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Studium und Nebenjob: Alles eine Frage der Organisation

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Tobias Kinle studiert Architektur an der Fachhochschule Köln und sammelt in Nebenjobs viele Erfahrungen für seinen künftigen Beruf. Zurzeit arbeitet er für die Bauleitung der Flora.  Foto: Bause
Architektur-Student Tobias Kinle sammelt als studentische Honorarkraft Berufserfahrungen bei der Sanierung der Flora. Reich werden kann er dabei nicht - aber viel lernen. Nächtelang durchfeiern ist für ihn keine Option.  Von
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Köln

Auf einer der Baustellen in der Stadt, die die Kölner noch am ehesten wohlwollend betrachten, arbeitet ein Architektur-Student der Fachhochschule Köln in der Bauleitung. Seit Februar gehört Tobias Kinle zum Team des Stuttgarter Generalplaners K+H Architekten, der die sanierungsbedürftige Flora zum städtischen Glanzpunkt Palais im Park gestaltet.

Der 23-Jährige ist mit durchaus verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Er ist zuständig für die Kontrolle der Gerüste, dafür, dass die komplexen Vorschriften eingehalten werden. Die Bau-Tagesberichte der Arbeitskräfte sind in seiner Obhut. Mit der Kamera erstellt er eine Dokumentation über die Baufortschritte. Und: Ihm wurde die Berechnung der Stahlträger in der Decke überlassen. „Diese Arbeit hier ist wirklich interessant. Bei einem Gebäude, das auch alte Substanz hat, die erhalten werden soll, muss man kreativ denken können, um Lösungen für Sanierungsprobleme zu finden.“

"Reich werde ich davon nicht"

Im Moment ist Tobias Kinle rund fünf Tage in der Woche auf der Baustelle in Riehl. Als studentische Honorarkraft. „Reich werde ich davon nicht“, lacht er. „Aber ich erfahre sehr viel, und darauf kommt es mir an. Ich kann nur jedem Studierendem raten, sich so früh wie möglich um solche Arbeitsbereiche zu kümmern.“ Sein Studium läuft dabei weiter. „Ich warte noch auf eine Prüfung im Städtebau, welche erst im kommenden Sommersemester wieder angeboten wird. Dann habe ich alle Punkte zum Abschluss des Bachelors zusammen.“ Jetzt ist Kinle vor allem abends in der Fachhochschule. „Ich habe mich in zwei Sprachkursen angemeldet, für Englisch und Spanisch.“ Mit nächtelang durchfeiern in der Woche liefe da gar nichts, meint er. „Auch zum Klavierspielen komme ich leider weniger. Und Freunde sehen ist nur spontan möglich.“

Studieren und parallel Erfahrungen sammeln für sein Berufsziel, „das geht, ist alles eben eine Frage der Organisation“, erläutert er sachlich seine Vorgehensweise und vermittelt dabei: Wer will, der kann auch. Party oder Lernen, das war für Tobias Kinle schon vor dem Abitur keine Alternative. Denn was er werden wollte, war ihm schon früh klar: Architekt.

„In der Schule wird man ja überhaupt nicht auf irgendwas im Berufsleben vorbereitet. Ich wollte aber wissen, wie das so ist auf dem Bau.“ Während sich einige seiner Mitschüler in den letzten Sommerfeien vor dem Abi eine schöne Zeit machten, verbrachte er sechs Wochen in Oberhausen bei seinem Onkel, der Malermeister ist. Und fand Gefallen an dem Umfeld auf dem Bau. „Seit dem Abi habe ich ohne Pause immer neben dem Studium gearbeitet.“

Zuerst folgte ein Jahr bei der Oberhausener August-Heine-Baugesellschaft AG. „Die bauten gerade das Orrick-Haus in Düsseldorf. Ich hatte ja am Anfang von nichts eine Ahnung. Da habe ich die Ablage organisiert und 40 Aktenordner so verwaltet, dass jeder das finden konnte, was er wollte. Das fanden die gut. So fing es an.“

