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Autonomes Zentrum: Kunst gegen mögliche Räumung

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Das Autonome Zentrum feiert eine Anti-Räumungs-Gala in Kalk. Foto: Martina Goyert
Möglicherweise ist es das letzte Finale in der alten Humboldt Deutz Kantine, wenn das Sommerblut-Festival im „Autonomen Zentrum“ in Kalk ihren Abschluss feiert. In vier Wochen soll hier Schluss sein, es wird eine friedliche Räumung erwartet.  Von
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49 Stunden Zeit für „ungezähmte Kunst“, verspricht die Einladung: Kunst zum Selbermachen, „unrhythmische Noise Gymnastik“, Jam-Sessions mit Klaus dem Geiger, veganes Backen, Fotoworkshops und Instrumentenbasteln aus Müll für Kinder – dazu Protestaktionen gegen die Abschiebung von Flüchtlingen und natürlich für den Verbleib des Veranstaltungsortes, wo dies alles stattfindet: „Alles kann, nichts muss. Außer AZ.“

Finale von „Sommerblut“

Das Finale des Kulturfestivals „Sommerblut“ nutzt das „Autonome Zentrum“ in der Kalker Wiersbergstraße an diesem Wochenende noch einmal zur Demonstration seines Angebots der bunten Großstadtvielfalt. In vier Wochen soll hier Schluss sein. Die Sparkasse hat als ehemalige Vermieterin der alten Kantine von Klöckner Humboldt Deutz nach Absprache mit der Stadt den Vertrag mit dem Förderverein des AZ gekündigt. Man gehe davon aus, dass die Nutzer des Hauses pünktlich und friedlich gehen, pocht die Sparkasse auf die geschlossene Vereinbarung. Sogar „besenrein“ soll das innen wie außen bunt bemalte Haus übergeben werden – damit es kurz darauf abgerissen werden kann. „Nicht vermittelbar“, sei das, sagen die Sprecher des AZ.

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In Kalk läuft man sich lustvoll warm für den Widerstand gegen eine mögliche Räumung. Ein Barrikadenfest wurde gefeiert, vergangenes Wochenende lud man zum „Antiräumungs-Galaabend“. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie dieser lebendige Treffpunkt aufgrund von politischer Verbohrtheit und konservativer Ideologien dem Erdboden gleichgemacht wird“, verkündet eine Initiative mit dem Namen „Rotzfreche Asphaltkultur“. Was das in der Praxis heißt, bleibt vage. „Wir wollen kulturell und politisch arbeiten und nicht unsere Energie in die Verteidigung des Hauses stecken“, sagt die 29-jährige Hannah Grohs. Wenn man sich aber elf Monate um Gespräche mit den politisch Verantwortlichen in der Stadt bemühe, um Lösungen zu finden, und sich nichts bewege, steige natürlich die „Emotionalität“, meint ihr Mitstreiter Martin Warneck. „Es wird schwierig, alles unter Kontrolle zu halten.“

Kurz nach der Kündigung des Mietvertrags im AZ kam es zu einer Sachbeschädigung an der Parteizentrale der Kölner SPD. Ein Türschloss sei zerstört und die Hauswand beschmiert worden, sagen die Sozialdemokraten. Die Sprecher des AZ wollen dafür die Verantwortung nicht übernehmen. Es entstehe eben eine gewisse „Eigendynamik“, wenn Leute das Gefühl bekommen, dass Zusagen von Politik und Verwaltung keine Taten folgen. Hier sehen die Autonomen vor allem die SPD in der Pflicht.

Zu Grünen und Linken habe man einen guten Kontakt. Die SPD habe aber noch nicht einmal abgesagt, als man zu einem Runden Tisch eingeladen habe. Nun soll es in der nächsten Woche nach monatelanger Funkstille ein Treffen mit zwei SPD-Ratsmitgliedern in einem Kalker Café geben. Die Vertreter des AZ hoffen auf ein konkretes Angebot. Die SPD wird ihnen das aber nicht bieten können.

„Wir wollen akzeptable Lösungen finden“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Susanna dos Santos Herrmann. In Kalk könne und solle das AZ aber nicht bleiben. Die Stadtverwaltung habe die Aufgabe, einen neuen Standort für ein solches Zentrum zu finden. Zurzeit sei aber keiner bekannt. Man erwarte trotzdem, dass das Haus friedlich und freiwillig geräumt werde. Das Areal solle zügig für andere Nutzungen wie die Erweiterung des benachbarten Gymnasiums weiterentwickelt werden.

Aus Sicht der AZ-Betreiber war man vor einem Jahr schon einmal weiter. Der damalige Baudezernent Bernd Streitberger, Mitglied der CDU, zu der es ansonsten wenig Berührungspunkte gibt, hatte sich mit den AZ-Sprechern auf die Suche nach alternativen Gebäuden gemacht und unter anderem eine andere ehemalige Industriehalle in der Nachbarschaft ins Auge gefasst. Hierhin wäre man durchaus umgezogen, sagt Warneck. Das Angebot zerschlug sich, Streitberger ist nicht mehr im Amt.
Im zurzeit sehr angespannten Beziehungsgeflecht der Parteien im Rathaus ist der Umgang mit dem AZ zu einer heiklen Angelegenheit geworden. Neue rot-grüne Streitigkeiten sind in Wahlkampfzeiten genauso unerwünscht wie Barrikadenkämpfe mit vermummten Autonomen und einer danach sehr wahrscheinlichen neuen Hausbesetzung.

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