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Kriminalität: Kriminelle im Seniorenheim

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Der jüngste Fall: Anfang November raubten eine Diebin und ihr Komplize einer Bewohnerin des Seniorenhauses vor der Eingangstür der Wohnanlage ihre Handtasche (Szene nachgestellt). Foto: Schäfer
Ein Serie von Einbrüchen und Diebstählen im Seniorenhaus An St. Theodor verunsichert die Bewohner. Mehrere der Taten sind von Überwachungskameras aufgezeichnet worden. Trotzdem verlief die Suche nach den Tätern bisher erfolglos.  Von
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Vingst

Die Bewohner und Mitarbeiter des Vingster Seniorenhauses An St. Theodor sind verunsichert. Mehrere Diebstähle und Einbrüche sind seit Beginn des Jahres in der Wohnanlage in der Burgstraße passiert. Bis heute konnte die Polizei keinen der Täter überführen – obwohl Überwachungskameras einige der Delikte aufgezeichnet hatten.

Das Haus wird rund um die Uhr von Kameras überwacht.
Das Haus wird rund um die Uhr von Kameras überwacht.
Foto: Schäfer

Die Liste der Taten ist lang. Angefangen hatte es mit dem Diebstahl einer Standuhr aus dem Foyer am Morgen des 16. Januar. Im April wurde die Tiefgarage aufgebrochen und Navigationsgeräte aus den Autos gestohlen. Nur eine Woche später ließen Diebe von dort auch Fahrräder mitgehen. Zwei Mal entwendeten Täter im August die Brieftaschen von Senioren, als diese die Treppe zur Eingangstür hinaufgingen. Der letzte der bisher neun Übergriffe ereignete sich erst vor zwei Wochen. Während eine Bewohnerin am Fahrstuhl vor dem Eingang wartete, stahl ein Diebespaar ihre Handtasche vom Rollator.

Diebe von zwei Kameras aufgezeichnet

„Wir haben das Gefühl, unser Haus ist für die Täter ein Ort, an dem man schnell an Geld kommen kann“, sagt Hans Sühring, der Verwaltungsleiter des Hauses. Und das, obwohl mittlerweile zwei Kameras im Eingangsbereich einige der Taten aufgezeichnet hätten. „Die Aufnahmen des Uhrendieb-stahls beispielsweise zeigen deutlich die Gesichter der Täter und wie sie zunächst sicherstellten, ob die Luft rein ist.“

Erst dann – wieder zeichnete die Kamera auf – griffen sie zu. Gestochen scharfe Bilder gebe es auch vom Handtaschendiebstahl von Anfang November. Ein Mann und eine Frau nähern sich, die Frau lenkt das Opfer ab. Er greift zu. „Wir haben alle diese Videos an die Polizei übergeben“, sagt der Verwaltungsleiter. Doch gebracht habe das bisher nichts. Bilder aus dem Videomaterial wurden nicht als Fahndungsfotos veröffentlicht. Im Gegenteil: In Sachen Uhrendiebstahl und Einbruch in die Tiefgarage flatterten bereits Briefe der Staatsanwaltschaft ins Haus mit der Nachricht, die Verfahren seien ergebnislos eingestellt worden.

Noch keine heißte Spur

Dies frustrierte die Mitarbeiter des Seniorenhauses so sehr, dass sie sich entschlossen, mit den Vorfällen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir fühlen uns allein gelassen mit all den Beweisen, die wir haben“, sagt Birgitt Will-Bauske, die Geschäftsführerin des Hauses. Obwohl man Bilder des Geschehens und von den Tätern liefere, erfolge keine Reaktion. Will-Bauske hofft, dass die Ermittlungsbehörden künftig ihre Anstrengungen erhöhen, um wenigstens einige der Fälle aufzuklären oder durch mehr Polizeipräsenz im Umfeld der Vingster Einrichtung weitere Taten zu verhindern.

„Leider haben wir immer noch keine heiße Spur“, erläutert Polizeisprecherin Dorothe Goebel den Ermittlungsstand ihrer Behörde. Derzeit würden vier Verfahren von der Polizei bearbeitet. Möglich sei, dass sich in diesen Fällen noch konkrete Hinweise auf die Täter ergäben. Doch Goebel schränkt ein: „Es ist schwierig, bei Diebstahl und Einbruch die Täter zu ermitteln.“ Die anderen Fälle seien zur Bearbeitung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Fahndungsbedingungen nicht erfüllt

Verwaltungsleiter Hans Sühring
Verwaltungsleiter Hans Sühring
Foto: Schäfer

Kölns Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer erklärt, warum keine öffentliche Fahndung nach den Tätern erfolgte: „Wir müssen uns an strenge gesetzliche Vorschriften halten.“ So lege Paragraf 131b der Strafprozessordnung fest, dass zwei Voraussetzungen für eine Veröffentlichung der von der Überwachungskamera aufgezeichneten Bilder erfüllt sein müssen: „Die Straftat muss von erheblicher Bedeutung sein. Andererseits dürfen wir eine Fahndung nur ausschreiben, wenn die Feststellung der Identität eines unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre.“ Nur dann könne die Staatsanwaltschaft beim zuständigen Richter eine öffentliche Fahndung mit Täterbildern beantragen und die Polizei diese Bilder beispielsweise in der Presse und im Internet veröffentlichen.

Genau diese Voraussetzungen, so der Oberstaatsanwalt, seien bei den Taten am und im Seniorenhaus An St. Theodor offensichtlich nicht erfüllt. Bremer: „Meine Rücksprachen innerhalb der Staatsanwaltschaft und bei der Polizei haben ergeben, dass es sich um keine Serie eines Täters oder einer Tätergruppe handelt, sondern um Übergriffe verschiedener Täter.“ Da der Schaden im Einzelfall eher gering war – meist ging es um Beträge im dreistelligen Bereich – sei die Fahndungsbedingung „erhebliche Bedeutung“ nicht erfüllt.

Bremer versichert, dass sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft weiter an den Fällen dran seien. Sogar der Uhrenklau vom Januar, den seine Behörde als ergebnislos zu den Akten legen musste, werde von der Polizei weiter verfolgt. Bremer: „Eine öffentliche Fahndung konnten wir zwar nicht auslösen, doch intern läuft sie noch.“ Allen Polizeidienststellen stünden Fotos der beiden gut erkennbaren männlichen Täter zur Verfügung.

200 Wohnungen und ein Pflegeheim

Das Seniorenhaus wurde 1976 erbaut, in 200 Wohnungen leben Senioren weitgehend selbstständig in Appartements mit Grundflächen zwischen 28 und 63 Quadratmetern. Zum Grundservice für die Mieter gehören unter anderem eine Notbereitschaft, kulturelle Betreuung, ein Clubraum und ein kleines Schwimmbad.

Ein Anbau, 1988 errichtet, beherbergt ein Pflegeheim mit 40 Plätzen. Zur Einrichtung gehört außerdem ein Park mit altem Baumbestand, einem großem Teich sowie ein Bauerngarten, den die Senioren selbst bewirtschaften. Dieser Park steht allein den Hausbewohnern zur Verfügung. Das Gebäude hat der Trägerverein „Seniorenhaus An St. Theodor e.V.“ angemietet.

Der Verein trägt zwar den Namen der benachbarten katholischen Kirche St. Theodor, ist jedoch keine kirchliche oder der Kirche nahestehende Institution. Vielmehr wirkt er eigenständig und ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. (aef)

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