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Magister- und Diplomstudenten: Exoten auf dem Campus

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Allein auf weiter Flur: Magister- und Diplomstudenten sind zu einer Rarität auf dem Campus geworden. Foto: Archiv
Sie sind eine aussterbende Spezies: An den Hochschulen gibt es immer weniger Magister- und Diplomstudenten. Bald werden sie ganz verschwinden. Zwei Exemplare dieser seltenen Gattung geben einen Einblick in ihren Alltag.  Von
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Köln

Mittlerweile klingen diese Worte exotisch: Magister, Diplom, Leistungsnachweis und Teilnahmeschein. „Viele Bachelor-Studenten in meinen Kursen wissen gar nicht mehr, was ein Magister ist“, sagt Victoria Gramatke. „»Du studierst schon Master?« fragen die dann.“ Die 27-Jährige studiert an der Kölner Uni noch auf Magister - und gehört damit zu einer aussterbenden Spezies.

Victoria Gramatke
Victoria Gramatke
Foto: Privat

Weniger als zehn Prozent der Studierenden sind noch für die auslaufenden Studiengänge Magister und Diplom eingeschrieben. Beim Magister sind es 1100 Studenten, beim Diplom 2500. Tendenz fallend. Jede Fakultät hat Auslaufordnungen, die festlegen, wann die Studenten sich zum letzten Mal in ihrem Studiengang prüfen lassen können.

Die Zeit ist knapp

Victoria Gramatke, die Germanistik, Skandinavistik und Philosophie studiert, muss sich bis zum 16. September für das Prüfungsverfahren anmelden. Dann hat sie vier Monate Zeit für ihre Magisterarbeit und muss spätestens im Wintersemester 2014/15 ihre Prüfungen ablegen.

Zurzeit schreibt Gramatke noch an einer Hausarbeit, bis September muss sie eine weitere abliefern. Bei der Anmeldung müssen alle Leistungsnachweise vorgelegt werden. Unter Druck gesetzt fühlt sie sich dennoch nicht. „Ich will selbst unbedingt fertig werden, würde auch am liebsten schon zeitiger mit der Magisterarbeit anfangen, aber das werde ich wohl nicht schaffen.“

Im Wintersemester 2006 hat Gramatke, als eine der letzten, mit dem Magisterstudium begonnen. „Mein Studium hat sich so hingezogen, weil mein Laptop mit zwei halbfertigen Hausarbeiten gestohlen wurde, ich während des Studiums immer arbeiten musste und mich außerdem auf die Paralympics 2012 in London vorbereitet habe“, sagt Gramatke, die mit nur einer Hand zur Welt kam und Leichtathletik macht.

Diplom ist besser angesehen

Auch Maik Schössow hat während des Studiums gearbeitet. Während der Wintersemester betreute er jüngere Studenten an der Uni und belegte nur die Pflichtkurse. „Richtig aufs Studium konzentriert habe ich mich nur in den Sommersemestern.“ Anfang April hat der Biologiestudent seine Diplomarbeit über die „Interaktion von Schnecken mit Biofilm“ eingereicht. Im Gegensatz zu den Magistern absolvieren die Diplomstudenten ihre Examensprüfungen bereits vor der Abschlussarbeit.

Maik Schössow forschte über die Interaktion von Schnecken.
Maik Schössow forschte über die Interaktion von Schnecken.
Foto: Privat

Für die Diplomarbeit hätte Schössow nur noch bis Ende dieses Sommersemesters Zeit gehabt. In Biologie gehörte Schössow zum letzten Jahrgang der Diplomer - unbewusst. „Ich habe mich für Biologie entschieden und wusste damals gar nicht, dass es den Bachelor überhaupt gibt.“ Trotzdem ist er froh über den alten Studiengang. Einerseits, weil er Klausuren so oft wiederholen konnte, wie er wollte. Andererseits, weil „das Diplom in der Berufswelt besser angesehen ist“.

Als Magisterstudent benachteiligt

Das glaubt auch Gramatke: „Der Bachelor ist noch fremd in der Arbeitswelt und meine späteren Chefs werden wahrscheinlich noch auf Magister studiert haben.“ Beide fühlen sich „zwangsbachelorisiert“, wie Gramatke es nennt. In Philosophie habe sie Essays schreiben müssen, obwohl das nur für die Bachelorstudenten vorgesehen gewesen sei. Und Schössows Stundenplan sei ähnlich strukturiert und reglementiert gewesen wie jener der Bachelorstudenten.

Während Gramatke sich jedoch häufig benachteiligt fühlte, weil sie um Kurse „betteln“ musste, wurden für die Bio-Diplomstudenten Kursplätze freigehalten. Was Schössow aber schmerzt: „Mir fehlt die Wertschätzung durch die Bachelor-Studenten, die wissen gar nicht, was wir alles gemacht haben. Vordiplom und Diplom waren schließlich viel Aufwand.“

Nicht alle werden fertig

Trotzdem werden es wohl nicht alle Diplom- und Magisterstudenten schaffen. Schössow, der Fachschaftsmitglied ist, schätzt, dass von den rund 30 Bio-Diplomstudenten zehn ihren Abschluss nicht rechtzeitig schaffen werden. Auch das Prüfungsamt der Philosophischen Fakultät rechnet damit, dass einige Magisterstudenten nicht durchkommen werden. Diesen Studenten bleibt nur, ihre bisherigen Leistungen anrechnen zu lassen und auf Bachelor zu wechseln. „In gravierenden Fällen ist auf gezielten Antrag aber möglicherweise noch eine Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt möglich“, sagt Sylvia Strick vom Prüfungsamt.

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