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Rather See: Zwischen Biotop und Freizeitparadies

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Die zwischen Neubrück und Rath-Heumar gelegene ehemalige Kiesgrube soll unter dem Namen „Rather See“ in ein Badeparadies mit Strandbad und Wasserskibahnen umgewandelt werden. Foto: Ramme
Nach mehr als drei Stunden Diskussion um das Projekt Rather See stand zumindest eines fest: Die Meinungen gehen auseinander. Eine Eigentümergemeinschaft plant ein Freizeitparadies, die Bürger befürchten „kölschen Klüngel“.  Von
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Neuberück/Rath-Heumar

Von allgemeiner Zustimmung („Das steigert die Attraktivität des Stadtteils“) bis zu klarer Ablehnung oder gar der Androhung von rechtlichen Schritten zur Verhinderung des Projektes reichte die Bandbreite der Meinungen bei der Bürgeranhörung zur Zukunft des Rather Sees. Mehr als drei Stunden wurde in der voll besetzten Aula der Kurt-Tucholsky-Hauptschule am Europaring kontrovers diskutiert.

Mit den Bürgern diskutierten Planer Jan Roth (v. l.), Bezirksbürgermeister Markus Thiele und  Anne Luise Müller vom Stadtplanungsamt.
Mit den Bürgern diskutierten Planer Jan Roth (v. l.), Bezirksbürgermeister Markus Thiele und Anne Luise Müller vom Stadtplanungsamt.
Foto: Ramme

Nachdem die Auskiesung des zwischen Neubrücker Ring, Rather Kirchweg und Rösrather Straße gelegenen Baggersees inzwischen beendet ist, plant eine Eigentümergemeinschaft, der inzwischen der Großteil der Grundstücke am und um den See gehört, einen Teil des rund 43 Hektar großen ehemaligen Kiesgrubengeländes in ein Bade-, Wassersport- und Freizeitparadies zu verwandeln. Vorgesehen ist ein gut 400 Meter langer Badestrand mit rund 8000 Quadratmetern Sandstrand und Liegewiesen sowie nördlich davon zwei Wasserskibahnen mit einem Gastronomie-Betrieb.

Der weitaus größere Wasser- und Uferbereich zum Rather Kirchweg hin soll künftig allerdings für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Schließlich soll das Biotop, das im Laufe der Jahre rund um den See entstanden ist, dauerhaft erhalten bleiben. Außer den Wasservögeln – neben Schwänen und Wildgänsen auch Haubentaucher, Tafel- und Reiherenten –leben hier seltene Tiere wie Zauneidechsen.

Die Pflanzenvielfalt ist ebenfalls groß. Um den Auflagen des Landschaftsschutzes nachzukommen, soll großflächig und unzugänglich ein naturnaher Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere entstehen. So will man entlang des Ufers im See Schlick ablagern und Schilf pflanzen, damit dieser Bereich für Schwimmer weitgehend unattraktiv wird.

Viele outeten sich als „illegale Nutzer“

Denn genau dort waren in der Vergangenheit immer wieder die Maschendrahtzäune und dichten Brombeerhecken niedergetrampelt worden, um illegal im See zu baden oder die Uferbereiche für Grillpartys zu nutzen. „Das haben wir seit 50 Jahren so gemacht, warum soll das nicht auch im 51. Jahr so weitergehen“, meinte ein Bürger. Auch andere outeten sich als „jahrelange illegale Nutzer“. Doch ihre Forderung nach weiterem kostenlosen Zugang zu Bade- und Schwimmspaß wies die Verwaltung zurück. „Die Stadt kann das Gelände nicht kaufen und wird sich auch in keiner Form beteiligen“, sagte Anne Luise Müller, die Leiterin des Stadtplanungsamtes. „Es bleibt eine private Wasserfläche.“ Die Stadt könne nur ein gutes Projekt entwickeln und die Rahmenbedingungen schaffen. Hier fürchteten einige Bürger „kölschen Klüngel“.

Während sich die meisten Vertreter von politischen Parteien in der Diskussion – wie von Moderator und Bezirksbürgermeister Markus Thiele gefordert – zurückhielten und den Meinungen und Vorschlägen der Bürger lauschten, wetterte Rüdiger-René Keune, der Vorstandssprecher der Kalker Grünen, lautstark gegen die Pläne und die Betreiber. „Das ist ein Prestigeprojekt, bei dem es nur um wirtschaftliche Interessen geht“, sagte er, ohne allerdings eine Alternative aufzuzeigen. Denn falls sich die Umgestaltung in Strandbad und Wasserskibahnen nicht realisieren lasse, so hat die Eigentümergemeinschaft angekündigt, „werden irgendwann ein paar Bäume gepflanzt, das gesamte Areal neu eingezäunt, und das war’s dann“.

Oberbürgermeister Jürgen Roters verschafft sich einen Überblick über das Gebiet.
Oberbürgermeister Jürgen Roters verschafft sich einen Überblick über das Gebiet.
Foto: Ramme

Nachdem drei Eigentümer kleinerer Parzellen am See, darunter der Angelsportverein ASV Köln-Rath, ihre Zustimmung zu den Planungen verweigert hatten oder ihre Grundstücke nur zu überhöhten Preisen abgeben wollten, haben Eigentümergemeinschaft und Investor die Pläne erneut überarbeitet, den Schwimmbereich etwas verkleinert – er reicht nun rund 50 Meter in den Baggersee hinein – und so die Wasserskibahnen leicht nach Süden verschoben. Doch die Eigentümer-Opposition ist nicht einverstanden. „Wir wollen beteiligt werden“, sagte einer und kündigte rechtliche Schritte an. Auch die Angler wollen weiter angeln, obwohl ihr Pachtvertrag für den See mit Beendigung der Auskiesung ausgelaufen ist. „Wir sind mehrfach auf die Stadt zugegangen, aber ignoriert worden“, sagte deren Vorsitzender Jürgen Richartz.

Für die Projektentwickler vom Planungsbüro ISR (Innovative Stadt- und Raumplanung) sagte Jan Roth zu, dass man die Probleme mit der Fischerei neu überdenken werde. „Man muss das Angeln integrieren.“ Auch die Bedenken der Bürger über zusätzlichen Verkehr und die Anzahl von Parkplätzen werde man in die weiteren Planungen einfließen lassen. Prüfen wollen die Betreiber zudem, ob sich die Wünsche der Bürger nach weiteren Wassersportarten wie Tauchen und Winterschwimmen realisieren lassen. Nicht machbar sei jedoch der von Bürgern wie Politikern gewünschte Rundweg um den See. Er scheitere an den Auflagen von Umwelt- und Artenschutz.

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