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Interview: Abschied von einer Legende

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Varol Kiyar (rechts) und Kevin Eberhardt legen ihr Teen-Spirit-Projekt im neuen Jahr vorerst auf Eis. Foto: Privat
Erste Bühnenerfahrung haben junge Bands bei der Konzertreihe "Teen Spirit" in Leverkusen sammeln können. Im Interview erzählen die jungen Macher, warum nach dem Konzert im Januar Schluss mit der Reihe ist.
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Leverkusen

Varol Kiyar, 17, und Kevin Eberhardt, 21, sorgen mit ihrer Konzertreihe Teen Spirit seit Beginn des Jahres für Rockstimmung in Leverkusen. Junge Bands bekommen die Gelegenheit, sich das erste Mal auf der Bühne zu beweisen und Erfahrung zu sammeln. Doch damit ist bald Schluss. Noch zwei Konzerte wird es geben, dann ist die Reihe erst mal zu Ende. Im Interview sagen die beiden Schüler, warum nun Schluss sein muss - und stellen einen Abschluss mit Knall in Aussicht.


Teen Spirit steht kurz vor dem Abschluss, was darf man vom letzten Konzert im Januar erwarten?


VAROL KIYAR: Einiges!
KEVIN EBERHARDT: Party ohne Ende!
VAROL: Das wird das bisher größte Konzert. Wir fangen schon um 18 Uhr an und werden bis tief in die Nacht feiern. Nachdem alle Bands gespielt haben, ist nämlich noch lange nicht Schluss. Dann kommt noch eine Aftershowparty. Da werden wir dann ordentlich House spielen.


House?


KEVIN: (lacht) Ja, klar. Nur weil alle Rockmusik spielen heißt das ja noch lange nicht, dass man nicht auch mal was anderes hören kann.
VAROL: Es wird so gut, wir werden auch eine richtige Lichtanlage aufbauen. Und die hat einiges gekostet. Und fast alle Bands, die schon mal beim Teen Spirit dabei waren, sind auch wieder dabei. John Doe- die sich jetzt übrigens Oh, John Doe nennen, Caruso, die German Potatoes. Um nur ein paar zu nennen.


Aber wenn es so gut wird, warum ist dann Schluss mit Teen Spirit?


VAROL: Weil es momentan einfach ein bisschen zu stressig wird.
KEVIN: Wir sind beide momentan im Jahrespraktikum und haben sowieso schon sehr viel zu tun.


Wie viel Aufwand ist so ein Konzert denn?


VAROL: Eine Menge. Wir müssen uns um einen Ort kümmern, dann müssen wir Werbung machen und uns um die Tontechnik kümmern. Und Flyer drucken - weißt Du, was es für eine Arbeit ist, die alle zu verteilen? Beim Abschlusskonzert müssen wir spätestens um 8 Uhr vor Ort sein, schließlich braucht jede Band einen vernünftigen Soundcheck.
KEVIN: Und in den zehn Stunden bis zum Konzertbeginn kann so einiges passieren, mit dem wir nicht rechnen.
VAROL: Aber es ist natürlich schon sehr schade. Die Konzertreihe hat Leute von ganz unterschiedlichen Schulen aus Leverkusen zusammengebracht. Die werden sich wohl demnächst nicht mehr so häufig sehen.


Habt ihr denn mal darüber nachgedacht, Teen Spirit an jemanden zu vererben?


VAROL: Nee. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, aber ich kenne keinen, der das könnte. Und Teen Spirit soll schließlich eine Legende bleiben.


Eine Legende, die womit begann?


VAROL: Mit dem 3. Februar 2012. Da war das erste Teen-Spirit-Konzert. Und auch das Beste. Wir haben im Haus der Jugend in Opladen gerockt. Es war rappelvoll und die pure Eskalation. Alles, wofür Rock eben steht.


Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, eine Konzertreihe zu starten?


VAROL: Ich bin ein großer Fan von Rockmusik und war der Meinung, dass es irgendwie keine guten Konzerte in Leverkusen gab. Es fehlte irgendwie das gewisse Maß an Harmonie. Und der Name für die Konzertreihe kam dann natürlich von Nirvana. Kevin ist dann nach dem zweiten Konzert dazu gestoßen und hat mir unter die Arme gegriffen.


Beim Rock kommt es also auf die Harmonie an?


VAROL: Naja, was mir immer am Herzen gelegen hat, ist die Gemeinschaft. Es gab einfach nie irgendwelche Ausgrenzungen bei den Konzerten. Da ergibt sich für mich ein Bild, ein Polaroid, das richtig herzerwärmend ist.
KEVIN: Ja, wir haben durch die Konzerte einfach unglaublich viele tolle Menschen kennen gelernt.


Und auch sonst so einiges gelernt?


VAROL: Klar, wenn du sowas machst, lernst du, wie man Dinge organisiert, wie man richtig kommuniziert und vieles mehr.
KEVIN: Man lernt auch seine eigenen Grenzen kennen. Ich habe stellenweise ein bisschen den Türsteher gemacht und aufgepasst, dass die Leute keine Glasflaschen und harten Alkohol mit zu den Konzerten bringen. Aber da dich die Leute kennen, nehmen sie dich manchmal nicht ernst. Und einmal wurde einer richtig ungemütlich. Er hatte schon einiges getrunken und wollte partout nicht einsehen, warum er nicht auf das Konzert darf. Es war ein ganzes Stück Arbeit, ihn abzuwimmeln.


Klingt wirklich nach einer ganzen Menge Arbeit. Lohnt sich der Aufwand denn?


VAROL: Also finanziell auf jeden Fall nicht. Alles, was wir einnehmen, stecken wir in das nächste Konzert. Und es ist auch schon vorgekommen, dass wir die Ausgaben nicht wieder reingeholt haben. Da mussten wir dann eben mit unseren eigenen Mitteln einspringen. Aber das ist mir egal. Besser, als das Geld für Bier auszugehen.
KEVIN: Richtig, solange die Leute ordentlich abgehen, hat sich der Aufwand und der Einsatz gelohnt.


Und was macht ihr nun, wenn ihr den Aufwand nicht mehr betreiben müsst? Wird euch da nicht langweilig?


KEVIN: Oh, da wird sich schon genug finden.
VAROL: Ich werde vermutlich wieder selbst Musik machen.


Apropos Musik, gibt es eine von den Bands, der ihr zutraut, so richtig groß rauszukommen?


VAROL: Definitiv!
KEVIN: John Doe!
VAROL: Das soll die Leistung der anderen nicht schmälern. Aber John Doe sind einfach genial.


Da sind wir mal gespannt. Gibt es noch irgendwas, was ihr den Leuten unbedingt mitteilen wollt?


VAROL: Bedanken wollen wir uns. Bei allen Bands, die jemals dabei waren. Bei den Besuchern. Und beim Saal Norhausen in Rheindorf, der uns in letzter Zeit sehr unterstützt. Und, naja, mal nebenbei: Auch 2013 wird es sicher mal ein Konzert geben - aber eben keine Teen Spirit.


DAS GESPRÄCH FÜHRTE MAXIMILIAN DOECKEL

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