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Stadtentwicklung: Ein Hausmeister fürs ganze Viertel

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In Veedelshausmeister-Jacke unterwegs im Kalker Norden: Andreas Breil. Foto: Martina Goyert
Wer kümmert sich darum, dass in einem Stadtteil Schandflecken beseitigt und Verbesserungen angegangen werden? In Kalk macht das Veedelshausmeister Andreas Breil. Damit ist der 48-Jährige gut beschäftigt und mehr Manager als Handwerker.  Von
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Als Oberbürgermeister Jürgen Roters im Sitzungssaal des Bürgeramts die Pläne für Kalk Nord lobt, sitzt Andreas Breil hinten in der letzten Reihe. Er klatscht nicht, als Roters vom "Modellcharakter des Integrierten Handlungsprogramms" spricht, seine Züge bleiben unbewegt, als Roters verspricht, die Stadt werde sich trotz leerer Kassen "finanziell engagieren", er lächelt nicht, als der OB ihn persönlich erwähnt, und auch nicht, als Roters sagt, er werde die Pläne - samt der schon verwirklichten Idee eines Veedelshausmeisters - bald den Landespolitikern vorzustellen.

Andreas Breil ist ein zurückhaltender Mensch. Ein Bad in der Menge mag er nicht, auch nicht in jener, die zusammenkam, als die Projektentwickler der "Kalkschmiede" ihr Konzept für Kalk Nord an Roters übergaben (Details im Kasten weiter unten). Obwohl er ein fester Bestandteil des Konzepts ist: Bezahlt vom "Wohndialog Kalk Nord", in dem sich die größten Immobilienbesitzer zusammengeschlossen haben, ist Andreas Breil seit März Hausmeister für das ganze Viertel.

Ideen für das frühere Arbeiterviertel

Das ehemalige Arbeiterviertel Kalk Nord hat 14 000 Einwohner, mehr als 50 Prozent der Menschen haben einen Migrationshintergrund. Die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch, das durchschnittliche Bildungsniveau niedrig.

Bewohner, Vereine und andere Gruppen haben in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Montag Stiftung und unter Federführung der Kalkschmiede ein Konzept für die Zukunft von Kalk Nord erarbeitet. Es sieht den Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit samt Stadtteilschule, eine hauptamtliche Stelle für Gemeinwesen und die Schaffung von günstigem und familiengerechtem Wohnraum vor.

Der Veedelshausmeister, der sich unter anderem um die Sauberkeit von Straßen und Plätzen und die Helligkeit im Viertel kümmert, soll erhalten bleiben. (uk)

Andreas Breil (48) ist Veedelshausmeister in Kalk.
Andreas Breil (48) ist Veedelshausmeister in Kalk.
Foto: Martina Goyert

Im Veedel taut er denn auch auf. Drei Grad, eisiger Regen, Breil trägt eine braune Windjacke mit der Aufschrift "Veedelshausmeister", die er nicht bräuchte: Der 48-Jährige wohnt seit 38 Jahren im Viertel, viele kennen ihn.

Vor dem Gang durch sein Revier, das er nicht als sein Revier bezeichnen würde, ein schwarzer Kaffee beim Bäcker. Breil zieht einen Plan aus seiner Umhängetasche. Auf dem Plan hat er markiert, wo in Kalk Nord keine Mülleimer stehen - die Karte ist voller Punkte. "Nur so eine Kleinigkeit", sagt er, "aber wenn keine Mülleimer da sind, ist es auch schwerer, alles sauber zu halten." Er habe also bei den Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB), bei denen er selbst früher gearbeitet hat, um Mülleimer gebeten. Er zieht ein weiteres Papier hervor, auf dem er markiert hat, wo im Kalker Norden entweder keine oder kaputte Straßenlaternen stehen. Es sind nicht ganz so viele Punkte auf der Karte wie auf der Mülleimer-Karte, aber immer noch viele. "Keine große Sache vielleicht", sagt Breil, "aber wo es dunkel ist, fühlt man sich nicht sicher." Er habe die Liste also dem Amt für Straßen und Verkehrstechnik geschickt, bald wird er mit einem Behördenvertreter durch die Straßen gehen und ihm die dunklen Orte zeigen.

