stolz in den Händen. „Das ist unser Projekt.“

Arbeitet ihr auch an einer interessanten Haus- oder Abschlussarbeit? Konntet ihr neue Forschungsergebnisse herausfinden? Beschäftigt ihr euch mit einem Thema, das gerade heiß in der Öffentlichkeit diskutiert wird? Oder Aspekten, die einfach nur skurril sind? Dann meldet euch bei uns:

Schreiben, folgen, kommentieren

Habt ihr Fragen, Ideen oder Anmerkungen zu unserer Campus-Seite? Dann folgt uns auf Facebook und Twitter. Oder schickt uns eine E-Mail an

campus@ksta.de

 

Auch interessant
Service
Hörsaal-Knigge

Was nervt euch in einer Vorlesung am meisten?

Bildergalerien
alle Bildergalerien
Sonderveröffentlichung
Fortbildung
Mitarbeiter sollten in Ruhe darüber nachdenken, wie ernst es ihnen mit den guten Vorsätzen ist – so kann man vermeiden, unrealistischen Zielen nachzueifern.

Mehr Gehalt fordern oder sich für eine Fortbildung anmelden? So klappt´s im Job!

Kleinanzeigen