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Autonomes Zentrum: Zweifel an der Vertragstreue

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An der Stelle der besetzten ehemaligen KHD-Werkskantine soll eine möglichst große Grünfläche entstehen, um die Grünversorgung in dem Stadtteil zu verbessern.   Foto: Worring
Über den geplanten Umzug des Autonomen Zentrums zum Eifelwall gibt es unterschiedliche Meinungen. CDU-Ratsherr Karten Möring spricht von einer „untragbaren Lösung“, andere sind „sehr froh über die Entscheidung“.  Von
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Köln

Die einen, wie CDU-Ratsherr Karsten Möring, sprechen von einer „absolut schlechten, um nicht zu sagen untragbaren Lösung“. Andere, darunter die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Susana dos Santos-Herrmann, äußern sich „sehr froh über die Entscheidung“. Die Vereinbarung über den Umzug des Autonomen Zentrums von Kalk auf ein Gelände in der Innenstadt wird von Politikern des Rates höchst unterschiedlich bewertet.

Rot-Grün befürwortet das notariell besiegelte Abkommen, ebenso die Linke. CDU und FDP dagegen halten den künftigen Standort für ungeeignet. Denn auf dem Grundstück neben dem Justizzentrum, eingegrenzt vom Eifelwall und der Luxemburger Straße, soll 2018 das neue Stadtarchiv eröffnet werden. Einen weiteren Abschnitt des Areals will die Verwaltung nach Vorgaben des städtebaulichen Masterplans zu einer Grünfläche umgestalten. „Sie haben einen Standort gewählt, der sensibel ist“, sagte Möring im Hauptausschuss mit Blick auf Stadtdirektor Guido Kahlen. Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters hatte die Abmachung mit dem Autonomen Zentrum unterschrieben.

Autonomes Zentrum zieht an den Eifelwall

Was CDU und FDP befürchten: Sollten die Nutzer des Autonomen Zentrums das ihnen kostenlos überlassene Gebäude Ende 2018 nicht vereinbarungsgemäß räumen, werde das die städtischen Vorhaben weiter verzögern. In Kalk hätten sich die Autonomen geweigert, das Gebäude an der Wiersbergstraße nach Ablauf des Vertrages zu verlassen. „Das Autonome Zentrum hat gezeigt, dass es sich nicht an Verträge hält“, sagte Möring. „Ich kann nicht nachvollziehen, woher Sie die Hoffnung nehmen, dass das im zweiten Anlauf besser wird.“

FDP-Fraktionschef Ralph Sterck hegt ebenfalls wenig Vertrauen in die Vertragstreue der Autonomen. Er gehe „mit dem Stadtdirektor jede Wette ein, dass dieses Grundstück am 31. Dezember 2018 nicht geräumt ist“. Im Falle des Autonomen Zentrums werde „Handeln gegen die Gesetze belohnt, und das auf Kosten der Allgemeinheit“.

Stercks Vorahnung ist: „Es gibt nichts, was dauerhafter ist in Köln als solche Provisorien.“ Für die Grünen, betonte deren Fraktionsvorsitzende Barbara Moritz, habe der Bau des neuen Stadtarchivs und die Vollendung des Grüngürtels „einen großen Stellenwert“. Folglich sei sie „mit dem Standort nicht ganz glücklich“. Sie sei jedoch überzeugt, dass sich vor Ablauf des Vertrages ein anderes Quartier für die freie Kulturstätte finden lasse. In einer Großstadt wie Köln, die sich in ständiger Entwicklung befinde, seien wechselnde Standorte für ein Autonomes Zentrum allemal möglich, so Moritz. Aber: „Alle Modelle können nur funktionieren, wenn man den Vertrag einhält.“

Stadt sieht für AZ keine Zukunft

Stadtdirektor Kahlen will die Anwohner des Eifelwalls in den kommenden Tagen über die Pläne für das Autonome Zentrum informieren. Dessen Vertreter hätte bereits in dem Notarvertrag Rücksicht auf die Nachbarschaft zugesichert. Er glaube, „dass es im Sinne der Stadtgesellschaft ist, zu einer friedlichen Lösung gekommen zu sein“, sagte Kahlen. Mit dem Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), der in dem Haus Eifelwall 7 im vorigen Winter eine Notschlafstelle für Obdachlose unterhalten hatte, werde man über eine gemeinsame Nutzung für eine Übergangszeit sprechen. Für SPD-Ratsfrau Susana dos Santos-Herrmann „ist die Hauptsache, dass klar ist: Es wird keine Gewalt geben.“

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Das seit 2010 bestehende Autonome Zentrum in Kalk muss einer Schule weichen. Der Auszug wurde für die kommende Woche vereinbart. Die Autonomen wünschen sich ein Haus, in dem es „Platz für Werkstätten und Ateliers, einen Umsonstladen, Proberäume und mehr gibt“; und in dem „Veranstaltungen stattfinden können und Diskussionen und Ausstellungen ihren Platz haben“. Weiter heißt es in einer Pressemitteilung: „Wichtig ist nicht in erster Linie das Gebäude, sondern die Menschen, die es gestalten und mit Inhalten füllen.“ Die Linke bezeichnete den bevorstehenden Umzug des Autonomen Zentrums als großen Verlust für Kalk.

„Die Verdrängung aus dem Stadtteil ist besorgniserregend, steht sie doch in einer Reihe von Maßnahmen, die Kalk zu einem Wohnviertel für höhere Einkommensgruppen gestalten sollten“, sagte Heinz-Peter Fischer, Bezirksvertreter der Linken. Fraktionssprecherin Gisela Stahlhofen forderte alle Beteiligten auf, „den Dialog aufrechtzuerhalten – damit 2018 das Autonome Zentrum, der Rat, die Verwaltung und die Stadtgesellschaft nicht vor den gleichen Problemen und Konflikten stehen“.

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