"Die Realität sieht nochmal anders aus"

Sich selbst wusste Kinle auch zu organisieren. Seinen Wohnsitz hat er in Burscheid. „Also morgens um sechs raus, zum Zug nach Köln-Deutz, um acht in die Vorlesung. Mittags mit dem Zug nach Düsseldorf und abends nach Hause.“ Jeden Tag. „Es hat sich gelohnt. In dem Jahr habe ich so viel gelernt. Da war alles drin: Der Abriss eines Hauses, die Tiefbauarbeiten und der Neubau. Ich war auf der Baustelle und habe begriffen, wie wichtig der Polier ist und wie man dort im Team arbeitet.“
Besonders dankbar ist er einem Bauingenieur, der ihm viel beibrachte, unter anderem wie man Stahlmassen berechnet. „In der Hochschule bekommt man immer nur Beispiele. Die Realität sieht noch mal anders aus.“ Die Baugesellschaft hätte ihn gerne gehalten, aber Kinle wollte das Unternehmen wechseln und wurde mit einem guten Zeugnis verabschiedet.

Seine nächste Stelle fand er am schwarzen Brett in der FH, beim Architekturbüro Lüttgenau in Leverkusen. Es gab wieder ein aufschlussreiches Jahr, aber in einem anderen Sinn. „Auf dem Bau hatte ich die Arbeit aus der Perspektive der Handwerker gesehen. Im Architekturbüro kam die Perspektive aus der Sicht der Planer dazu. Da habe ich Planung gelernt. Wie man Rechnungsprüfungen macht. Und wie man Angebotsverhandlungen führt.“ Hochinteressant für ihn – „aber es war Büroarbeit, und ich glaube, ich bin doch mehr ein Frischlufttyp“.

Märkte der Möglichkeiten

Zwei von drei Studenten arbeiten neben dem Studium, wie die Studie des Deutschen Studentenwerks 2010 ergeben hat. Praktika und Teilzeitjobs im späteren Berufsbereich gelten angesichts der internationalen Konkurrenz als unerlässlich. Zum Thema gibt es viele Ratgeber in Buchform. An den Hochschulen lohnt eine Anfrage bei den Professoren.
Der Nebenjob-Service der Fachhochschule Köln vermittelt Jobs. www.fh-koeln.de/nebenjob-service

Das Jobportal der Universität Köln vermittelt Nebentätigkeiten und Praktika. www.stellenwerk-koeln.de

Die Deutsche Rentenversicherung informiert über die rechtlichen und steuerlichen Arbeitsbedingungen in der Broschüre „Tipps für Studenten: Jobben und studieren“. Die Website bietet unter dem Stichwort „Student“ viele Informationen. www.deutsche-rentenversicherung.de

Über das Jobben im Studium sowie Teilzeitangebote gibt auch das Portal studieren.de Auskunft. www.studieren.de

Das Kölner Studentenwerk bietet eine kostenlose Servicebroschüre mit Infos zum Thema Praktika und Nebenjobs: Studieren in Köln, Winter 2012/2013. (kb)

Kinle suchte nach einer neuen Herausforderung. Nun stöberte er auf der Website der Architektenkammer und wurde fündig: Die Stuttgarter K+H Architekten suchten einen Studenten für Köln. Und entschieden sich unter all den Bewerbern für ihn. „Das lag vielleicht an meinem Vorwissen“, vermutet er. „In der Flora kann ich alles anwenden, was ich vorher gelernt habe.“ Als Architekt kann sich Kinle mit dem Bachelor-Abschluss nicht bezeichnen. Dazu fehlt der Master. Den will er in Stuttgart machen, an der Fakultät für Architektur und Städteplanung der Universität. Denn Städteplanung, das ist es, was ihn reizt. Und was soll ihm die Zukunft bringen? „Zunächst weiterhin so viele Erfahrungen wie möglich. Ich bin ja noch jung.“

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