Kalk
Brück, Höhenberg, Humboldt/Gremberg, Kalk, Merheim, Neubrück, Ostheim, Rath/Heumar, Vingst

Vorlesen
27 Kommentare

Poppelreuterstraße: Ein Nazi als Namensgeber

Erstellt
Durch das "badische Quartier" verläuft die kurze Poppelreuterstraße. Foto: Schäfer
Zwischen der Stadt und den Anwohnern des "Badischen Quartiers" gibt es Unstimmigkeiten: Die Poppelreuterstraße ist nach einen bekannten Psychiater aus dem 20. Jahrhundert benannt. Der Mann war glühender Nationalsozialist.  Von
Drucken per Mail
Ostheim

Es herrscht Unruhe im sonst eher beschaulichen "Badischen Viertel", in dem viele Straßen nach südwestdeutschen Städten wie Mannheim oder Bruchsal benannt sind. Die Stadtverwaltung plant, die Poppelreuterstraße umzubenennen. Die Bewohner wehren sich dagegen und stellten einen Bürgerantrag an den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden. Das Thema beschäftigt die Bezirksvertretung Anfang 2013.

"Die Straße ist nach Walther Poppelreuter benannt, einem bekannten Psychiater aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts", erklärt Detlef Fritz, Leiter des Liegenschaftsamts. Doch habe er auch eine dunkle Seite gehabt. Er sei glühender Nazi gewesen. Das sei Grund genug für eine Umbenennung. Bezirksbürgermeister Markus Thiele beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema: "Ein Anwalt ist von den Nachkommen eines NS-Opfers beauftragt, sich für das Verschwinden des Namens Walther Poppelreuter aus deutschen Straßenverzeichnissen zu kümmern."

Dieser Anwalt ist Raimund Wimmer aus Bonn. "Ich vertrete die beiden Töchter von Otto Löwenstein, dem ehemaligen Leiter der Rheinischen Provinzial-Kinder-Heilanstalt für seelische Abnorme." Den habe Poppelreuter an der Spitze eines SS-Schlägertrupps im März 1933 in seiner Klinik überfallen. Später übernahm Poppelreuter selbst deren Leitung. Andere nach ihm benannte Straßen in Mainz und Paderborn seien bereits umbenannt. Wimmer: "Die in Köln ist die letzte."

Es gibt noch einen anderen Poppelreuter

Die Bewohner der Poppelreuterstraße sind davon nicht begeistert. "Wir wollen zwar auch nicht in einer Straße leben, die nach einem Nazi benannt ist. Doch warum muss der Name Poppelreuter verschwinden?", so Helmut Fleck, der Initiator einer Unterschriftensammlung und des Bürgerantrags. Es gebe doch auch einen Josef Poppelreuter. Der habe vor 100 Jahren die Römische Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums geleitet und gelte als erster Bodendenkmalpfleger. "Der starb Anfang 1919 und ist völlig unverdächtig, ein Anhänger der Nazis gewesen zu sein", so Fleck. Die Bürgerinitiative fordert eine Beibehaltung des Straßennamens, auch um den Aufwand für eine Adressenänderung zu vermeiden. Lediglich bei einem zusätzlichen Namensschild am Straßenschild "bin ich — wie wir alle — mit dem Hinweis auf Josef Poppelreuter einverstanden", sagt Anwohner Robert Buss.

Robert Buss will keine Umbenennung, ist mit einem Zusatzschild mit dem Hinweis auf Josef Poppelreuter aber einverstanden.
Robert Buss will keine Umbenennung, ist mit einem Zusatzschild mit dem Hinweis auf Josef Poppelreuter aber einverstanden.
Foto: Schäfer

"Ein solches Zusatzschild ist aber keine Umbenennung", hält Fritz entgegen. Das Mindeste sei, die Straße in "Josef-Poppelreuter-Straße" - also mit dem Vornamen auf dem regulären Straßenschild - umzubenennen. Doch näher wolle er sich nicht äußern: "Erstens ist unser Vorschlag noch in Arbeit und zweitens ist die Bezirksvertretung das allein entscheidende Gremium."

Es muss eindeutig sein

Die Bezirksvertreter sind sich jedoch nicht einig. CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Schuiszill plädiert für eine Zusatztafel: "Wenn dargestellt wird, dass es sich um Josef Poppelreuter handelt, müsste deren offizielle Einweihung als Umbenennung zählen." Oliver Krems, Vorsitzender der SPD-Fraktion, ist anderer Meinung: "Eine Umbenennung ist auf jeden Fall erforderlich." Seine Fraktion habe sich noch nicht festgelegt und wolle wie die CDU auf eine Empfehlung der Verwaltung warten. Persönlich bevorzuge er jedoch die Lösung "Josef-Poppelreuter-Straße".

Fragt sich, ob das Löwensteins Nachfahren zufrieden stellt. "Meine Mandanten haben nichts gegen einen Josef Poppelreuter", so Anwalt Wimmer. Doch es müsse eindeutig sein: "Da gehört der Vorname auf das Straßenschild."

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!