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Gleichstellung: „Ich brauche nur ein bisschen länger“

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Nina Kröger macht freundlich und ruhig ihren Job. Foto: Stefan Worring
Beim Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung geht um Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. Die 29-jährige Nina Kröger lebt diese Forderung bereits - und zeigt, wie es geht.  Von
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Nina Kröger macht freundlich und ruhig ihren Job: Waren einscannen, kassieren, Wechselgeld rausgeben. Es ist viel los im Fairstore-Kaufhaus an der Kalker Hauptstraße; vor der Kasse hat sich eine Schlange gebildet. Da würde manch andere in Hektik ausbrechen. Sie hat alles im Griff.

„Ich bin geistig behindert“, sagt die 29-Jährige. Es sei kein Problem für sie, das zu sagen, auch als Kind nicht. Und was bedeutet das, „geistig behindert“ zu sein? „Ich bin eben langsamer. Ich brauche ein bisschen länger als andere.“ Warum man so was „geistige Behinderung“ nennt, weiß sie nicht. Das ist keine Frage, mit der sie sich aufhalten möchte. Es ist, wie es ist.

Am Sonntag beteiligen sich Initiativen und Betroffene am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Unterstützt von der „Aktion Mensch“, wird die Umsetzung der Behindertenkonvention der Vereinten Nationen verlangt.

Unterstützung von der Familie

Nina Kröger
Nina Kröger
Foto: Stefan Worring

Es geht um Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. Nina Kröger ist ein Beispiel dafür, wie es gehen kann. Sie hat eine Familie, die sie unterstützt. „Ich komme gut klar.“ So kann sie trotz einer 50-prozentigen Behinderung allein in einer eigenen Wohnung leben. Mit ihrem Freund will sie Neuseeland bereisen und eine Familie gründen. „So großes Glück haben nicht viele“, sagt Melanie Busch-Sampanan, die für die Diakonie Michaelshoven die behinderten Angestellten in drei Fairstore-Kaufhäusern begleitet. Nicht jede Familie könne sich so um ein behindertes Familienmitglied kümmern.

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Nina Kröger hat auf einer Förderschule in Flittard den Hauptschulabschluss gemacht. Ein Versuch, am Berufskolleg weiter zu lernen, scheiterte. „Das war zu schwer.“ Sie machte eine Ausbildung als Verkaufshelferin in einem Projekt für Behinderte. Vor dem Beginn der Arbeit im Fairstore hat sie einige unerfreuliche Erfahrungen in der Berufswelt gemacht. Da würden Behinderte behindert. Immer wieder habe sie gehört, es habe „nicht gereicht“. Sie sei „zu langsam“. Viele Arbeitgeber „sind nicht sozial eingestellt“, findet sie. Sie möchte, dass die Politik etwas ändert. „Frau Merkel schafft nicht genügend Schutz für Behinderte.“ Sie fordert mehr Druck und mehr Zuschüsse für Arbeitgeber, damit Behinderte beschäftigt werden.

Es muss sich noch vieles ändern

Weniger schön war auch die Erfahrung mit einer Internet-Bekanntschaft. Da habe ihr ein Betrüger gleich drei Handyverträge aufgeschwatzt. Das sei ihr eine Lehre gewesen. Nun lasse sie Bruder und Mutter über Verträge schauen. Mit dem Betrüger habe sie sich erfolgreich vor Gericht gestritten.

Nina Kröger wünscht sich mehr Kontakte zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Mit der politischen Forderung, dass demnächst alle Kinder gemeinsam in eine Schule gehen, kann sich die ehemalige Förderschülerin jedoch noch nicht anfreunden. Ehe das funktionieren kann, müsse sich an den Schulen noch vieles ändern.

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