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Kalk für alle: Gemeinsam für ein besseres Veedel

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Das Projekt „Raum - ganz schon kalk“ soll allen Bürgern zur Verfügung stehen. Der Verein Kalk für Alle ist damit für einen Preis nominiert. Foto: Ramme
Der Verein Kalk für alle bietet Bürgern nicht nur einen Platz, um sich im Stadtteil zu engagieren, sondern unterstützt Eigeninitiative auch finanziell. Die Anwohner sollen die Geschicke des Viertels selbst in die Hand nehmen.  Von
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Eine noch junge Kalker Initiative erhält derzeit bundesweite Aufmerksamkeit. Das seit kurzem von dem Verein Kalk für Alle betriebene Ladenprojekt an der Kalk-Mülheimer Straße 61-63 hat es unter dem Motto „Raum – ganz schön kalk“ ins Finale des Wettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ der renommierten Montag-Stiftung geschafft. Aus 623 Bewerbungen hat eine Jury jetzt zunächst die 22 besten Projekte ausgewählt, die sowohl durch bürgerschaftliches Engagement als auch durch Qualität und Kreativität überzeugen. Diese werden nun von den Juroren besucht, ehe im Mai die Gewinnsumme von 100 000 Euro an den Sieger vergeben wird.

Das Kalker Projekt hat sich die Jury schon angesehen – und war beeindruckt. Schließlich wollen sich die Raum-Organisatoren mit ihren Ideen und Projekten für ihre Nachbarschaft einsetzen und versuchen, die Geschicke ihres Viertels selbst zu lenken. „Wir wollen Kalk lebenswerter und attraktiver machen“, sagt Robert Grosse (28). Der Veranstaltungs- und Künstlermanager ist zufällig auf das Projekt gestoßen, ist beim Vorbeischlendern an einen Sonntag zu Kaffee und Kuchen eingekehrt – und hängen geblieben. „Hier kann man etwas fürs Veedel machen. Das fasziniert mich.“

Mikrokredit für neue Waschmaschine

Angestoßen hat das Projekt im vergangenen Herbst der Kölner Filmemacher Rami Hamze. Für das Motto „Kalk für Alle“ hatte er 10 000 Euro Spenden gesammelt und anschließend nach Kalker Bürgern gesucht, die sich in ihrem Stadtteil einbringen wollten. Ein Ziel war, das Geld nicht nur in Konzepte, sondern in eine sichtbare Veränderung zu investieren. Hamze: „Hier waren keine Politiker, keine Verwaltungsangestellten und keine Jury gefragt. Wer sich engagiert, sollte auch über die Verwendung des Geldes entscheiden.“ In neun Gruppen entwickelten rund 50 Bürger Wünsche und Ideen. So ging es um die Anlage einen Abenteuerspielplatzes, den Bau eines Karussells auf dem Kalkberg oder um mehrere Umsonst-Regale.

Nach Abstimmung mit allen Beteiligten ging ein Teil der 10 000 Euro als Starthilfe an eine kleine, private Leihgemeinschaft. Hamze: „Eine normale Bank lacht doch darüber, wenn einer 300 Euro für eine Waschmaschine braucht.“ Der größte Teil der Summe floss in das Laden-Projekt. Und so ist aus einem ehemaligen Fahrradladen ein gemütlich eingerichteter Treffpunkt für die Nachbarschaft geworden. „Hier kann man seinen Geburtstag feiern, oder auch mal Geschichten erzählen oder vorlesen“, sagt Elektroingenieur Vincenzo Tino (31).

Kostenlose Veranstaltungen

Der „Raum“ an der Kalk-Mülheimer Straße 61-63.
Der „Raum“ an der Kalk-Mülheimer Straße 61-63.
Foto: Ramme

An einem Sonntag haben die beiden Theaterpädagoginnen Christine Lander und Selma Scheele im Rahmen eines Frühstücksbrunchs, mal auf deutsch, mal auf türkisch, Geschichten und Erlebnisse aus einem türkischen Hochzeitssaal vorgetragen. „Solche Veranstaltungen, die keinen Eintritt kosten, gehören zum Konzept des Ladens und sollen fortgeführt werden“, sagen Sozialpädagogin Brit Timmermann (27) und Studentin Sandra Jasper (25).

Neben einem Kindernachmittag und einer Märchenstunde für Erwachsene will ein Koch, der in der Nachbarschaft wohnt, demnächst Kurse anbieten. Zudem gibt es im Mai eine Lesung mit einem bekanten Krimi-Autor. Auch kleinere Konzerte (Tinto: „Bob Dylan wäre toll. Wir dürfen ja nicht so laut sein“) und Sozialberatungen sind geplant. „Da brauchen wir aber noch Unterstützung“, sagt Jasper. „Denn wie man genau einen Hartz-IV-Antrag ausfüllt, davon haben wir keine Ahnung.“

Gemeinsame Netzwerkarbeit

Mit anderen Initiativen wie der Baustelle Kalk oder dem Autonomen Zentrum will man bei Kalk für Alle kooperieren. Grosse: „Wir sehen das als ein Nebeneinander – Netzwerkarbeit anstelle von Konkurrenz. Doch bei uns sind die Grenzen weiter gefasst, hier kann wirklich jeder mitmachen.“

Bei so vielen Plänen kämen 100 000 Euro wie gerufen. „Alles, was eingenommen wird, wird auch wieder investiert“, sagt Grosse. „Aber Geld verschafft schon mehr Luft für längerfristige Planung.“ Zudem müssten in nächster Zeit einige der angemieteten Räumen renoviert und umgebaut werden. Doch auch ohne den Hauptgewinn wird die „Raum- Gruppe“ weitermachen. Timmerman: „Aber dann wird es etwas anstrengender.“

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