Ruhig, eloquent und pragmatisch

An den Bahngleisen laden viele Leute Müll ab.
An den Bahngleisen laden viele Leute Müll ab.
Foto: Martina Goyert

In manchen Straßen im Kalker Norden ist es nachts verdammt dunkel, die Kriminalität ist hoch. "Ich will die Stadt nicht überfordern", sagt Andreas Breil, "aber mit einigen Kniffen lässt sich einiges verändern. Von zehn Sachen, die ich anstoße, werden fünf ziemlich schnell umgesetzt." Andreas Breil hat keinen Werkzeugkoffer. Er ist kein strenger Verwalter, der darauf achtet, dass in seinen Häusern alles mit rechten Dingen zugeht, geschrien hat er in seinem Leben wahrscheinlich sehr selten. Andreas Breil ist also in gewisser Weise ein Anti-Hausmeister; einer, der nicht den gängigen Hausmeistervorstellungen entspricht. Ruhig, eloquent und pragmatisch erinnert er an einen Manager - ein "Veedelsmanager" würde freilich kaum nach Kalk passen. Und für einen Manager äußert sich Breil auch reichlich deutlich. Er sagt: "Leider ist hier 20 Jahre lang nichts passiert, nichts investiert worden. Als es mit der Industrie den Bach runterging, waren die Leute auf sich allein gestellt. Es hat sich eine Anonymität eingeschlichen, die nun behutsam wieder aufgebrochen werden muss." Und, eher Politiker als Hausmeister: "Man darf die Menschen da auch nicht überfordern mit Angeboten und Ansprachen."

Andreas Breil geht auf der Straße. Auf dem Gehweg liegen noch ein paar Eisschollen, immer wieder auch Hundehaufen und Glassplitter von Autoscheiben. "Beschaffungskriminalität", sagt Breil, keine Kleinigkeit, die Tretminen schon eher. Der Versuch, Beutel für den Hundekot in einem Spender anzubieten, führte dazu, dass Jugendliche die Tüten mit Sand befüllten und umherwarfen - Breil will jetzt mit den Kioskbesitzern reden: "Wenn die die Tüten anbieten und den Hundebesitzern noch eine Zeitung verkaufen, ist es doch gut."

Je heller und freundlicher, desto besser

Ein Projekt Breils sind die Baum- und Beetpatenschaften.
Ein Projekt Breils sind die Baum- und Beetpatenschaften.
Foto: Martina Goyert

Andreas Breil ist so etwas wie ein Müllexperte. Er hat an der Müllverbrennungsanlage Wertstoffe getrennt und bei den AWB gearbeitet. In Kalk Nord hat er eine wilde Mülldeponie an der Kasernenstraße und an den Bahngleisen entsorgen lassen. 7,5 Kubikmeter Müll am Gleis, 42 Kubikmeter auf einer Wiese, 18 Kühlschränke,12 Fernseher, Ölwannen, mitten im Veedel. Er hat gute Kontakte zu den AWB, das sei "ganz hilfreich". Wenn Breil über Müll und Gestrüpp spricht, ist er ganz Hausmeister. Einer, dem es um Ordnung und Sauberkeit geht - als Voraussetzung für einen ordentlichen Umgang miteinander. "Je heller und freundlicher, desto besser." Er hat also beim Grünflächenamt angerufen und Pläne geschickt, auf denen die dunklen, zugewucherten Plätze zu sehen sind. Das Amt hat viele Bäume und Büsche zurückgeschnitten. Eine Kleinigkeit, eigentlich. Andreas Breil, der Mann der kleinen Dinge, würde nicht darüber sprechen, spräche ihn keiner drauf an.

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