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Autonomes Zentrum: Eine Großstadt braucht solche Räume

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Der Konflikt der Stadt mit den Besetzern des Autonomen Zentrums scheint zu eskalieren. Foto: Arton Krasniqi
Polizeischutz für den Oberbürgermeister, erneute Farbschmierereien in der Nähe des AZ - der Konflikt der Stadt mit den Besetzern scheint zu eskalieren. Kabarettist Jürgen Becker plädiert für Räume wie das Autonome Zentrum in einer Stadt.
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Türschlösser mit Uhu verkleben? „Das ist doch Unfug, das hält doch gar nicht“, sagt Jürgen Becker und lacht. Aber Spaß beiseite, Gewalt sei natürlich inakzeptabel, ergänzt der Kabarettist. Die aktuellen Vorkommnisse dürften jetzt aber nicht mit dem Autonomen Zentrum gleichgesetzt werden. „Das hat doch mit dem AZ nichts zu tun, wenn einige wenige Leute sich so etwas ausdenken“, betont Becker. Räume wie in dem Zentrum würden natürlich auch Menschen anziehen, die schwierig seien. Die zahlreichen Aktivisten im AZ jedoch, die sich normalerweise dort aufhalten würden, „wollen keine Gewalt“, glaubt Becker. Örtlichkeiten wie das Zentrum seien „wichtig und richtig“. Eine Großstadt müsse Räume schaffen, in denen man sich frei und unbeobachtet entwickeln kann. „Das muss auch in Köln möglich sein“, so Becker. Und wenn dies jetzt nicht mehr in der ehemaligen KHD-Kantine möglich sei, „muss in Politik und Stadtverwaltung eben über einen anderen Ort nachgedacht werden.“

Entwicklung geht "in die falsche Richtung"

„Gewalt geht gar nicht!“ kommentiert Pfarrer Franz Meurer, der die Verantwortlichen des AZ in der Vergangenheit stets unterstützt hat, die Entwicklung der letzten Tage. Gerade eine Basisdemokratie, wie sie die Menschen im Zentrum gut fänden, gehe nur gewaltfrei. Leider entwickele sich jetzt „alles in die falsche Richtung“: „Schade, schade, dass sich offensichtlich die gewalttätigen Leute von den friedlichen nicht stoppen lassen“, so Meurer. Das Autonome Zentrum „hat verloren und geht verloren, wenn sich die Mitglieder nicht umgehend von allen Gewalttaten deutlich distanzieren und ohne Wenn und Aber klar verurteilen“. Es sei ausgesprochen schade, wenn die Initiative jetzt scheitern würde, weil einige Verblendete dazu übergegangen seien, Menschen zu bedrohen.

Seit Mietende gilt KHD-Kantine wieder als besetzt

Seit dem 1. Juli sind die Nutzer der ehemaligen KHD-Kantine in Kalk wieder Besetzer. Der Mietvertrag wurde von der Sparkasse gekündigt. Sie hatte ihn als Vorbesitzerin der Immobilien mit den Autonomen abgeschlossen. Die Immobilie ist an die Stadt übertragen worden, diese hat aber mit dem kommunalen Kreditinstitut vereinbart, dass es das Grundstück ungenutzt und ohne Altlasten übergeben wird. Man habe alle juristischen Schritte eingeleitet, die für eine Räumung nötig sind, so ein Sprecher der Sparkasse. Sie muss beim Amtsgericht einen Räumungstitel erwirken.

Die Stadt plant eine Neugestaltung des Areals, in dem unter anderem das benachbarte Gymnasium erweitert werden soll. Die KHD-Kantine soll abgerissen werden, das Gelände später zur Grünanlage werden.

Innerhalb des Ratsbündnisses von SPD und Grünen ist der Umgang mit dem AZ umstritten. Die Grünen sind gegen eine Räumung. Entscheidungsträger der Grünen aus Rat und Landtag haben die Unterstützerliste für das AZ unterschrieben. (fra)

Erstmals hat sich Polizeipräsident Wolfgang Albers zu dem Konflikt um das Autonome Zentrum geäußert: „Wichtig ist, dass die Beteiligten miteinander reden, um den Konflikt friedlich und gewaltfrei einer Lösung zuzuführen“, sagte Albers. Die Polizei begleite diesen Prozess. „Unsere Aufgabe ist es, Straftaten zu verhindern und zu verfolgen und gegebenenfalls die Durchsetzung rechtlicher Ansprüche zu unterstützen.“ Gemeint ist damit zum Beispiel die Unterstützung eines Gerichtsvollziehers, der die Polizei um Hilfe bitten könnte, sollte das Autonome Zentrum tatsächlich in den nächsten Tagen geräumt werden.

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Für Samstag planen die Anhänger des Autonomen Zentrums eine Demonstration durch die Innenstadt. Unter dem Motto „One struggle one fight“ wollen etwa 400 Teilnehmer ab 16 Uhr von der Kapellenstraße in Kalk bis zum Roncalliplatz ziehen. Die Demonstration ist ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldet worden. Die Teilnehmer wollen gegen die drohende Räumung des Autonomen Zentrums in der Wiersbergstraße protestieren.

19-jährige Sprayerin festgenommen

Die Polizei hat drei Unterstützer des Autonomen Zentrums in der Nacht zum Donnerstag in Gewahrsam genommen. Nach Angaben eines Behördensprechers hatte eine Zeugin gegen 0.45 Uhr gesehen, wie mehrere dunkel gekleidete Personen sich vor dem Ausländeramt am Ottmar-Pohl-Platz in Kalk aufhielten. Sie sollen eine mit flüssiger Farbe gefüllte Glühbirne – eine so genannte Farbbombe - gegen die Hauswand geworfen und ein Spruchband an die Fassade gekleistert haben. Als die Gruppe einen Streifenwagen sah, flüchtete sie in Richtung Wiersbergstraße, wo sich das Autonome Zentrum (AZ) befindet. Beamte konnten ein Paar aufhalten und festnehmen, die 19-Jährige leistete Widerstand. Nach Angaben des Sprechers seien mehrere Dutzend Personen aus dem AZ gekommen und hätten sich den Beamten genähert, einige seien vermummt gewesen. Die Polizisten forderten Unterstützung an. Eine 21-Jährige, die einen Platzverweis nicht akzeptieren wollte, wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen. Nach Feststellung ihrer Personalien wurden alle drei wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Paar bekam eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, die 19-Jährige zudem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. (ts, fra)

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